Onlineshops müssen anders werden: 3 Gründe warum

OnlineshopWas ist ein Onlineshop? Folgen wir doch dem Lehrer aus der Feuerzangenbowle der da fragte: „Stellen wir uns doch einfach mal janz domm. Wat is inne Dampfmaschin‘?“

Der klassische Onlineshop sieht so aus: Es gibt Produktkategorien und -unterkategorien, pro Kategorie eine Produktauflistung, dann eine Produktdetailansicht, eine Bestellstrecke und einen Warenkorb. Der wesentliche Content in einem Onlineshop beschränkt sich in der Regel auf die Detailbeschreibungen zum Produkt und die Produktbilder. Soweit, so langweilig.

Dabei werden die Produktbeschreibungen gerne aus der Warenwirtschaft importiert. Ich ließ mir kürzlich von einem Bekannten erzählen, dass in einem bekannten Großkonzern diese Texte sogar von unterschiedlichen Leuten in die Wawi gehackt wurden. Mal schreibt ein Vertriebler was rein, dann ein Techniker und dann wieder jemand aus dem Marketing. So lesen sich dann auch die Texte.

Ich glaube, dass man in Zukunft an die Entwicklung von Onlineshops und die Befüllung des Shops mit Content anders wird heran gehen müssen. Vor allem glaube ich, dass man sich in Zukunft nicht mehr in das starre Korsett pressen darf, die einem die Onlineshopsysteme mit ihren mangelhaften Möglichkeiten der Contenteingabe und -verwaltung vorschreiben.

Im Folgenden liste ich 3 Gründe auf, warum sich der E-Commerce zwingend wird ändern müssen:

1. Originärer Content für Ihren Onlineshop wg. SEO

Seit dem Panda Update von Google spielt originärer, also neudeutsch: „uniquer“ Content eine zunehmende Rolle, da jetzt auch die User Experience Berücksichtigung findet. Allein dies sind meiner Auffassung nach sogar schon 10 Gründe. Mehr dazu gab es ja schon in diesem Blog.

2. Originärer Content für Ihren Onlineshop Ihnen und Ihren Kunden zuliebe

Die Auffindbarkeit über Suchmaschinen ist auch nicht alles.

Sie als Betreiber eines Onlineshops möchten doch:

  1. eine gute Conversion
  2. geringe Retourenquoten
  3. Nutzer, die Ihnen Vertrauen

Und guter Content kann das in der Tat leisten:

Quite simply, as e-commerce has come of age, retailers have discovered that the more unique and rich their product content is, the better their storefronts perform in terms of conversions, reductions in return rates and desired customer outcomes.

Quelle: Carsten Thoma in: E-Commerce Times

Das bekommen Sie in dieser Form aber nicht hin, wenn Sie Content „migrieren“ oder noch schlimmer: Bei einem Contentlieferanten einkaufen und importieren.

Another reason to use unique product descriptions is it helps you build a strong brand that “sticks” in the mind of visitors. […] When you use generic product descriptions, you won’t stand out from other sites that sell the same products. Instead, you’ll be another “me too” site with no brand or identity. Needless to say, that’s not good for sales.

Quelle: Constant Content

Wie sich das anfühlt möchte ich an einem Beispiel zeigen. Das gleiche Produkt in zwei unterschiedlichen Shops. Das Produkt ist „Apfelmus“.

Bei lebensmittel.de liest sich das so:

Der Golden Delicious wurde als Zufallssämling bereits 1890 in West Virginia entdeckt und ab 1914 von Baumschulenbetreiber P. Stark über seine Baumschule verbreitet.

Das ist nicht nur relativ uninformativ und langweilig und animiert so gar nicht zum Kauf. Kopieren Sie diesen Text einmal und geben Sie Ihn bei Google ein. Sie bekommen 300 Treffer mit immer dem gleichen Text. Wie wollen Sie sich von Ihrer Konkurrenz so abheben?

Und jetzt folgendes Beispiel aus dem Onlineshop von Manufactum (leider nicht mehr online):

Diese Apfelmus-Spezialität, die wir gemeinsam mit dem Originalhersteller nach dem ursprünglichen Rezept haben wiederaufleben lassen, wird wie unser Frisch-Pflaumenmus nach Hausfrauenart in Spanien gemacht – in einer alten Produktionseinrichtung, die der Hersteller aus Deutschland dorthin gerettet hat. Dabei kommen ausschließlich Äpfel der Sorten Golden Delicious und Renette zum Einsatz, die aus ausgewählten Plantagen in Nordspanien stammen: Dort wachsen sie langsamer als im warmen Süden. Sie werden nach der Ernte direkt frisch weiterverarbeitet. Der Golden Delicious zeichnet sich durch sein knackiges, saftiges Fruchtfleisch aus, das gehaltreich süß ist und edel gewürzt schmeckt. Dank seines hohen natürlichen Fruchtzuckergehalts ist ein Nachzuckern des Apfelmuses mit Kristallzucker nur in geringem Maße nötig (hier 3%). Die Renette ist eher säurebetont. Sie wird sonst hauptsächlich für den Sidra, den spanischen Apfelwein, verwendet und gibt diesem Apfelmus seine Spritzigkeit. Die Sorte ist rar, sie macht nur rund ein Prozent des europäischen Apfelanbaus aus, und dementsprechend begehrt, denn nur sie liefert genau die gewünschte Säure. Eine geringe Zugabe von reinem Zitronensaft rundet das Säurespiel harmonisch ab, etwas zugesetzte Ascorbinsäure (Vitamin C) verhindert, daß das Apfelmus beim Verarbeiten oxydiert. Das gekochte Apfelmus wird noch heiß in Dosen abgefüllt, damit garantiert ist, daß keinerlei Lichteinwirkung die Qualität verändern kann. Nach dem Abfüllen werden die Dosen sofort gekühlt, wodurch auch die sämige Konsistenz und die appetitliche Farbe des Apfelmuses erhalten – im Wortsinne konserviert – bleiben.

Zweimal das gleiche Produkt: Ordinärer Apfelmus. Die Wirkung ist in beiden Fällen aber eine ganz andere.

3. Ihr Onlineshop muss responsive sein

Hinzu kommt natürlich noch, dass die Nutzer schon jetzt und zukünftig immer mehr mit den verschiedensten Endgeräten in Ihren Onlineshop kommen. Da reicht es leider nicht, nur das Layout größer und kleiner zu machen. Sie wollen doch nicht eine 300 Wörter Langbeschreibung auf ein iPhone packen, oder? Folglich muss auch der Content responsive sein. Und jetzt fängt es an kniffelig zu werden. Denn das bedarf nicht nur einer technischen Lösung im Onlineshop, sondern auch einer anderen Form der Verwaltung Ihres Content! Sonst sind Sie nicht wirklich responsive. Und es kommt noch schlimmer: Sie wissen ja nicht einmal welche Endgeräte mit welchen Auflösungen noch in Zukunft kommen werden. Sie müssen die Texte und Bilder für Ihren Onlineshop so verwalten und produzieren, dass Sie für unterschiedlichste Ausgabegeräte (die da sind und die da sein werden) funktionieren. Das erscheint erstmal aufwändig, wird aber hinten heraus viel Zeit, Geld und Nerven sparen.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir an der Schwelle zu einem Paradigmenwechsel im E-Commerce im Besonderen und im Business im Allgemeinen stehen.

Bildnachweis:
Flickr, Fronx, Creative Commons – Attribution License

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