Technisches

Sinnloses PHP für Fortgeschrittene

phpTechnische oder gar code-zentrierte Posts sind eigentlich gar nicht Thema des Blogs. Ich selbst schreibe seit Jahren kaum noch Code. Ich hatte davon irgendwann einfach die Nase voll.

Kürzlich fielen mir beim Aufräumen aber die Codes aus einem älteren Projekt in die Hände, in dem wir damals einen externen Dienstleister mit eingebunden hatten. Als ich die Codes wieder sah musste ich ordentlich ablachen, obwohl mir damals nicht so zumute war. Eine Geschichte, die zeigt, was passiert wenn man etwas besonders gut machen will. Wie sagte doch Kurt Tucholsky: „Das Gegenteil von ‚gut‘ ist ‚gut gemeint'“.

Informatik ist ein tolles Fach und ganz gewiss lernt man an der Uni in Bezug auf die Entwicklung von Software eine ganze Menge nützlicher Dinge. Dazu mag eine Heuristik gehören, die man so umschreiben kann: Coderedundanzen sind zu vermeiden. Und wann immer man innerhalb einer Klasse mehrfach die selbe Funktionalität ausführt, sind diese in eigene Methoden auszulagern.

Vielleicht kennen Sie den Roman “Der brave Soldat Schweijk” von Jaroslav Hašek. Schweijk hat die Angewohnheit die Befehle seiner Dienstherren genau zu befolgen (was allerdings nicht ausdrücklich befohlen ist, macht er auch nicht). Dadurch bringt er seine Vorgesetzten mitunter zur Weissglut.

Ähnlich genau (und verständnislos) befolgte offenkundig ein Entwickler (und Informatikstudent) die Tipps seiner Professoren als er den folgenden, wunderbaren PHP-Code entwarf. Es fand sich dort nämlich die folgende Zeile:

$this->isNotEmpty($string);

“$string” steht hier für eine beliebige Variable. Die Methode “isNotEmpty()” sah folgendermaßen aus:

function isNotEmpty($string) {
return !empty($string);
}

“empty()” ist eine gängige PHP-Funktion. Hier schoss der Autor, dem braven Soldaten Schweijk gleich, über das Ziel hinaus. Er wollte es richtiger machen als richtig.

Aber man kann es noch richtigerer machen!

Hier mein Vorschlag:

$this->isReallyNotEmpty($string);

Und dann:

function isReallyNotEmpty($string) {
return $this->isNotEmpty($string);
}

Das kann man ad infinitum so treiben. Denn die Welt befindet sich auf dem Rücken einer Schildkröte. Und die Schildkröte, befindet sich auf dem Rücken einer anderen Schildkröte, die sich wiederum auf dem Rücken usw. ….

Bildnachweis:
flickr.com, James Cridland, Creative Commons BY 2.0

Suchmaschinen: 2 Google Alternativen

Wann immer es um Suchmaschinenoptimierung geht, meint man – zumindest im deutschen Sprachraum – Google. Es geht also eigentlich immer um Googleoptimierung (GO).

SEO – früher und heute

Wer erinnert sich noch an Suchmaschinen wie „Lycos“ oder „Altavista“? Suchmaschinenoptimierung hieß früher wirklich für mehrere Suchmaschinen zu optimieren und das Ranking konnte in diesen auch tatsächlich stark abweichen. Die Ergebnisse der Suchanfragen ließ allerdings häufig zu wünschen übrig.

Dass Google eine solche Vormachtstellung erringen konnte liegt schlicht daran, dass die Ergebnisse von Google bereits in der Startphase dieser Suchmaschine überragend gut und weitestgehend frei von Spam waren.

Modernes SEO kümmert sich deswegen heute primär um Google. Die anderen Suchmaschinen wie Bing werden im Prinzip ignoriert.

Nun könnte man die Sache damit als beendet betrachten, denn eine Suchmaschine für das Auffinden von guten Suchergebnissen reicht ja vollkommen aus, oder?

Nun verhält es sich also so, dass Google nicht nur Ergebnisse liefert, sondern auch die Aktionen einzelner User mittrackt. Und da stellt sich die Frage: Was macht Google eigentlich mit diesen ganzen Daten? Und was machen die mit meinen Daten?

Der frühere Google CEO Eric Schmidt sagte dem Antlantic in 2010:

„Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst.“

Wem das unheimlich ist und nach Google Alternativen sucht, die tatsächlich auch noch super Ergebnisse liefern, dem kann ich zwei Suchmaschinen empfehlen, die ich in den letzten Wochen getestet habe. Ich habe diese als Standardsuchmaschinen verwendet. Die Dinger sind so gut, dass ich sogar vergessen habe wieder umzustellen und seit dem nur noch diese verwende. Ich nutze zu Zeit also gar kein Google mehr.

Google Alternativen 1: duckduckgo.com

Google Alternativen

duckduckgo.com ist die erste von 2 Alternativen. Der Slogan ist „Die Suchmaschine, die Sie nicht verfolgt“. Das Versprechen von DuckDuckGo ist dieses:

We don’t track you.

What you search for is your own business and we’d like to keep it that way. That’s why we don’t collect any personal information and therefore, have none to share.

Von 2013 auf 2014 verzeichnete die Suchmaschine eine Vervierfachung der Suchanfragen, wie man diesem sehr langen Artikel mit dem Titel „Inside DuckDuckGo“ entnehmen kann.

Im Augenblick ist DuckDuckGo meine allerliebste Google Alternative.

Google Alternativen 2: ixquick.com

Google AlternativenWie man im Screenshot sehe kann, behauptet ixquick die „diskreteste Suchmaschine der Welt“ zu sein. Darunter versteht „ixquick“:

  • Die einzige wirkliche Lösung besteht darin, Ihre Daten rasch zu löschen oder sie von vornherein nicht zu speichern.
  • Seit Januar 2009 speichern wir die IP-Adressen unserer Benutzer nicht mehr.
  • Ihre persönlichen Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.

Für mich sind diese Suchmaschinen echte Alternativen zu Google – vor allem DuckDuckGo unterscheidet sich gefühlt kaum von Google in Bezug auf die Suchergebnisse.

Einen Vorteil hat die Kenntnis alternativer Suchmaschinen übrigens noch: Man findet auch mal interessante Sachen, die bei Google nicht auftauchen. Und umgekehrt natürlich…

Bildnachweis:
Screenshot duckduckgo.com, 23.10.2015
Screenshot ixquick.com, 23.10.2015

 

 

5 Tools für Content-Commerce

Tools für Content-CommerceWieso gibt es eigentlich eine Trennung in Web-Redaktionssysteme und Shopsysteme? Beide müssen doch einem Besucher Inhalte präsentieren, oder etwa nicht?

Historisch erkläre ich mir das so:

Von Beginn an gab es den Bedarf die Inhalte einer Webseite aktuell halten zu müssen, und das ohne technisches Know-How. Wer in den Anfa?ngen kein HTML oder etwas spa?ter wenigstens WYSIWYG-Editoren bedienen konnte, hatte keine Chance. Ab Mitte der 90er begann die Entwicklung von Web- Redaktionssystemen, die genau diesen Bedarf decken sollten.

Etwa zeitgleich begann auch die Entwicklung von Systemen, mit denen es mo?glich sein sollte Waren u?ber das Internet zu vertreiben, also Shopsystemen.

Diese hatten naturgema?ß einen anderen Fokus als die Web-Redaktionssysteme. Hier mussten vor allen Dingen Bestellprozesse abgewickelt sowie Produkte pra?sentiert werden. Daten mussten ggf. mit Warenwirtschaftssystemen ausgetauscht werden. Und so spezialisierten sich beide Systemvarianten auf den jeweiligen Bereich und deckten den Bedarf immer besser ab.

Dadurch entstand aber gleichzeitig auch eine Trennung, na?mlich die von Webseiteninhalten und Webshops, die spezielle
Webseiteninhalte pra?sentierten und gleichzeitig fu?r eine Bestellabwicklung sorgten.

Diese Trennung hat sich im Lauf der Zeit so sehr eingebu?rgert, dass sie beinahe als selbstversta?ndlich angesehen wird. Niemand wundert sich mehr daru?ber, dass etwa die Corporate-Website eines Unternehmens von ihrem Shop getrennt ist und gar auf unterschiedlichen Domains la?uft.

In etwas elaborierteren Varianten wird der Shop optisch exakt an das Layout der Corporate-Website angepasst, so dass zumindest die Illusion der Einheit von Corporate-Website und Webshop entsteht.

Wenn ich schreibe, die Trennung sei „beinahe selbstversta?ndlich“, so ist damit gemeint, dass diese schon immer vorhandene Problematik bekannt ist und mit den verschiedensten Mitteln versucht wird zu lo?sen.

Neben den zwei oben skizzierten Lo?sungsansa?tzen gibt es auch den Versuch die fehlenden Komponenten im jeweiligen System nativ nachzubauen. An ein Redaktionssystem wird ein Shop dran programmiert. Oder umgekehrt werden CMS-Funktionalita?ten im Shop-Backend zur Verfu?gung gestellt.

Bei Shopsystemen wird unter „CMS-Funktionalität“ in aller Regel ein WYSIWYG-Editor verstanden, mit dem man Texte fett und kursiv machen kann.

Bei den Shop-Plugins für Web-CMS fehlt es dann an Anbindungen zu Bezahlsystemen oder der Warenwirtschaft. Auch sind die Produktverwaltungen eher rudimentär und eher für unterkomplexe Anforderungen geeignet (man denke nur an „tt_products“ für TYPO3 *schauder*).

Dass die Entwicklung des Web entsprechende Tools für Content-Commerce nötig macht, ist zwischenzeitlich auch Forrester Research aufgefallen (siehe bspw. das Paper „Bridge The Commerce/Content Divide„). Tools für Content-Commerce sind aber dennoch rar gesät.

Deshalb liste ich in diesem Beitrag 5 Tools für Content-Commerce auf, mit denen die „Commerce/Content“-Trennung aufgehoben werden kann.

Die Integratoren

Die ersten zwei Kandidaten gehen den ganz offenkundigen Weg. Die Philosophie ist, einfach das zu nehmen, was es schon gibt und zu einem funktionsfähigen Ganzen zu verbinden.

Man stelle sich vor – und dieser Fall ist mir erst letzte Woche wieder begegnet – jemand hat eine TYPO3-Seite die seit Jahren gepflegt wird und ein super Ranking hat. Alle Redakteure kenne das System mittlerweile in- und auswendig. Jetzt möchte man einen Shop integrieren. Da geht man doch nicht hin und transferiert alle Inhalte in ein neues System, risikert einen Abrutsch im Ranking und schlägt sich mit verärgerten Redakteuren herum.

Hier kommen die ersten beiden Tools für Content-Commerce ins Spiel:

Beide Lösungen sind eine Schnittstelle zwischen zwei Systemen und beide haben als Ausgangsbasis TYPO3 als Web-CMS. TYPO3 macht in diesem Zusammenhang natürlich Sinn, da es im deutschsprachigen Raum das am häufigsten eingesetzte ist.

TOXID

TOXID wurde ursprünglich entwickelt von Joscha Krug und seiner marmalade GmbH und ist ein Open Source Projekt.

Wie so oft entsprang diese Lösung einem konkreten Projekt-Problem. Als TYPO3-Agentur hatte marmalade einen OXID-Kunden übernommen. Ein kleiner Händler, dem aber noch die ansprechenden  Inhalte zu seinen Produkten fehlten. Da eine Anreicherung der Produkte mit Inhalten mit den Mitteln von OXID nicht möglich war, wurde mittels PHP-cURL eine Brücke zu TYPO3 gebaut.

Die generische Lösung ermöglichte auch den „Brückenbau“ zu anderen Redaktionssystemen. Mittlerweile kann TOXID auch mit Systemen wie Joomla, WordPress, Drupal und Redaxo kommunizieren.

Wenn Sie also einen OXID Shop haben und mehr Inhalte pflegen möchten, wäre TOXID einen Blick wert.

TOXID-Referenzen finden Sie auf der TOXID-Webseite.

ShopFusion

ShopFusion aus dem Hause ZIMMER 19 geht einen anderen Weg.

Statt ein Shopsystem an mehrere Web-CMS anzudocken, wird das Web-CMS, in diesem Falle TYPO3,  als ausliefernde Instanz verwendet. ShopFusion ist so entwickelt, dass prinzipiell beliebige Shopsysteme an TYPO3 angedockt werden können. „Out-of-the-box“ funktioniert das momentan für Magento und OXID.

Der Vorteil vom CMS aus zu gehen ist, dass der komplette Template-Mechanismus von TYPO3 verwendet werden kann. Es sind prinzipiell – zumindest für die Frontend-Umsetzung – nur minimale technische Kenntnisse des Shopsystems notwendig.

Im Rahmen eines Projekts wurde auch der deutsche Onlineshop von Lindt & Sprüngli an TYPO3 angebunden. Als Onlineshopsystem wird hier ePages eingesetzt.

Im Gegensatz zu TOXID ist ShopFusion eine kommerzielle Lösung, für die entsprechende Lizenzen gekauft werden müssen.

ShopFusion-Referenzen kann man über das Formular auf der Webseite anfragen.

In der ShopFusion-Dokumentation finden Sie auch ein Video, das Ihnen zeigt, wie Sie in Minuten Magento und TYPO3 „verheiraten“.

Das schweizer Taschenmesser: WordPress

Spricht man von Tools für Content-Commerce darf selbstverständlich nicht WordPress fehlen.

WordPress ist – mit Abstand – das weltweit am häufigsten eingesetzte Web-CMS. Und das vollkommen zu Recht. In einem anderen Beitrag habe ich ja schon über die Möglichkeiten geschrieben, wie man WordPress als Inbound-Marketing Tool einsetzen und damit eine gute, und vor allem kostengünstige, Alternative zu Hubspot hat.

Für WordPress gibt es eine Vielzahl von Erweiterungen zu nur allen erdenklichen Anwendungsbereichen. Im Gegensatz zu den Erweiterungen von TYPO3 sind hier die allermeisten richtig gut. Man denke nur an das SEO-Plugin von Yoast.

Möchte man mit WordPress jetzt auch noch E-Commerce betreiben, so geht dies mittlerweile mit dem WordPress-Plugin „WooCommerce“ in der „germanized“-Version ist diese sogar an die Deutsche Rechtslage angepasst. Einfache Anwendungsfälle sollten in der Kombination WordPress-WooCommerce locker abgefackelt werden können.

Sollte es komplexer werden, ist eine Integration von API-Tools wie SPHERE.IO möglich. Diese Möglichkeit stellte Christoph Batik von Keynet in Österreich beim E-Commerce Camp in Jena vor (die Slides zur Session finden sich hier).

Damit kommen wir auch schon zu den nächsten Tools für Content-Commerce.

Das Schwergewicht: Hippo CMS

Sehr beeindruckt bin ich in jüngerer Zeit auch vom java-basierten Hippo-CMS. Hippo ist ein hochmodernes, multichannel-fähiges und vor allem wirklich content-fokussiertes CMS.

Hippo CMS berücksichtigt nicht nur die reine Content-Pflege, sondern erlaubt auch die Auswertung unterschiedlicher Metriken und das Anlegen von Personas für die dann relevante Inhalte geschrieben werden können.

Hippo CMS ist dabei so offen, dass es erweitert und an Drittsysteme angedockt werden kann.

So lässt sich das oben bereits erwähnte SPHERE.IO aufgrund seines flexiblen API-Ansatzes mit Hippo CMS verbinden (siehe im Blog von Commerce-Tools).

Hippo selbst scheint auch an weitere E-Commerce Systeme angebunden zu sein:

At Hippo we’ve come to closely partner with some of the largest eCommerce platforms in order to deliver truly optimized eCommerce experiences that bring together Content, Commerce, Channels and Customers.

Webseite onehippo.com (dort gibt es auch ein Content & E-Commerce Whitepaper zum Download).

Von API zu API

Unser letzter Kandidat in der Liste der Tools für Content-Commerce ist eine Verbindung zweier „Frontend? Hammwer nicht!“-Ansätze.

Die Rede ist von SPHERE.IO auf der einen Seite und meinem Lieblings-CMS Contentful auf der anderen. Als ich vor einiger Zeit beide Systeme kennengelernt hatte, war meine erste Reaktion gleich: Warum verbindet man das nicht. Das hatte ich auch den Produktmanager bei SPHERE.IO gefragt, der dann gleich bestätigte, dass das in der Mache sei. Die gleiche Frage stellte ich auch Sascha, dem CEO von Contentful. Der sagte „Wir sind im Gespräch“.

Für mich war das von Anfang an ein innovativer Kandidat für die Verbindung von Content und Commerce, weil man dadurch vollkommen unabhängig von unterschiedlichen Plattformen wird. Die Inhalte können in eine App oder einen Print-Katalog ausgespielt werden (siehe dazu auch meinen Beitrag „So könnte E-Commerce Innovation aussehen„).

Wenn ich Christian Blomberg von Contentful richtig verstanden habe, dann gibt es jetzt eine offizielle Partnerschaft mit Commerce-Tools (also den SPHERE.IO-Machern). Somit ist eine Content-Commerce Plattform in Kombination der Systeme für den allgemeinen Einsatz bald zu erwarten. Ich werde darüber berichten!

Das war meine Übersicht über 5 Tools für Content-Commerce.

Falls Sie ein bevorzugtes Tool für Content-Commerce kennen, das hier nicht aufgelistet ist, freue ich mich auf Hinweise in den Kommentaren.

Bildnachweis:
flickr.com, Daniel Broche, Creative Commons: BY

19 Shopsysteme die Sie höchstwahrscheinlich nicht kennen

Shopsysteme gibt es wie Sand am Meer. In der Regel reden wir aber primär über Shopware, Magento und Oxid – neuerdings auch über SphereIO oder Spryker.

Im Rahmen einer Studie die wir bei ZIMMER 19 gerade betreiben, fielen mir Shopsysteme auf, von denen ich noch nie etwas gehört hatte (oder wenn, dann nur eher selten).

Hier die Auflistung der von mir gefundenen Shopsysteme. Die Nummer 19 ist dabei mein Favorit. Ich wundere mich seit 2007, dass dieses System keinen breiteren Bekanntheitsgrad hat.

1. HHG Multistore

Dies ist eines der vielen xt:commerce Ableger und für Multistores gedacht. Es gibt eine kostenfreie Variante.

https://www.hhg-multistore.com/de

2. Commerce:SEO

Und noch ein xt:commerce Derivat:
https://www.commerce-seo.de/onlineshop-software-xt-commerce-seo/

3. Cludes

Cludes ist kein Shopsystem in dem Sinne, sondern versteht sich als „E-Commerce All in One Multi-Channel“-Lösung und bietet Anbindungen an mehrere Shopsysteme. Cludes enthält auch eine Warenwirtschaft und ein CRM.

http://www.cludes.de/

4. DBFakt Onlineshop

DBFakt ist ein Softwareunternehmen, das neben einer Warenwirtschaft auch eine Onlineshop-Software anbietet.

http://www.dbfakt.de/onlineshop

5. Websitex 5

Bei Websitex handelt es sich um einen Homepagebuilder, der auch über eine Shop-Modul verfügt:

http://www.websitex5.com/de/e-commerce.html

6. Get LFS

„LFS“ steht für „Lightening Fast Shop“ und basiert auf Python. Es ist Open Source und kostenfrei.

http://www.getlfs.com/

7. Mauve Webshopsystem

„Mauve“ ist eine Farbe und ließ mich unweigerlich an einen Loriot-Sketch denken, in dem Loriot fragt: „Gibt’s das auch in mauve?“.

Es handelt sich um eine Branchen-Lösung speziell für Apotheken.

http://www.mauve.eu/

8. Mondo Shop

Dabei handelt es sich um eine gehostete Lösung inkl. Warenwirtschaft und einigen anderen Features.

http://www.mondo-media.de/de

9. Orbiz Digitrade

 

http://www.orbiz.com/

10. Shopfactory

Shopfactory zielt auf kleinere und mittlere Unternehmen ab. Interessant finde ich eine Textpassage in der Merkmalsbeschreibung:

Mit mehr als 240.000 Webshops, die weltweit bereits von ganz normalen Geschäftsinhabern erstellt wurden, hat ShopFactory es wieder und wieder bewiesen: Sie brauchen kein Computergenie sein, um hochprofessionelle Onlineshops zu erstellen, die mehr Website-Besucher in zahlende Kunden verwandeln.

Ein sehr schwammiger Satz, der bedeuten könnte (aber zumindest suggeriert), dass Shopfactory 240.000 mal im Einsatz ist. Damit würden sie ganz locker ePages schlagen.

http://www.shopfactory.com/de/index.html

11. Silvercart

Silvercart ist ein Add-On zum CMS Silverstripe. Silverstripe ist ein PHP-basiertes CMS und unter der Open Source BSD License kostenfrei erhältlich.

http://www.silvercart.org (die deutsche Variante: www.silvercart.de)

12. SIQUANDO Shop

So etwas gibt es auch noch: Eine Desktop-Shopsoftware für Windows.

http://www.siquando.de/shop/

13. Smartstore

Ein Open Source ASP.NET Shopsystem, das als besonderes Feature eine „revolutionäre Shopbar“ hat. Klingt wie eine Kneipe aus dem anarchistischen Sub-Milieu.

http://www.smartstore.com/net/

14. Tell Target Webshop

Davon hatte ich tatsächlich noch nie gehört. Tell Target bietet sogar eine für Bands spezialisierte Shop-Variante.

http://www.poscich.de/shop/

15. Trade Scale

Dies ist eine cloud-basierte Shoplösung inkl. „Content-Management“. Den monatlichen Preisen nach zu urteilen, fokussiert man sich hier wohl auf Enterprise-Kunden.

https://www.ec-elements.com/de/e-commerce/tradescale/online-shop.html

16. Webs.de

Eine kleine Kuriosität ist webs.de, ein weiterer Open-Source PHP-basierter Webshop, der „eine Weiterentwicklung der ECB-Shop Software ab Version 1.0.8“ ist.

http://www.webs.de/

17. Xanario

Xanario verspricht ein universell einsetzbares System:

Durch die Zusammenstellung aus CMS, CRM, Shop, Blog, Kassensystem, Lagerverwaltung und weiteren Teilen, wird das System universell verwendbar und mit spezifischen Anforderungen fällt der Einsatz komplizierter, nicht kompatibler Einzelsysteme weg.

Ein interessanter Ansatz, der in die Richtung der Nummer 19 geht.

http://www.xanario.de/

18. nopCommerce

Diese Lösung ist ASP.NET basiert und benötigt einen MS SQL Server – also nichts für Linux-Freaks.

Dafür kommt nopCommerce aber mit einer ganzen Reihe von Features daher.

http://www.nopcommerce.com/

19. Apache OFBiz

Apache OFBiz ist ein Open Source Projekt, das es schon seit mehr als 10 Jahren gibt. Umso erstaunlicher ist, dass die allermeisten, mit denen ich spreche, davon noch nie etwas gehört haben. OFBiz ist erheblich mehr als „nur“ ein Shopsystem, sondern:

an open source product for the automation of enterprise processes that includes framework components and business applications for ERP (Enterprise Resource Planning), CRM (Customer Relationship Management), E-Business / E-Commerce, SCM (Supply Chain Management), MRP (Manufacturing Resource Planning), MMS/EAM (Maintenance Management System/Enterprise Asset Management), POS (Point Of Sale).

Das erstaunliche dabei ist, dass das Framework über alle Komponenten und Business-Anwendungen hinweg  immer gleich funktioniert. Objekte aus dem Onlineshop können auch im CRM verwendet werden. Statt also eine ganze Batterie von Einzelanwendungen zu haben, die aufwändig über Schnittstellen miteinander verbunden werden müssen, kann man sämtliche Business-Prozesse mit einem einheitlichen Framework abbilden.

http://ofbiz.apache.org/

Shopware Episode 5 – Berlin

Magento – erzittere!

Oxid – flehe um Gnade!

Denn ich habe gestern den Shopware Episode 5 Film gesehen und wurde wieder darin bestätigt, was ich an anderer Stelle schon geschrieben habe:

Wovor sich Magento oder andere Hersteller fürchten müssen, ist erst in zweiter Linie die Technologie oder die Feature-Liste dieses Shopsystems. Nein, es ist die Truppe dahinter.

Das wird im Image-Film von Shopware auch ganz klar herausgeschält. Hier ist eine Gruppe von Menschen im Münsterland, die an ihr Produkt glauben, die dafür brennen und gleichzeitig die Lust und die Freiräume haben Dinge auszuprobieren, ein wenig in die Glaskugel zu gucken – wie werden wir das Internet in 10 Jahren nutzen?

Wenn man sich die ersten 10 Minuten des Imagefilms anschaut, bekommt man richtig Lust und will auch bei Shopware arbeiten. Alles nette und sympathische Jungs und Mädels – und das ist im Film auch gar nicht gekünstelt, sondern eine Tatsache.

Es ist ein klarer Schwenk auf KMU erkennbar, was ich im Gegensatz zu Alexander Graf jetzt nicht so ganz überraschend, dafür aber konsequent finde. Viele KMU wollen und können nicht permanent ihre Agentur anrufen, wenn auch nur Kleinigkeiten zu erledigen sind. Die wollen das selber machen und es scheint, als böte Shopware 5 genau das. Ich jedenfalls habe Shopware bislang noch nie als Enterprise-Lösung betrachtet.

Alex Graf streift in seinem Beitrag auf Kassenzone ein Thema, das ich hochspannend finde – nämlich wie sieht der Internetagentur-Markt in 5 oder 10 Jahren aus. Vermutlich wird es die „Full-Service-Agentur“ wie man sie heute noch kennt, gar nicht mehr geben. Technische Innovationen wie etwa „The Grid“ werden die technischen Dienstleistungen der Agenturen weitestgehend obsolet machen (dazu hat sich auch Alain Veuve Gedanken gemacht). Ich für meinen Teil habe noch nie an das Full-Service-Konzept geglaubt. Mir kann keiner erzählen, dass er gleich gut Shoptechnologie, Design, Frontendentwicklung, Marketing, SEO, Conversionoptimierung, Unternehmensstrategie und was weiß ich noch beherrscht.

Shopware hat die Zeichen der Zeit erkannt und versucht sich, was ich sehr begrüßenswert finde, vom klassischen Onlineshopkorsett zu befreien. Dass man „Storytelling“ und „Responsive“ als ein Feature verkauft, finde ich sehr niedlich -aus Marketingsicht natürlich verständlich, weil das gerade irgendwie „hip“ ist und der Kunde das versteht. Aber es ist die Aufgabe des Händlers durch emotionalen und zielgruppengerechten Content seinen Onlineshop attraktiv zu machen – wenn das technisch unterstützt wird, super. Die meisten Onlinehändler werden da aber keine Erfahrung haben, die schaffen das ja nicht einmal ihre „News“ systematisch aktuell und interessant zu halten – genau da kommen dann wieder die „neuen“ Agenturen ins Spiel und können hier echte Hilfestellungen leisten. Genauso beim Thema „Limbic Types“ und „Emotional Commerce“.

Hat jemand bei Shopware schonmal darüber nachgedacht, ins Massenhosting einzusteigen? ePages ist damit sehr erfolgreich und wenn die Tendenz zum „Shopbetreiber kann alles selber machen“ geht, dann wäre das ein konsequenter Schritt.

Das „Shopware Episode 5“ Event hat mich wieder von Shopware überzeugt – und zwar menschlich.

Aber eine Frage habe ich noch: Bekommt man einen Kinosaal günstiger gemietet, wenn man vorab Trailer laufen lässt? Oder ist das so in die Filmvorführungs-Apparatur eingebaut, dass man das gar nicht weg machen kann? Oder diente das dazu noch mehr Kinofeeling aufkommen zu lassen?

Jedenfalls: Coole Veranstaltung – das muss erst einmal jemand nachmachen!

Und hier meine Fotostrecke:

Bildnachweis:
Udo Butschinek, Public Domain, ID-FC

Schnee von gestern: Warum Product Information Management Systeme für den Arsch sind

Product Information Management„Ohne Product Information Management geht es nicht mehr“ – das sagt Thomas Lucas-Nülle in einem Interview mit acquisa.
Falls Sie nicht wissen, wer das ist: Das ist der Mann, der den Begriff „Product Information Management“ eingeführt hat.

Seit dem ist einige Zeit vergangen und die Welt hat sich weiter gedreht. Die Probleme, mit denen man sich vor zehn Jahren unter dem Oberbegriff „Product Information Management“ herumschlug sind akuter denn je. Denn seit dem ist das Web immer dynamischer geworden, es ist kaum abzusehen, wo und auf welchen Plattformen oder Endgeräten bzw. Kanälen Produktinformationen in nicht allzu ferner Zukunft noch verfügbar sein müssen.

In der Zwischenzeit sind allerdings auch Methoden und Werkzeuge entwickelt worden, die weit über das hinausgehen, was „Product Information Management“ macht. Denn die Dynamik digital publizierter Inhalte hat auch zu einigen Problemen in der Webentwicklung geführt.

Aus dieser Richtung entstanden dann auch entsprechende Lösungsansätze, um Inhalte möglichst medienneutral und allgemein und zentral zu verwalten.

Ich betrachte Produktinformationen als eine spezielle Form von Inhalten. In Zukunft müssen nicht nur Produktinformationen, sondern alle Unternehmensinhalte auf einer breiten Palette von Plattformen verfügbar sein.

Deshalb möchte ich hier einen Lösungsansatz vorstellen, den Sie unbedingt bedenken sollten, wenn Sie überlegen, eines der zahlreichen Product Information-Management Systeme einzuführen. Das ist nämlich recht zeitaufwändig und entsprechend teuer.

Die Ausgangslage

Wir befinden uns noch mitten in der „digitalen Transformation“. Während sich die Bedingungen in der Umwelt von Unternehmen rasant ändern, haben diese alle Hände voll zu tun, die internen Strukturen den neuen Umweltbedingungen anzupassen.

Zu den sich ändernden Umweltbedingungen gehört die zunehmende Anzahl von Kontaktpunkten (Touchpoints) zum Unternehmen. Zu den klassischen Kontaktpunkten gesellen sich zunehmend immer mehr digitale Kontaktpunkte, was neben der Unternehmens-Website auch das Blog oder Social-Media wie Twitter, Facebook, Google+ und viele andere sein können.

Eine weitere sich rasant ändernde Umweltbedingung ist in der zunehmenden Anzahl von Endgeräten zu sehen, mit denen Nutzer über digitale Touchpoints mit dem Unternehmen in Kontakt treten. Allein die WURFL-Datenbank (WURFL steht für Wireless Universal Resource FiLe) enthält zur Zeit rund 5.500 einzelne mobile Endgeräte (nicht verkaufte Endgeräte, sondern nur Endgerätetypen!). Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es ist nicht abzusehen, welche Endgeräte mit welchen Auflösungen es in Zukunft noch geben wird und in welchen Kontaktpunkten (ob digital oder analog) Produktinformationen noch angezeigt werden müssen. Laut CISCO wuchs der mobile Traffic in Deutschland 2012 um 40% an. Bald wird es mehr mobile Endgeräte geben, als Menschen.

Neben der Technologie ändern sich die Umweltbedingungen hinsichtlich:

  • Recht: Auch das Rechtssystem befindet in der digitalen Transformation (erzählen Sie dem Finanzamt mal was von „virtuelles Unternehmen“ ;-)) und eingreifende Änderungen zum Onlinerecht können jederzeit eintreten. Durch EU-Verordnungen können kleinere Gesetzesänderungen massive Auswirkungen auf die Präsentation von Produktinformationen haben. Ich nenne Ihnen dazu ein Beispiel: Einer unserer Kunden stellt Lebensmittel her. Auf Produktpackungen (ein Touchpoint) müssen Zutaten gelistet werden, ebenso aber auf der Website. Nun kommt es zu einer Änderung im Gesetz, die vorschreibt, dass bestimmte Zutatenbestandteile fett gedruckt werden müssen, wie etwa „Soja“. Diese müssen nun in den analogen und digitalen Touchpoints geändert werden. Ein Fehler kann dabei zu einem rechtlichen Problem werden.
  • Lifestyle: Der Einkauf passiert heute nicht mehr irgendwo im Einzelhandel, sondern beim Fernsehen von der Couch aus mit dem iPad, während der Sprössling auf Papas Rücken herumkrabbelt.

In vielen Unternehmen sieht es noch so aus, dass Produktinformationen redundant verwaltet werden. Thomas Lucas-Nülle drückt dies im Interview so aus:

“ In der Regel haben sie schon alles versucht, um ihre Produktdaten zu konsolidieren und handhabbar zu machen, mit Content-Management-Lösungen oder mit E-Business-Systemen. Wer für seinen Online-Shop die Daten pflegt, muss sie meist für Print extra aufbereiten oder umgekehrt. Je mehr Kanäle hinzukommen, desto redundanter wird die Datenpflege.“ [1] .

Wie also klar zu erkennen ist, braucht es eine zentrale Pflege von Produktinformationen, um diese in alle Kanäle ohne redundante Pflege publizieren zu können.
Ein Lösungsvorschlag ist das Product Information Management.

Im Folgenden definieren wir zunächst den Begriff Product Information Management und schauen uns an, warum das Sinn macht.
Anschließend zeige ich einen Weg auf, Produktinformationen zu verwalten und dabei eine Basis zu schaffen, die auch alle anderen Unternehmensinhalte medienvariabel speichert.

Product Information Management

Kurz gesagt ist Product Information Management (PIM) die Bereitstellung von Produktinformationen in medienneutraler Form zum Zweck der Auslieferung in verschiedene Kanäle.
In der etwas längeren Version auf Wikipedia heißt es:

„Unter Produktinformationsmanagement (auch PIM oder engl. Product Information Management) versteht man die Bereitstellung von Produktinformationen für den Einsatz in verschiedenen Ausgabemedien beziehungsweise Vertriebskanälen sowie für unterschiedliche Standorte. Voraussetzung dafür ist die medienneutrale Verwaltung, Pflege und Modifikation der Produktinformationen in einem zentralen System, um jeden Kanal ohne großen Ressourcenaufwand mit konsistenten akkuraten Informationen beliefern zu können“ (Wikipedia)

PIM hat eine ganze Reihe von Vorteilen. Um nur einige zu nennen:

  • Zentralität: Produktinformationen sind an einem zentralen Ort gespeichert und nicht über mehrere Orte verteilt
  • Medienneutralität: Die Informationen sind unabhängig von Ihrem Darstellungskontext abgelegt. Sie können also die gleichen Informationen in einem Printkatalog, einer Broschüre, einem eBook (in Mobi, Epub oder PDF- oder sonst einem Format), auf der Webseite, dem Onlineshop, der Mobile-App oder sonstwo anzeigen.
  • Einfacher Austausch: Für alle Distributionswege können die Informationen ausgetauscht werden
  • Prozessoptimierung: Die zentrale Verwaltung von Produktinformationen resultiert in optimierten Publishing-Prozessen
  • Reduktion von Fehlern: Signifikante Reduktion von Kommunikationsfehlern über alle Kanäle hinweg. Dies garantiert sogar Rechtssicherheit, wenn Sie sich an das obige Beispiel mit den Zutatenlisten erinnern.

Mit Hilfe von PIM können Sie Retouren- und Umtauschquoten verringern oder Ihre Conversion verbessern.

Zentrales Product Information Management macht also absolut Sinn.

Keinen Sinn hingegen macht unter Umständen der Einsatz eines Productinformation Management Systems. Das Feld des Produktinformationsmanagements ist ein noch recht junges. Das erkennt man daran, dass der Begriff selbst in Deutschland gerade mal seit knapp 10 Jahren eine Rolle spielt und es dazu eine überschaubare Anzahl von Monographien gibt (so um die 2 nach meinem Wissen, wobei eine davon eine universitäre Abschlussarbeit ist).

Dem stehen allerdings eine ganze Reihe von Anbietern von Product Information Management-Systemen gegenüber. Allein das PIM-Verzeichnis auf pim-verzeichnis.de listet ca. 30 PIM-Systeme auf. Insgesamt dürften am Markt etwa 80 Systeme verfügbar sein.

Am Rande sei erwähnt, dass Product Information Management – vor allem auf Agenturseite – häufig mit Product Information Management-System gleich gesetzt wird. Ich sehe das etwas differenzierter: Produktinformationsmanagement hat etwas mit der Strukturierung und Speicherung der Informationen zu tun. Dies wird dann über eine konkrete Software-Lösung umgesetzt. Die Software wäre das System. Das sind zunächst zwei ganz verschiedene Dinge.

Warum Product Information Management nur die halbe Lösung ist

Die geschilderte Problematik gilt aber gar nicht nur für Produktinformationen, sondern für alle Inhalte eines Unternehmens.

Das vorläufige Resultat des Versuchs Inhalte jedweder Art in irgendeiner Form zu digitalisieren ist ein Phänomen, das ich „Tool-Silofizierung“ nenne:
Die Inhalte für die Printbroschüre sind in InDesign, die Inhalte für das Blog in WordPress, Webinhalte im Web-CMS, Produktinformationen im E-Shop und der Warenwirtschaft, Inhalte für Social Media in Tools wie Buffer oder Tweet-Deck, Marketing-Mailings sind in Word-Dokumenten oder Google-Docs oder in speziellen Feldern des CRM-Tools, Präsentationen sind in Powerpoint. Die Inhalte sind in diesen Tools regelrecht einbetoniert und können dort praktisch nicht herausgelöst werden, es sei denn per Copy&Paste.

Es gibt praktisch für jedes erdenkliche Teilproblem eine Softwarelösung – bis hin zu Dokumentenmanagement-Systemen, also der systematischen und übergeordneten Verwaltung von einbetonierten Inhalten.

Das Problem mit Product Information Management-Systemen sollte nun offenkundig sein: Wir haben es hier mit noch einem Tool zu tun. Wir fügen also der ohnehin schon großen Zahl an Tools noch ein Tool hinzu. Dies mag zwar in Bezug auf Flexibilität für Produktinformationen perfekt geeignet sein, die anderen Unternehmensinhalte bleiben dabei jedoch außen vor.

Gewiss stimmen Sie mit folgender Aussage überein: Die Interaktion mit einem Unternehmen erfolgt über alle Kontaktpunkte hinweg stets über Inhalte.

Nicht nur Ihre Produktinformationen müssen heute überall verfügbar sein, sondern sämtliche Inhalte müssen mehrfach wiederverwendet und in unterschiedlichste Kanäle publiziert werden. Wer sagt denn, dass eine Gebrauchsanleitung nur gedruckt wird und nicht etwa mobil mit einem iPhone abgerufen? Oder mit einem eBook-Reader? Oder ganz wo- und wieanders?

Wir müssen uns von der Trennung zwischen Online- und Printinhalten trennen. Inhalte sind Inhalte. Und diese müssen in Zukunft auf die unterschiedlichsten Plattformen publiziert werden.

Um es in den Worten von Karen McGrane auszudrücken:

„You might look here at the whole ‘desktop computer and smartphones and tablets’ and kind of go ‘Well, you know, that’s already a pain in the ass to deal with.’. But the problem here is it’s not going to stop. I want to be clear about this: I am not a futurist. I am not here to predict for you what I think the next big thing is going to be. If I could do that, I’d be making a fortune. But what I am here to do is explain that something else is going to come along. There will be some new device, some new platform, some new communication technology. And whatever that is, we’re going to have to find a way to publish to it. We’re going to have to find a way that we can get our content onto it.“.

Wäre es also nicht sinnvoller sämtlichen Content zentral und medienneutral zu verwalten? Und nicht nur die Produktdaten?

Die Einführung eines Product Information Management-Systems braucht ca. 6-12 Monate. Dabei ist die Technik gar nicht die größte Herausforderung. Der größte Aufwand steckt in der Modellierung der Produktinformationen (vergl. dazu Lucas-Nülle). Wenn wir also schon dabei sind diesen Aufwand zu betreiben, warum dann nicht gleich in eine Systematik und ein System investieren, dass so zukunftsfreundlich ist, dass man dort prinzipiell alle Inhalte zentral verwalten kann?

Create Once – Publish Everywhere

Die Probleme, die man versucht mit Product Information Management zu lösen sind keine Probleme, die in irgendeiner Form spezifisch für Produktinformationen sind. Vielmehr verhält es sich so, dass unternehmensweiter Content in unterschiedlichsten Kontexten erwartet wird. Es ist also notwendig, dass man Content aus den Tool-Silos herauslöst und für unterschiedlichste Ausgabekanäle und -medien verfügbar macht. Aber wie bekommt man das hin?

Das ganze Geheimnis liegt in der Strukturierung von Inhalten. Aber was bedeutet „Strukturierung“?

Wer schon einmal mit einem CMS gearbeitet hat und sich wünschte, dass es ein Feld mehr oder weniger geben musste, hat im Prinzip schon einmal Content strukturiert. Das lässt sich natürlich auch systematisch, statt ad hoc angehen. Die Methoden dazu sind denen recht ähnlich, die man verwendet, um bspw. eine Datenbankstruktur oder ein Softwaresystem aufzubauen. Man spricht dann von Datenmodellierung. In Bezug auf Content sprechen wir eben von Contentmodellierung oder Contentstrukturierung, was ein- und dasselbe ist. Sie müssen sich lediglich überlegen, aus welchen Teilen Ihr Content  besteht und dafür entsprechende Felder definieren.

Im Idealfall strukturieren Sie Ihre Inhalte, legen diese in einer Datenbank ab und können dann via API (Application Programmer Interface) von wo auch immer darauf zugreifen.

Beim National Public Radio (NPR) nannte man die Strukturierung von Inhalten und die Publizierung via API COPE: Create Once, Publish Everywhere.

Das amerikanische National Public Radio kam früh auf die Idee, seine Inhalte so zu strukturieren, dass diese über eine API auf beliebige Plattformen publizierbar sind. Schauen Sie sich an, wie NPR die selbe Story auf unterschiedlichste Plattformen publiziert, egal ob Website, mobile Website, iPhone App, iTunes oder Radio Player:

Jetzt brauchen Sie nur noch ein System, das so funktioniert wie das selbstgestrickte von NPR. Ein System, bei dem Sie zunächst Ihre Content-Typen identifizieren und strukturieren und anschließend dem System mitteilen. Daraus werden dann die für den Redakteur passenden und notwendigen Oberflächen erzeugt – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Diese Inhalte können Sie über eine stets gleich bleibende API abrufen und somit in beliebige Kanäle publizieren. Statt eines Produkt-Informationsmanagement-Systems, vollziehen Sie den Wechsel zu echtem Content Management.
Hierfür bieten sich API-basierte Content Management Systeme wie contentful oder prismic.io an.

Product Information Management Systeme

Mir ist bewusst, dass PIM-Systeme außer der Verwaltung von Produktinformationen mehr können, bspw. Database Publishing. Und zu Recht werden die Hersteller von PIM-Systemen hier diese Vorteile in den Vordergrund rücken.
Funktionen wie etwa Database-Publishing und andere typische Merkmale von PIM-Systemen lassen sich im Einzelfall, sofern überhaupt benötigt, dazu entwickeln. Man muss einen Unterschied machen zwischen Produktinformationen und deren Management und spezifischen Funktionen, die PIM-Systeme nun einmal mitbringen.

Zusammenfassung

Produktinformationen sind spezifische Inhalte. Für alle Inhalte von Unternehmen gilt, dass diese in eine fluide Umwelt, also in unterschiedliche Anwendungen und auf unterschiedliche Plattformen publiziert werden müssen. Deshalb ist es sinnvoll den ganzen Unternehmens-Content medienneutral zu verwalten – Produktinformationen gehören auch dazu. Spezielle Systeme zum Management von Produktinformationen fügen der Vielzahl von Tools in denen Inhalte gefangen sind, ein weiteres Tool hinzu. Deshalb wäre eine übergreifende Content Management Lösung sinnvoller.

Mir ist schon klar, dass man nicht von heute auf morgen „mal eben“ ein System wie bspw. Contentful unternehmensweit einführt. Aber die Denkrichtung sollte vorhanden sein. Und wenn Sie sich ohnehin gerade mit dem Gedanken tragen ein PIM-System einzuführen, dann können Sie es doch auch gleich richtig machen. Dazu ist allerdings ein anderes Mindset notwendig:

„Leider haben die meisten Unternehmen keine ‘Content-First-Kultur’. Doch wer sich nicht rechtzeitig auf eine Content-Revolution einstellt und eine digitale Transformation einleitet, wird am Ende verlieren. Die Kunden werden sich an den Marken orientieren, die auf allen Ebenen – neben einem guten Produkt-Leistungsverhältnis – die richtigen Informationen zur richtigen Zeit anbieten.“  Doris Eichmeier / Klaus Eck – Die ContentRevolution im Unternehmen, S. 105.

Damit Sie die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort (bzw. auf der richtigen Plattform) anbieten können, ist eben auch eine Verwaltung der Inhalte zwingend, wie sie hier dargestellt ist.

Je früher Sie damit starten, desto besser.

Dies ist ein Auszug aus einem demnächst erscheinenden EBook.

Bildnachweis:
flickr.com, gorgeoux, Creative Commons: BY-NC-SA – No changes made

 

Emotional Commerce mit Shopware 5

Shopware 5Am heutigen Tage erscheint die neue Version 5 von Shopware. Auch in Schöppingen erkennt man die Zeichen der Zeit und bemüht sich von der klassischen Shopstruktur bestehend aus Kategorienauflistung, Produktauflistung, Detailseite, Warenkorb zu entfernen.

Shopware Vorstand Sebastian Hamann:

„Generell setzen wir bei Shopware 5 mit einer komplett überarbeiteten Frontend-Basis voll auf das Thema Emotion. Wir gehen mit der neuen Version weg vomklassischen Onlineshoppen wie man es kennt, hin zum inspirierenden,ganzheitlichen Shopping-Erlebnis. Der Kunde soll Spaß daran haben zu stöbern,neue Produkte und Hintergrundinformationen zu entdecken und sich auf eineAbenteuerreise durch den Shop zu bewegen, wobei er ein noch nichtdagewesenes Storytelling erlebt“.

Ferner liefert Shopware nun auch ein responsive Design aus, um das Shopping-Erlebnis auch auf allen mobilen Geräten möglich zu machen. Dazu wurden auch die Einkaufswelten überarbeitet.

Das Backend ist überarbeitet worden und bedienungsfreundlicher. So ist im Backend nun auch eine Multi-Edit-Funktion enthalten.

Der Kern der neuen Version wurde technisch überarbeitet und „bis in die letzte Codezeile optimiert“.

Die finale Version von Shopware 5 steht voraussichtlich ab Mitte April zumDownload bereit.

In den kommenden Tagen wird es noch weitere Kinovorstellungen in ausgewählten deutschen Großstädten geben. Weitere Informationen gibt es unter www.shopware.com

Wenn Shopware demnächst noch eine API zur Verfügung stellt, ist es nahe an perfekt.

Quelle:
Shopware Pressemeldung

Bildnachweis:
(c) Shopware AG

Hubspot Alternative – WordPress

Hubspot Alternative WordPressInbound-Marketing – richtig umgesetzt – kann gerade für kleine Unternehmen eine spannende Möglichkeit sein Leads – also Wissens- und Kaufinteressenten – zu erzeugen.

Um das aber auch umsetzen zu können sind gute Tools notwendig, die es erlauben Inhalte zu publizieren und nachzuverfolgen, welcher Lead sich für welche Inhalte interessiert. So ist es möglich, gezielt Inhalte anzubieten und einen Interessenten so langsam „heiß“ zu machen.

Das allerdings setzt wieder voraus, dass man entsprechende Tools zur Verfügung hat, die Aktivitäten messen und in denen möglichst zentral Inhalte abgelegt werden können.

Hubspot ist hier eindeutig der unangefochtene Platzhirsch unter den Inbound-Marketing Tools.

Hubspot bietet dabei verschiedene Tools unter einem Dach an:

  • Blog,
  • Content- und Landingpages,
  • Suchmaschinenoptimierung,
  • Email-Marketing,
  • Tools für die Analyse des Nutzerverhaltens,
  • Lead Management,
  • Marketing Automation

Das alles unter einem Dach zu vereinen und als „All-In-One“ Lösung zur Verfügung zu stellen bedeutet für den Anwender zunächst eine riesige Erleichterung, weil man nicht sämtliche Module einzeln installieren muss und sich auch um Updates der Software nicht zu kümmern braucht.

Das hat natürlich seinen Preis. Die günstigste Variante fängt in der Basis-Version bei 185,00 EUR pro Monat an – solange man weniger als 100 Leads hat. Weitere 1000 Kontakte kosten  zusätzliche 100,00 EUR pro Monat. Möchte man die mächtigeren Features nutzen, bedeutet der Sprung auf die nächste Variante einen monatlichen Kostenrahmen von knapp 745,00 EUR monatlich.

Gewiss ist Hubspot ein hilfreiches Tool und seinen Preis auch wert, doch werden einige KMUler erst einmal schlucken. Da kann es interessant sein, sich nach Alternativen umzuschauen.

Zwar gibt es eine Reihe von Anbietern mit einem ähnlichen Leistungsprofil wie Hubspot wie bspw. Infusionsoft. Jedoch muss man auch hier einige Euros pro Monat einplanen.

Hubspot Alternative WordPress

In jüngerer Zeit fällt mir immer wieder auf, wie vielseitig einsetzbar WordPress ist. Für jedes Problem gibt es in WordPress fantastische Plugins, so dass sich WordPress für jedes x-beliebige Spezialproblem – meist auch ohne große technische Kenntnisse – so umkonfigurieren lässt, dass alles lösbar ist.

Wie sich WordPress als Hubspot Alternative einsetzen lässt

Nehmen wir uns doch Schritt für Schritt die Features von Hubspot und schauen uns an, wie diese mit WordPress abbildbar sind.

Blogging

Darin ist WordPress nun wirklich unschlagbar, denn zu diesem Zweck ist es schließlich ursprünglich gedacht. Im Vergleich soll – folgt man Berichten aus dem Internet – das Blogging-Tool von Hubspot eher mau sein.

Content- und Landingpages

WordPress bietet natürlich auch die Möglichkeit Contentseiten einzurichten. Zugleich gibt es aber auch eine Reihe von Plugins, die das Erstellen von Landingpages erlauben. Landingpages lassen sich auch mit Orbtr abbilden. Orbtr erlaubt aber vor allem Leadtracking und Segementierung.

Wenn es um Landingpages und mehr geht ist sicherlich Optimizepress ein sehr starkes Plugin, das es für $97 im Jahr gibt – oder einmalig $97, wenn man im nächsten Jahr keinen Support und keine Updates möchte.

Suchmaschinenoptimierung

Mit dem Yoast SEO-Plugin wird man bereits beim Schreiben von WordPress-Artikeln optimal unterstützt. Mit geeigneter Keyword-Recherche kann man so sich gut im Ranking bei Google hocharbeiten. Und das Ganze ist auch noch kostenlos!

Leadmanagement und Marketing Automation

Nun kommen wir zum Kern einer Inbound-Marketing Anwendung, nämlich dem Lead-Tracking. Die Bewegungsdaten von Interessenten müssen nachvollzogen werden können, so dass erkennbar ist, für welche Inhalte sich ein Lead wie oft interessiert. So können weitere Content-Angebote – je nach Position im Sales-Funnel – gemacht werden (Lead-Nurturing).

Für gerade einmal $99 pro Monat bietet Orbtr ein Lead-Tracking und diese Features:

  • Real-Time Email Alerts for New and Returning Leads
  • Daily Lead Summary Emails
  • Real-Time Leads + Visitors Dashboard
  • Ability to Track Leads who Click from Email Campaigns
  • Integration with Gravity Forms, Jetpack Forms and WordPress Comments for Lead Identification
  • Integrations w/ MailChimp, Gravity Forms, WooCommerce, WP User Database, Zapier

Durch die Integration mit MailChimp lässt sich also auch Marketing-Automatisierung umsetzen. Insofern man sich nicht im Enterprise-Segment befindet, lässt sich durch die Integration mit WooCommerce auch ein Onlineshop inkl. Leadtracking realisieren. Das wäre Content-Commerce auf hohem Niveau!

 

Weitere Alternativen zu Hubspot:

Rainmaker Platform

Die Rainmaker Platform stammt von den Machern von copyblogger.com. Rainmaker ist eine SaaS-Lösung, die – wenn ich das richtig verstanden habe – auf WordPress aufsetzt. Rainmaker bietet dabei 27 responsive Themes an, die man für seine Seiten verwenden kann. Der Preis ist mit $95 bzw. $75 pro Monat, je nach dem, ob man vierteljährlich oder jährlich zahlt, vergleichsweise günstig. Rainmaker Platform bietet auch Leadmanagement und Analytics an – dabei werden „nur“ die entscheidenden Metriken gemessen. Das bedeutet, dass man sich nicht mehr durch einen Wust von Daten wühlen muss, sondern die entscheidenden Kennzahlen schon portioniert serviert bekommt. Als Hubspot Alternative ist Rainmaker interessant, da Rainmaker durch  den SaaS-Ansatz auch bequem ist.

Scompler

Eine mögliche Hubspot Alternative ist Scompler. Mein letzter Kenntnisstand war, dass Scompler sich noch in der geschlossenen Beta-Phase befand. Im Blog von Mirko Lange kann man sich aber einen guten Eindruck von der Software verschaffen. Zu Preisen ist mir im Moment nichts bekannt. Positiv anzumerken ist hier, dass Scompler mal ein Beitrag aus deutschen Landen ist – normalerweise kommen solche Tools ja eher aus den USA.

Fazit

Es gibt sicherliche Bereich, in denen die Lösung von Hubspot einer zusammengestückelten WordPress-Installation überlegen ist. Umgekehrt jedoch bietet WordPress in einigen Bereichen sicherlich deutlich mehr, als Hubspot. Und wenn es nur im Blogging ist. Eine Integration mit E-Commerce Systemen gibt es bei Hubspot meines Wissens nicht.

Wer also in das Inbound-Marketing einsteigen möchte, aber die monatlichen Kosten scheut, könnte mit einer Kombination aus WordPress, Orbtr und MailChimp schon sehr weit kommen. Bei 1000 Leads zahlt man lediglich $99,00 im Monat, gegen $800,00 bei Hubspot. Faktor 8 ist sicherlich eine Hausnummer. Zumal WordPress an einigen Stellen – so vermute ich – deutlich flexibler ist. Alleine bei der Auswahl von Themes.

Vergessen sollte man dabei allerdings nicht, dass es neben den Tools auch eines strategischen Vorgehens bedarf.

Bildnachweis:
flickr.com, Steve Garfield, Creative Commons: BY-NC-SA 2.0

Spryker – das E-Commerce Framework #Spryker

SprykerAls ich die erste Ankündigung zu Spryker sah, konnte ich damit gar nichts anfangen. In der ersten Veröffentlichung stand praktisch gar nichts. Das war wohl nicht nur mir aufgefallen, denn Roman Zenner tweetete:

Als Roman Zenner eingeladen wurde, lud ich mich auch gleich ein.

Als Content Stratege für E-Commerce bin ich stets auf der Suche nach Möglichkeiten Inhalte medienvariabel zu verwalten. Außerdem gehen mir die klassischen E-Commerce Systeme mit ihren üblichen Kategorien und Produktauflistungen schon längst auf den Keks. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Zeiten starrer Monolithen – auch im CMS-Bereich – vorbei sind. In spätestens 5 Jahren werden wir uns wundern, wie wir solche Systeme überhaupt je verwenden konnten.

Insofern war ich also hochgespannt, was mich in Berlin erwarten würde. Vermutlich so, wie die 15 anderen Teilnehmer am Event.

Spryker ist ein System, das vom deutschen Start-Up Incubator Project A Ventures entwickelt und nun in ein eigenes Unternehmen – nämlich die Spryker Systems GmbH (zur Zeit noch in Gründung) – überführt wurde. Geschäftsführer sind Alexander Graf – der Mann, der Kassenzone macht – und Nils Seebach.

Keine Features

Zunächst einmal überrascht – und erfreut – der radikale Ansatz bei Spryker: Das Framework ist eben keine Out-of-the-box Shoplösung mit einer ganzen Palette von Features – die vermutlich sowieso nie jemand brauchen wird – , sondern eben „nur“ ein Framework, in das Erfahrungen aus den Projekten von Rocket Internet und Zalando sowie einer Handvoll von Project A betreuten Startups eingeflossen ist. Für feature-orientierte Entscheider könnte das durchaus ein Problem darstellen.

Kein Caching

Ebenfalls sehr radikal – Halleluja! – ist, dass auf ein Caching des Frontends komplett verzichtet wird. Der Fokus liegt auf der Geschwindigkeit der Frontend-Generierung (irgendwas von < 100ms Stand als Zahl im Raum). Das ist für mich ein sehr begrüßenswerter Ansatz, da Caching prinzipiell nur Probleme macht – spätestens dann, wenn es um Personalisierung von Inhalten geht.

Technische Trennung von Frontend und Backend

Statt dass Frontend und Backend auf die gleiche Datenbank zugreifen, sind beide voneinander getrennt. Während im Backend mit MySql gearbeitet wird, setzt man im Frontend auf ein Key-Value Storage wie Redis.

Integriertes Datawarehouse

Das Datawarehouse zeichnet Daten für das Reporting auf, so dass für das jeweilige Business relevante Kennzahlen abrufbar sind.

Noch ganz am Anfang

Man merkt, dass Spryker noch ganz am Anfang steht. Es fehlen einfach noch belastbare Zahlen und Erfahrungen. So wurde in einer Grafik gezeigt, dass die Produktivität eines Entwickler bei Verwendung eines Out-of-the-box-Systems wie bspw. Shopware, wohingegen die Verwendung des Spryker-Frameworks die Produktivität konstant hochhält.

Spryker - Produktivität

Erklärt wird dies – durchaus plausibel – damit, dass Standard-Systeme viele Konfigurationsmöglichkeiten mitbringen, die im Code natürlich widergespiegelt sind. Dadurch nimmt im Laufe der Zeit die Codekomplexität zu und Änderungen an einer Stelle resultieren in Nebeneffekten an anderer Stelle. Das ist alles sehr plausibel. Ein Kollege von hmmh fragte dann auch nach konkreten Belegen für dieses Argument, also ob das mit zwei Systemen über eine gewisse Zeit getestet wurde. Natürlich ist das noch nicht der Fall gewesen.

Lizenz

Auch hinsichtlich der Lizenzkosten scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Für Spryker wird es eine jährliche Lizenz geben. Hier wurden zwar Zahlen genannt, bei denen man merkt, dass der Fokus auf dem Enterprise-Sektor liegt, diese werden sich im Laufe der Zeit aber noch an die Marktgegebenheiten anpassen.

In jedem Fall handelt es sich um einen sehr interessanten Ansatz, den im Auge zu behalten sich lohnt, auch wenn ein solches Framework gewiss nichts für einen Massenmarkt ist.

Bildnachweis:
Udo Butschinek, Public Domain, ID-FC
Bilder in den Tweets: (c) der jeweiligen Poster.

P.S.: Mein Tipp für die nächste Veranstaltung: Macht es den Leuten möglich, sowohl den Business-, als auch den Technik-Track mitzunehmen. Mich hätte nämlich beides interessiert.

Die Zukunft des Web

Zukunft des WebStellen Sie sich vor: eines Tages haben Sie eine Webseite, die Sie gar nicht mehr individuell erstellt haben, sondern eine Webseite, die mittels künstlicher Intelligenz in der Lage ist, sich selbst zu optimieren. Die von selbst A/B-Splittests durchführt. Ihre Inhalte, egal ob Text, Video, Bilder oder was auch immer, werden automatisch in ein für Sie einzigartiges Layout eingebettet. Natürlich responsive.

Sie könnten mit einem solchen System unglaublich viel Zeit und Geld sparen. Niemand muss mehr aufwändige Templates entwickeln, Datenbanken aufsetzen und warten. Ihre „Time to Market“ geht gegen null.

Wenn Sie denken, dass ich spinne, dann haben Sie noch nichts von „The Grid“ gehört.  Denn das macht exakt das, was ich Ihnen gerade grob skizziert habe – und mehr.

Ich gebe zu: ich bin ein wenig neidisch auf die Jungs von „The Grid“. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich bereits vor 15 Jahren intensiv mit Techniken der Künstlichen Intelligenz beschäftigt habe und schon 2003 darüber nachdachte, wie man einem TYPO3-Backend beibringen kann, intelligenter zu werden (Jan Hendrik Heuing wird Ihnen das bestätigen).

Was mich andererseits an solchen Projekten riesig freut ist dies: wenn man Leuten davon erzählen würde, hielte es niemand für machbar. Und dann kommen welche, die machen das einfach.

Es ist ja streng genommen auch ein Witz, dass man einen Großteil der Webentwicklung immer noch zu Fuß machen muss, wo es doch bereits in Asien Fabriken gibt, in denen Software am Fließband hergestellt wird. Natürlich schreibt man sich selbst Skripte, die einem einen Teil der manuellen Arbeit abnehmen, doch bleibt es nach wie vor manuelle Arbeit.

Man kann in einem solchen System auch WIssensdatenbanken hinterlegen, die informationen über ergonomische Oberflächen enthalten. Auch das ist im Grunde schon seit vielen Monden vorhanden.  In dem sehr empfehlenswerten Buch „Lehrbuch der Softwaretechnik“ (in der Auflage, die ich hatte – ich kann nicht sagen, ob das immer noch so ist) gab es ergänzend zum Kapitel über Softwaremodellierung und UML (Unified Modelling Language) eine Beigabe auf CD. Dabei handelte es sich um eine Version von Rational Rose (einem Tool zur Entwurfsplanung von Softwaresystemen mittels UML) mit einem – wenn ich mich recht erinnere – von Helmut Balzert und Studenten entwickelten Add-On, mit dem man aus dem UML-Diagramm direkt ergonomische Oberflächen erzeugen konnte. Änderungen am Modell wirkten sich dann direkt auch auf die entsprechende Oberfläche aus. Dieses Add-On machte dabei von einer Wissensdatenbank Gebrauch, die Informationen über optimale Oberflächen enthielt.
Seit dieser Zeit träume ich von etwas Ähnlichem für die Webentwicklung.

Tja, und ab Frühjahr 2015 wird es dann da sein – nur noch cremiger, weil man sich nicht einmal mehr mit der Entwurfsplanung abgeben muss.

Die Zukunft des Web stelle ich mir so vor: Unternehmen können sich zukünftig – zeitlich und mit Blick auf das Budget – voll auf ihre Inhalte konzentrieren (z.B. werden sie medienneutral in Contentful verwaltet). Diese werden dann ins Grid „geworfen“ und sind dort verfügbar, ohne lange Zeit mit Designdetails, CMS- und Shopauswahl oder anderen technischen Details aufzuwenden.

Das wäre dann auch ein Beitrag zu einem besseren Web. Oder?

Bildnachweis:
flickr.com, Dierk Schaefer, Creative Commons: BY – no changes made

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