5 Tools für Content-Commerce

Tools für Content-CommerceWieso gibt es eigentlich eine Trennung in Web-Redaktionssysteme und Shopsysteme? Beide müssen doch einem Besucher Inhalte präsentieren, oder etwa nicht?

Historisch erkläre ich mir das so:

Von Beginn an gab es den Bedarf die Inhalte einer Webseite aktuell halten zu müssen, und das ohne technisches Know-How. Wer in den Anfängen kein HTML oder etwas später wenigstens WYSIWYG-Editoren bedienen konnte, hatte keine Chance. Ab Mitte der 90er begann die Entwicklung von Web- Redaktionssystemen, die genau diesen Bedarf decken sollten.

Etwa zeitgleich begann auch die Entwicklung von Systemen, mit denen es möglich sein sollte Waren über das Internet zu vertreiben, also Shopsystemen.

Diese hatten naturgemäß einen anderen Fokus als die Web-Redaktionssysteme. Hier mussten vor allen Dingen Bestellprozesse abgewickelt sowie Produkte präsentiert werden. Daten mussten ggf. mit Warenwirtschaftssystemen ausgetauscht werden. Und so spezialisierten sich beide Systemvarianten auf den jeweiligen Bereich und deckten den Bedarf immer besser ab.

Dadurch entstand aber gleichzeitig auch eine Trennung, nämlich die von Webseiteninhalten und Webshops, die spezielle
Webseiteninhalte präsentierten und gleichzeitig für eine Bestellabwicklung sorgten.

Diese Trennung hat sich im Lauf der Zeit so sehr eingebürgert, dass sie beinahe als selbstverständlich angesehen wird. Niemand wundert sich mehr darüber, dass etwa die Corporate-Website eines Unternehmens von ihrem Shop getrennt ist und gar auf unterschiedlichen Domains läuft.

In etwas elaborierteren Varianten wird der Shop optisch exakt an das Layout der Corporate-Website angepasst, so dass zumindest die Illusion der Einheit von Corporate-Website und Webshop entsteht.

Wenn ich schreibe, die Trennung sei „beinahe selbstverständlich“, so ist damit gemeint, dass diese schon immer vorhandene Problematik bekannt ist und mit den verschiedensten Mitteln versucht wird zu lösen.

Neben den zwei oben skizzierten Lösungsansätzen gibt es auch den Versuch die fehlenden Komponenten im jeweiligen System nativ nachzubauen. An ein Redaktionssystem wird ein Shop dran programmiert. Oder umgekehrt werden CMS-Funktionalitäten im Shop-Backend zur Verfügung gestellt.

Bei Shopsystemen wird unter „CMS-Funktionalität“ in aller Regel ein WYSIWYG-Editor verstanden, mit dem man Texte fett und kursiv machen kann.

Bei den Shop-Plugins für Web-CMS fehlt es dann an Anbindungen zu Bezahlsystemen oder der Warenwirtschaft. Auch sind die Produktverwaltungen eher rudimentär und eher für unterkomplexe Anforderungen geeignet (man denke nur an „tt_products“ für TYPO3 *schauder*).

Dass die Entwicklung des Web entsprechende Tools für Content-Commerce nötig macht, ist zwischenzeitlich auch Forrester Research aufgefallen (siehe bspw. das Paper „Bridge The Commerce/Content Divide„). Tools für Content-Commerce sind aber dennoch rar gesät.

Deshalb liste ich in diesem Beitrag 5 Tools für Content-Commerce auf, mit denen die „Commerce/Content“-Trennung aufgehoben werden kann.

Die Integratoren

Die ersten zwei Kandidaten gehen den ganz offenkundigen Weg. Die Philosophie ist, einfach das zu nehmen, was es schon gibt und zu einem funktionsfähigen Ganzen zu verbinden.

Man stelle sich vor – und dieser Fall ist mir erst letzte Woche wieder begegnet – jemand hat eine TYPO3-Seite die seit Jahren gepflegt wird und ein super Ranking hat. Alle Redakteure kenne das System mittlerweile in- und auswendig. Jetzt möchte man einen Shop integrieren. Da geht man doch nicht hin und transferiert alle Inhalte in ein neues System, risikert einen Abrutsch im Ranking und schlägt sich mit verärgerten Redakteuren herum.

Hier kommen die ersten beiden Tools für Content-Commerce ins Spiel:

Beide Lösungen sind eine Schnittstelle zwischen zwei Systemen und beide haben als Ausgangsbasis TYPO3 als Web-CMS. TYPO3 macht in diesem Zusammenhang natürlich Sinn, da es im deutschsprachigen Raum das am häufigsten eingesetzte ist.

TOXID

TOXID wurde ursprünglich entwickelt von Joscha Krug und seiner marmalade GmbH und ist ein Open Source Projekt.

Wie so oft entsprang diese Lösung einem konkreten Projekt-Problem. Als TYPO3-Agentur hatte marmalade einen OXID-Kunden übernommen. Ein kleiner Händler, dem aber noch die ansprechenden  Inhalte zu seinen Produkten fehlten. Da eine Anreicherung der Produkte mit Inhalten mit den Mitteln von OXID nicht möglich war, wurde mittels PHP-cURL eine Brücke zu TYPO3 gebaut.

Die generische Lösung ermöglichte auch den „Brückenbau“ zu anderen Redaktionssystemen. Mittlerweile kann TOXID auch mit Systemen wie Joomla, WordPress, Drupal und Redaxo kommunizieren.

Wenn Sie also einen OXID Shop haben und mehr Inhalte pflegen möchten, wäre TOXID einen Blick wert.

TOXID-Referenzen finden Sie auf der TOXID-Webseite.

ShopFusion

ShopFusion aus dem Hause ZIMMER 19 geht einen anderen Weg.

Statt ein Shopsystem an mehrere Web-CMS anzudocken, wird das Web-CMS, in diesem Falle TYPO3,  als ausliefernde Instanz verwendet. ShopFusion ist so entwickelt, dass prinzipiell beliebige Shopsysteme an TYPO3 angedockt werden können. „Out-of-the-box“ funktioniert das momentan für Magento und OXID.

Der Vorteil vom CMS aus zu gehen ist, dass der komplette Template-Mechanismus von TYPO3 verwendet werden kann. Es sind prinzipiell – zumindest für die Frontend-Umsetzung – nur minimale technische Kenntnisse des Shopsystems notwendig.

Im Rahmen eines Projekts wurde auch der deutsche Onlineshop von Lindt & Sprüngli an TYPO3 angebunden. Als Onlineshopsystem wird hier ePages eingesetzt.

Im Gegensatz zu TOXID ist ShopFusion eine kommerzielle Lösung, für die entsprechende Lizenzen gekauft werden müssen.

ShopFusion-Referenzen kann man über das Formular auf der Webseite anfragen.

In der ShopFusion-Dokumentation finden Sie auch ein Video, das Ihnen zeigt, wie Sie in Minuten Magento und TYPO3 „verheiraten“.

Das schweizer Taschenmesser: WordPress

Spricht man von Tools für Content-Commerce darf selbstverständlich nicht WordPress fehlen.

WordPress ist – mit Abstand – das weltweit am häufigsten eingesetzte Web-CMS. Und das vollkommen zu Recht. In einem anderen Beitrag habe ich ja schon über die Möglichkeiten geschrieben, wie man WordPress als Inbound-Marketing Tool einsetzen und damit eine gute, und vor allem kostengünstige, Alternative zu Hubspot hat.

Für WordPress gibt es eine Vielzahl von Erweiterungen zu nur allen erdenklichen Anwendungsbereichen. Im Gegensatz zu den Erweiterungen von TYPO3 sind hier die allermeisten richtig gut. Man denke nur an das SEO-Plugin von Yoast.

Möchte man mit WordPress jetzt auch noch E-Commerce betreiben, so geht dies mittlerweile mit dem WordPress-Plugin „WooCommerce“ in der „germanized“-Version ist diese sogar an die Deutsche Rechtslage angepasst. Einfache Anwendungsfälle sollten in der Kombination WordPress-WooCommerce locker abgefackelt werden können.

Sollte es komplexer werden, ist eine Integration von API-Tools wie SPHERE.IO möglich. Diese Möglichkeit stellte Christoph Batik von Keynet in Österreich beim E-Commerce Camp in Jena vor (die Slides zur Session finden sich hier).

Damit kommen wir auch schon zu den nächsten Tools für Content-Commerce.

Das Schwergewicht: Hippo CMS

Sehr beeindruckt bin ich in jüngerer Zeit auch vom java-basierten Hippo-CMS. Hippo ist ein hochmodernes, multichannel-fähiges und vor allem wirklich content-fokussiertes CMS.

Hippo CMS berücksichtigt nicht nur die reine Content-Pflege, sondern erlaubt auch die Auswertung unterschiedlicher Metriken und das Anlegen von Personas für die dann relevante Inhalte geschrieben werden können.

Hippo CMS ist dabei so offen, dass es erweitert und an Drittsysteme angedockt werden kann.

So lässt sich das oben bereits erwähnte SPHERE.IO aufgrund seines flexiblen API-Ansatzes mit Hippo CMS verbinden (siehe im Blog von Commerce-Tools).

Hippo selbst scheint auch an weitere E-Commerce Systeme angebunden zu sein:

At Hippo we’ve come to closely partner with some of the largest eCommerce platforms in order to deliver truly optimized eCommerce experiences that bring together Content, Commerce, Channels and Customers.

Webseite onehippo.com (dort gibt es auch ein Content & E-Commerce Whitepaper zum Download).

Von API zu API

Unser letzter Kandidat in der Liste der Tools für Content-Commerce ist eine Verbindung zweier „Frontend? Hammwer nicht!“-Ansätze.

Die Rede ist von SPHERE.IO auf der einen Seite und meinem Lieblings-CMS Contentful auf der anderen. Als ich vor einiger Zeit beide Systeme kennengelernt hatte, war meine erste Reaktion gleich: Warum verbindet man das nicht. Das hatte ich auch den Produktmanager bei SPHERE.IO gefragt, der dann gleich bestätigte, dass das in der Mache sei. Die gleiche Frage stellte ich auch Sascha, dem CEO von Contentful. Der sagte „Wir sind im Gespräch“.

Für mich war das von Anfang an ein innovativer Kandidat für die Verbindung von Content und Commerce, weil man dadurch vollkommen unabhängig von unterschiedlichen Plattformen wird. Die Inhalte können in eine App oder einen Print-Katalog ausgespielt werden (siehe dazu auch meinen Beitrag „So könnte E-Commerce Innovation aussehen„).

Wenn ich Christian Blomberg von Contentful richtig verstanden habe, dann gibt es jetzt eine offizielle Partnerschaft mit Commerce-Tools (also den SPHERE.IO-Machern). Somit ist eine Content-Commerce Plattform in Kombination der Systeme für den allgemeinen Einsatz bald zu erwarten. Ich werde darüber berichten!

Das war meine Übersicht über 5 Tools für Content-Commerce.

Falls Sie ein bevorzugtes Tool für Content-Commerce kennen, das hier nicht aufgelistet ist, freue ich mich auf Hinweise in den Kommentaren.

Bildnachweis:
flickr.com, Daniel Broche, Creative Commons: BY

3 Responses to 5 Tools für Content-Commerce
  1. Toco Antworten

    Ein weiterer Ansatz wird von Aimeos verfolgt, das sich ganz auf flexible, schnelle und Usability-optimierte Webshop Komponenten konzentriert, die sich in alle Applikationen integrieren lassen.

    Der Ansatz ist ähnlich zu dem von Sphere.io (API), allerdings wird direkt eine PHP Bibliothek eingebunden und nicht über HTTP Daten abgefragt, was immer zu unerwünschten Latenzen führt. Damit behält man auch die volle Kontrolle über seine Daten.

    Neben den Integrationen in Symfony und Laravel als Frameworks, stehen weitere für TYPO3 und NeosCMS als Content Management Systeme bereit. An weiteren Integrationen für Drupal und eZPublish wird schon gearbeitet:

    http://aimeos.org

  2. Markus Weber Antworten

    Die Frage, warum man trennt, was zusammen gehört, hat uns nicht minder beschäftigt. Es gibt minimum 6 Tools, denn CEM arbeitet ähnlich wie TOXID als Content Exchange Module zwischen TYPO3 und OXID. Aktuell erweitern wir die Connectivität in Richtung Shopware. Vorteil dieser Lösung ist, dass sie in beide Richtungen Inhalte liefert. Die Software ist noch jung, aber praxisbewährt und für Dritte nutzbar.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Please enter your name, email and a comment.