Bericht vom E-Commerce Camp Jena #eccj14

Ich liebe Bar-Camps. Wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, würde ich jedes Wochenende auf eines gehen. Bar-Camps sind für mich der Beweis dafür, dass eine basisdemokratische Gesellschaftsordnung funktioniert. Im Unterschied zu einer echten Konferenz werden die Vorträge (bzw. „Sessions“, wie sie bei Camps genannt werden) nicht zentral ausgewählt, sondern von den Teilnehmenden bei Start selbst vorgeschlagen und anschließend darüber abgestimmt, ob das Thema als Session stattfindet oder nicht. Und obwohl Sessions per Abstimmung stattfinden und man es nicht unbedingt mit Profi-Präsentatoren zu tun hat, die mehr als 200 „Gigs“ pro Jahr machen, sind die Sessions stets von extrem hoher Qualität und liefern richtig gut Impulse.

Beim E-Commerce Camp Jena war es nicht anders. Leider konnte ich nur am Freitag dabei sein. Alles begann mit einem gemeinsamen Frühstück um 9:00 Uhr. Ab 10:00 Uhr wurden die Sessionvorschläge entgegengenommen. Auf die sonst bei Camps übliche Vorstellungsrunde wurde verzichtet (bei 160 Leuten macht das auch Sinn). Rasch waren die Slots mit super interessanten Themen gefüllt. Ich selbst habe auch eine Session mit dem Thema „Content Strategy 101“ vorgeschlagen, die auch angenommen wurde. Mein Slot war um 15:00 im Raum von „Shopware“. Das ist ein Zeichen, denn schließlich ist ZIMMER 19 ja auch Shopware Partner.

Die Sessions an denen ich beim E-Commerce Camp Jena teilgenommen habe:

  • Duell der Webserver: Apache vs. Nginx“ – Phillip Hertz, Profihost AG: Gelegentlich wird behauptet, dass Nginx eine Webanwendung um 2000% schneller macht. Das ist Quark und wurde in denen Session wunderbar auseinandergenommen. Nur das Wechseln von Apache auf Nginx macht die Anwendung nicht schneller. Tatsächlich gibt es – die richtigen Benchmarks vorausgesetzt – gar keinen Performanceunterschied.
  • 8 1/2 Performance-Mythen. Busted!„- Thomas Lohner, Syseleven GmbH: In der Session wurden diese Mythen auseinandergenommen
    1. Nginx ist schneller als Apache
    2. php-fpm ist schneller als mod_php
    3. CDN benutzen / static files auf „optimierte Server“ auslagern
    4. Assets auf viele Domains verteilen
    5. Files in RAM-Disk ablegen
    6. MySQL: viel Index hilft viel
    7. Slow Queries sind böse
    8. Caching in memcached
    9. bzw. 8 1/2: Solr / Elastic Search antwortet immer in 1 ms
  • Die Zukunft des E-Commerce“ – Roman Zenner & Co.: Hier gab es eine sehr angeregte Diskussion zum Thema. Natürlich durfte hier auch „Amazon“ nicht fehlen. Eine Stunde war für diese Session viel, viel, viel zu wenig. Daraus könnte man glatt ein eigenes Camp machen (Hey,  coole Idee!).
  • Content Strategy 101“ – Udo Butschinek, ZIMMER 19: Diese Session habe ich selber gemacht und es war eine der wenigen nicht-technischen. Irgendwie kam die Technik vor Ort nicht mit MACs klar, weshalb ich ohne meine vorbereitete Präsentation loslegen musste. Das hat mich – ich gebe es zu – etwas aus dem Konzept gebracht. Falls die Teilnehmer der Session nicht gelogen haben, dann haben sie auch etwas aus der Session mitgenommen (und damit meine ich jetzt nicht Schwamm oder Kreide). Spannend fand ich, dass auf die Frage, ob mir jemand eine Definition von „Zielgruppe“ geben kann, keine Reaktion erfolgte. Das war wie in animierten Cartoons, in denen absolute Stille mit dem Zirpen einer einzigen Grille dargestellt wird: Zirp, Zirp, Zirp …
  • Conversion-Optimierung aus Betreiber-, Experten-, und Usersicht„. Das war meine letzte Session (davon auch ein Foto in der Galerie unten). Hier habe ich nicht ganz so viel mitgenommen, außer der Erkenntnis, dass Conversion-Optimierung viel mit „informed guesses“ zu tun hat.

Das E-Commerce Camp Jena war super organisiert und hat richtig Spaß gemacht. Ich bin auf jeden Fall beim nächsten Mal wieder mit dabei.

Nach meinem Geschmack darf es im nächsten Jahr ruhig mehr Sessions geben, die sich nicht mit technischen Themen auseinandersetzen. An alle die zu nicht-technischen Themen etwas bei beizutragen haben: Beim nächsten Mal Session halten!

Ohne den Nörgler machen zu wollen, gibt es eine Kleinigkeit, die man verbessern kann:  Zwischen den Sessions 15 Minuten Zeit lassen, um den Raum wechseln, Pipi machen oder kurz einen Kaffee schlürfen zu können.

Ich freue mich aufs nächste J(en)ahr!

Zur Webseite vom E-Commerce Camp Jena.

Zum Abschließ .. am Abschluss noch ein paar Fotoeindrücke:

Bildnachweis:
Fotos von Udo Butschinek, Public Domain, ID-FC

One Response to Bericht vom E-Commerce Camp Jena #eccj14
  1. Simone Antworten

    Hallo Udo,

    vielen Dank für den Artikel und das positive Feedback!

    In der Tat waren die Pausen zwischen den Sessions sehr kurz. Geplant war, genau wie du vorgeschlagen hattest, eine 15minütige Pause – mit 45minütigen Sessions. Allerdings gab es wohl zu viele Themen und zu viel zu sagen, als dass das nicht so ganz geklappt hat 😉

    Auf jeden Fall werden wir es in der Planung fürs kommende Jahr nochmal berücksichtigen.

    Viele Grüße!
    Simone

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