Monthly Archives: Juni 2014

Der (tod)rechtssichere Checkout

Trinkhalle - Rechtssicherer Checkout
Szene: Trinkhalle in Gelsenkirchen Buer

Käufer: Moin Jupp!

Jupp: Moin Kalle. Und? Alles klar?

Kalle: Jo, muss, ’ne? Und selbst?

Jupp: Jo, jo.. Und, wie immer?

Kalle: Na klar, Pulle Bier, ne?

Jupp: Hier ’n Dortmunder. Macht 1,25 mit Pfand.

Kalle (kramt Kleingeld raus): Hier.

Jupp: Du kaufst das gezz.

Kalle: Wat?

Jupp: Du kaufst gezz.

Kalle: Bist du bescheuert?

Jupp: Ne. Pass auf. Mein Anwalt sagt, et gibt ’n Gesetz. Ich muss dir sagen, datte gezz kaufst. Also: Du kaufst gezz.

Kalle: Ja, is ok. Hier hasse die Kohle und jetzt her mit der Pulle.

Jupp: Moment. Du weißt, was „Kaufen“ heißt, ne?

Kalle: Jaaaaa!

Jupp: Und? Wat heisst dat?

Kalle: Du gibt mir die Pulle Bier und ich geb‘ dir die Kohle…?

Jupp: Genau. Dat heisst, du hast gleich weniger Geld im Portmannee.

Kalle: Ja, ich weiss. Hier hasse die Kohle und jetzt her mit dat Bier.

Jupp: Ja, hier: Meine AGB. Musste noch akzeptieren.

Kalle: Ja, akzeptier‘ ich. Und jetzt geb‘ dat Bier her.

Jupp: Ja, ne. Die musste schon lesen, ne und mir hier (zeigt mit dem Finger) unterschreiben, datte die gelesen und verstanden und akzeptiert hast.

Kalle: Samma? Hast du gezz ein am Appel?

Jupp: Ne. Dat muss ich so machen, sonst kann mir ’n Anwalt dat Leben schwer machen.

Kalle: Boah, weisse … wenn ich dich nich‘ schon seit 20 Jahre kennen würde, ne … (unterschreibt). Krieg‘ ich jetzt die Pulle?

Jupp: Moment … Du kannst den Kauf widerrufen. Hier, dat musse noch lesen. Und hier ist ein Formular, wenne widerrufen willst.

Kalle: Hömma, ich trink dat Bier gezz eh aus …

Jupp: Is‘ egal. Musse mir unterschreiben und dat Formelar musse mitnehmen.

Kalle: Boah … ok (unterschreibt). (leicht bettelnd) Krieg‘ ich jetzt die Pulle .. ?

Jupp: Bist du sicher, datte die haben willst  und bist du wirklich mit der Transaktion einverstanden?

Kalle: Ja.

Jupp: Musse mir noch unterschreiben …

dritte Person (von ganz hinten in der Schlange): GEHT DAT DA MAL VORAN???

Jupp: JA! MOMENT NOCH!

Kalle: Ich unterschreib‘, aber dann is gut, hömma!

Jupp: Nur noch eins. Ich muss sicher gehen, dat du die AGB auch wirklich verstanden hast. Wat steht in §8, Absatz 1. Satz 1?

Kalle: Jupp, weisste wat? STECK‘ DICH DEINE PULLE IM AAASCH!!! (geht)

Jupp: ABER ICH MUSS DICH DOCH VOR SCHADEN BEWAHREN …

Kalle: ICH GEB‘ DIR GLEICH SCHADEN! ABER AUFFE ZWÖLF!!!

Bildnachweis:
flickr.com, bogenschlag, Creative Commons: BY – no changes made

Das Content Management System der Zukunft: Contentful

ContentfulIn einem ehemaligen Fabrikgebäude im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bastelt ein Startup an der Zukunft des Content Management. Von hier schaut man auf den Fernsehturm, dem ehemaligen Ost-Berlin. Während man Systeme wie bspw. TYPO3 als Content Management System bezeichnet – mancher vorsichtiger als Web Content Management System – sind sie doch „nur“ Web-Publishing Tools. Das gilt auch für frische Projekte wie TYPO3 NEOS.

Aktuell ist Content in verschiedene technische Systeme einbetoniert. Web-Content in Web Content Management Systeme. Content für Print-Broschüren in In-Design. Content für Mobile-Apps in separaten Datenbanken oder Textfiles. Durch systematische Strukturierung von Content und medienunabhängige Speicherung erhält man maximale Flexibilität.

Ich traf mich mit Sascha Konietzke – Mitgründer und CEO von Contentful – zu einem Gespräch in Berlin.

Stell‘ dich doch bitte einmal den Lesern vor: Was hast du bisher so getrieben und warum fingst du an Contentful zu entwickeln?

Sascha Konietzke

Sascha Konietzke, CEO Contentful

Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und dann als IT-Berater gearbeitet. Das Upgraden einer uralten Java-Version auf eine andere uralte Java-Version hat mir dann aber irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Ich habe dann ein Startup gegründet, das zwar nicht richtig funktioniert hat, wo ich mir selbst aber iOS-Entwicklung beigebracht habe. In dem Bereich mobile Entwicklung und Beratung bei Mobile-Projekten habe ich dann weiter gemacht.

Und da gab es dann immer wieder das Problem wie wir unterschiedlichste Inhalte – also Hilfetexte, Öffnungszeiten, Nachrichten, was auch immer – in die Mobile-App reinbekommen. Wir haben immer mit den bestehenden Content Management Systemen gekämpft und versucht mit Ruby on Rails oder Python ein eigenes Backend zu entwickeln. Das war aber dann irgendwann so träge, dass ich mir dachte, „Da muss es doch eine bessere Möglichkeit geben“.

Ich habe dann verschiedene Leute gefragt, ob sie denn das gleiche Problem hatten. Und viele haben gesagt: „Ja, geht uns eigentlich genauso.“  Und deswegen hatte ich dann eine erste Version selbst als Prototypen entwickelt und die dann halt auch ins Web gestellt. Da war dann eben das Feedback auch so gut, dass wir das Ganze weiter aufgebaut haben.

Mein Verständnis von Contentful ist, dass dieses System nicht nur für Web- und Mobileanwendungen funktioniert, sondern auch für Print und jede andere Form von Content. Liege ich da richtig?

Ja, das ist mit Sicherheit so, da gehen wir immer mehr hin. Die ursprüngliche Idee war, dass wir Content Management für Mobile-Apps machen, aber was wir dann eben von Anfang an gesehen haben ist, dass Leute gekommen sind und gesagt haben: „Warum kann ich das auch nicht mittels API auf meiner Website veröffentlichen?“.

Mittlerweile haben wir irgendwie ganz verrückte Use-Cases mit Navigationssystemen im Auto oder Touchscreens im Flugzeug. Lauter solche Sachen. Mittlerweile gehen wir immer mehr Richtung Crossplattform. Wir sind natürlich noch in einer sehr frühen Phase, was jetzt schwierig ist, wenn du zu Axel-Springer gehst und sagst: „Werft alle eure Redaktionssysteme weg, wir machen jetzt nur noch Contentful.“ Das ist wahrscheinlich auch etwas schwierig, weil es bei denen etablierte Workflows gibt.

Erkläre doch einmal einem durchschnittlichen Mittelständler, was Contentful ist.

ContentfulAlso, das ist natürlich eine große Herausforderung. Je nachdem mit wem wir sprechen, erklären wir das ganze etwas anders. Da würde ich am ehesten sagen, dass ist so eine Art Redaktionssystem für Inhalte, die du eben für dein gesamtes Unternehmen hast. Die kannst du auf verschiedenen Plattformen nutzen. Zum Einen auf Webseiten, aber eben auch auf allem, nicht bloß auf  Webseiten, beispielsweise Mobile-Apps oder iPad-Apps und so weiter. Auch Print.

Ich habe manchmal die Befürchtung, dass im Augenblick ein System wie Contentful den meisten Otto Normalusern noch zu abstrakt ist. Irgendjemand müsste denen ja erst einmal helfen, ein Contentmodell überhaupt zu entwickeln. Wie siehst du das?

Ja, momentan besteht unsere Zielgruppe aus Menschen, die sich mit Technik auskennen. Zum einen natürlich Agenturen, die mit Endkunden zusammen arbeiten oder eben auch größere Unternehmen wie Axel-Springer oder andere, die intern auch Ressourcen haben, die sowas verstehen.

Manchmal melden sich aber auch Verlage an, die noch komplett in der Printwelt stecken. Die melden sich dann bei uns sagen: „Wir finden den ganz Crossplattform-Ansatz total super und haben das alles aufgesetzt. Wo ist denn jetzt der Knopf, den wir drücken müssen, wo dann die Anwendungen rauspurzeln?“. Und denen muss ich dann sagen, dass die da einen Schritt übersehen haben. Wir sind dafür da, die Inhalte auf die Plattformen zu verteilen, die eigentlichen Apps müsst ihr dann schon selber machen.

Ich kenne Mittelständler die so etwas überhaupt nicht verstehen. Die haben nicht ansatzweise eine Vorstellung davon, wieviel Content alleine die Webseite hat. Und die meinen, dass es schneller und billiger ist, wenn ein Praktikant die Texte in andere Medien per „Copy & Paste“ transferiert. Was sagst du denen?

So was ist dann halt schwierig. Die Frage ist, ob sich das mit dem Quick & Dirty lohnt oder nicht. Für ihn ist vielleicht diese schnelle und pragmatische Lösung die richtige. Aber für das große Medienunternehmen oder ähnliches, ist das vielleicht doch nicht der richtige Weg.

Müssten da aber nicht auch kleinere Unternehmen dran interessiert sein, den Overhead, der durch das – wie Karen McGrane das nennt – „Content – Forking“ entsteht, einzudämmen? Ich meine, die Zahl der Ausgabemedien und -kanäle wird ja nicht kleiner. Und Content muss ja immer wieder verwertet werden.

Daran denken die kleineren Unternehmen gar nicht so sehr. Die sehen das noch nicht als großen Kostenpunkt, so nach dem Motto: „Naja, die neuen Geräte brauche ich ja noch gar nicht“.

Ich glaube, die ganz großen Unternehmen merken mittlerweile: „Naja gut, am Anfang hatten wir Inhalte für Print und dann haben wir angefangen mit dem Web. Und dann gab´s mal WAP. Und wir haben extra Inhalte und extra Redaktionen eingestellt für kleine WAP-Inhalte. Und jetzt ist es ja dann doch wieder Mobile“. Dadurch sind ja in den Unternehmen ganz verrückte Strukturen gewachsen, das beschreibt Karen McGrane sehr gut, wo es mehrere Redaktionsteams gibt, die auch bleiben werden. Die Mobile Redakteure sagen: „Na gut, uns braucht man immer noch und wir möchten weiterhin unabhängig bleiben und unsere eigenen Inhalte für Mobile schreiben.“

Wie ist denn momentan die Resonanz von den Agenturen?

Also die Resonanz ist super. Was mir aber auffällt ist, dass die Leute gar nicht an Content Strategy denken. Das sind eher technische Agenturen, die digitale Produkte machen. Und da sind es oft die Techniker, die uns entdecken. Von Content Strategy haben die noch nie was gehört, aber die finden Contentful trotzdem interessant, weil denen der API-Ansatz gefällt.

Soweit ich das bisher mitbekommen habe, ist Content Strategy eher bei denen ein Thema, die von der CMS und Editorial Seite her kommen. Die sich Fragen stellen wie „Was machen die Endnutzer eigentlich? Wie werden die Inhalte bearbeitet?“ und so weiter. Das ist immer mehr so, wobei die Entscheidung für solche Systeme nach meinem Eindruck meistens bei den Technikern liegt.

Die amerikanische Star-Content Strategin Karen McGrane ist bei euch Mitberaterin. Wie kam es denn dazu?

Ich habe anfangs nicht viel über Karen gewusst. Wir kamen da viel mehr über die technische Schiene. Irgendwann habe ich dann das ganze Content Strategy Thema entdeckt, Texte von Karen gelesen und einen Talk von Karen auf Video gesehen und dachte: einen besseren Salespitch für unser System gibt’s eigentlich gar nicht. Ich habe ihr dann einfach eine Email geschrieben. Und sie hatte dann auch schnell geantwortet und dann haben wir eben gesprochen. Ich habe ihr erzählt, was wir so machen und auf was für Problemstellungen wir da treffen. Sie war dann eben auch begeistert, so ein bisschen in der Art: „Das ist das, was ich die ganze Zeit den Leuten erzähle. Endlich macht’s jemand mal als ein richtiges System.“.

Wo ist denn Contentful in fünf Jahren?

Was wir sehen ist, dass es momentan unserer Meinung nach überhaupt kein großes cloudbasiertes System gibt. Unser Ziel ist es dieses große cloudbasierte Content-Management-System zu sein, wo man sich nicht so viele Gedanken machen musst, wie funktioniert das ganze denn. Sondern du meldest dich eben bei uns an und kannst die Inhalte verwalten. Das ganze aber mit vielen Partnerschaften und Integrationen.

Die Ideen gehen auch in die Richtung, dass das System überprüft, ob die Inhalte auch wirklich zum Unternehmen passen, also zum Beispiel in Bezug auf Stil und Ton.

Wir machen gerade auch solche Sachen wie z.B. Bewertung der Inhalte oder auch Übersetzung von Inhalten. Eine Agentur kann Inhalte per API abfragen, übersetzen und wieder zurückgeben. Und wenn sich was im Contentful ändert, werden die Teile wieder zur Agentur geschickt und übersetzt und gehen wieder zurück.

Wann startet ihr denn die Kooperation mit Commerce-Tools?

Sagen wir mal so: Wir sind im Gespräch. Cool wäre, man nimmt Contentful beispielsweise für die Inhalte und Commerce-Tools für den eigentlichen E-Commerce-Teil. Man muss ja nicht solche monströsen „All-In-One“-Systeme haben, die alles und nichts können.

Bildnachweis:
Udo Butschinek, Public Domain, ID-FC

Der Content ist das Produkt

Den Ausspruch „Das Produkt ist der Content“ machte einmal Sascha Stoltenow in einer Google+ Diskussion.

Das fand ich ganz interessant, habe das aber zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz richtig verstanden. Bis ich dann kürzlich in Eric Ries‘ Buch „The Lean Startup“ auf die folgende Zeile stieß:

I prefer to use the broadest definition of product, one that encompasses any source of value for the people who become customers. Anything those customers experience from their interaction with a company should be considered part of that company’s product.

Eric Ries, The Lean Startup, Hervorhebungen im Original

Content Strategy ist ja nicht umsonst ein Teil der User Experience, bzw. der Customer Experience, wie man streng genommen sagen muss.

Wenn ein Kunde oder Interessent mit einem Unternehmen interagiert, so geschieht dies im Wesentlichen (80%?, 90%?) über Content. Und was, wenn nicht (zumindest guter) Content, ist eine Quelle von Wert („source of value“)?

Was der Eric Ries hier sagt ist, dass Content nicht irgendetwas ist, was etwas über das Produkt aussagt, sondern, dass es integraler Bestandteil des Produkts ist. Er ist das Produkt!

Wenn man das so betrachtet, sollte dann nicht die gleiche Aufmerksamkeit und Sorgfalt in den Content wie in die Produktentwicklung fließen?

Product Information Management? Quatsch! Content Management!

Product Information ManagementHouston! Wir haben ein Problem!

In der Welt des E-Commerce gibt es seit einiger Zeit einen Trend: Product Information Management, kurz: PIM.

Laut Wikipedia versteht man darunter:

die Bereitstellung von Produktinformationen für den Einsatz in verschiedenen Ausgabemedien beziehungsweise Vertriebskanälen sowie für unterschiedliche Standorte. Voraussetzung dafür ist die medienneutrale Verwaltung, Pflege und Modifikation der Produktinformationen in einem zentralen System, um jeden Kanal ohne großen Ressourcenaufwand mit konsistenten akkuraten Informationen beliefern zu können.

„The World has moved on“ sagt der Gunslinger in Stephen Kings „Dark Tower“. Und tatsächlich hat die Digitalisierung und die rasante Zunahme von Ausgabemedien und Formaten zu echten Problemen innerhalb der Unternehmen geführt.

Tool-Silos

Unternehmen leiden unter einem Problem, das ich als „Tool-Silofizierung“ bezeichnen möchte.

Verschiedene Inhalte, die ein Unternehmen zu verschiedenen Zwecken produziert, werden in verschiedene Tools regelrecht einbetoniert: Broschüren in Indesign. Mailings in Word oder dem CRM. Produktinformationen im Shopsystem und/oder der Wawi. Pressemitteilungen in Word. Webinhalte im Web Publishing Tool usw.

Von dort sind sie so gut wie gar nicht mehr herauszulösen.

Content Management statt Product Information Management

Produktdaten werden in aller Regel in der Warenwirtschaft – so vorhanden – vorgehalten. Mit diesem muss ein Onlineshop dann synchronisiert werden. Es werden also Inhalte hin- und hergeschoben. Allein, dass permanent irgendwelche Schnittstellen zum 100.000sten Male geschrieben werden müssen, sollte zu denken geben.

Was aber, wenn die gleichen Informationen nicht nur in der Wawi und dem Shop, sondern auch in einem Printkatalog gebraucht werden?

Um Produktinformationen möglichst medienneutral verwalten zu können, ersann man in jüngster Zeit eben Product Information Management. Man merkt also schon, dass man ein Problem hat und versucht das Problem mit einem weiteren System zu lösen.

PIM gesellt sich dann noch zu anderen „Management“-Systemen, nämlich:

  • PDM = Produktdatenmanagement
  • DMS = Dokumentenmanagementsystem
  • CMS = Content Management System (meistens sind damit Web-Publishing Tools gemeint)

Schaut man sich diese verschiedenen Spezialmanagementsysteme an und reduziert die Problematik auf den kleinsten möglichen Nenner, so erkennt man, dass es sich dabei grundsätzlich um die Verwaltung von Content in unterschiedlichen Anwendungskontexten handelt.

Zugespitzt ausgedrückt verwaltet Dokumentenmanagement einbetonierten Content.

Die Lösung mittels Product Information Management bezieht sich also nur auf die Lösung eines speziellen Teilproblems. Und es hat eigentlich gar nichts mit den Produkten, sondern mit Content im Allgemeinen zu tun.

Medienneutralität durch Contentmodellierung

Das Konzept der medienneutralen und zentralen Verwaltung von Informationen bzw. von Content ist etwas, das sich nicht nur für Produktinformationen anwenden lässt, sondern für jede Form von Content.

Reden wir also doch lieber von Content Management. Denn dann kann man sich ein Product Information Management schlichtweg sparen.

Dazu ist es erforderlich, dass man vorhandenen Content entsprechend strukturiert, also ein Contentmodell entwickelt.

Ein Contentmodell ist eine Menge von Contenttypen, wobei ein Contenttyp die Beschreibung der Struktur eines spezifischen Content ist.

Wem das jetzt zu abstrakt ist, dem sei mit einem Beispiel geholfen: Die Struktur eines Produktcontent könnte sein: Langbeschreibung, Kurzbeschreibung, Bild. Das wäre ein Contenttyp „Produkt“.

Mit anderen Worten: Ein Product Information Management ist also ein spezielles Contentmodell mit einer Menge spezieller Contenttypen.

Mit einem etwas allgemeineren Lösungsansatz ließen sich beliebige Contentmodelle erstellen und somit unternehmensweit Content verwalten, der x-beliebig darstellbar ist.

Ein System wie Contentful ist das ideale Product Information Management System und geht dabei noch weit darüber hinaus, weil es wesentlich flexibler und allgemeiner ist.

Es geht nämlich in Wirklichkeit um Content Management. Das ist umso wichtiger, als wir jetzt noch gar nicht absehen können, welche Ausgabekanäle und -geräte es in Zukunft noch geben wird.

Bildnachweis:
flickr.com, Photo by gorgeoux, Creative Commons: BY-NC-SA – no changes made.

Chayns®: Von 0 auf App für Umme #chayns

ChaynsWährend des Developer Days beim Shopware Community Day kam ich an einem Standplakat vorbei. Darauf war viel Text, ein Produktname und die Symbole der vier Mobilplattformen. Ich machte davon ein Foto in der Absicht, später im Netz einmal nachzuschauen, was es damit auf sich hat.

Während ich das Foto machte, trat ein Mann auf mich zu und fragte mich, ob er mir dazu etwas erklären dürfte. Ich sprach also direkt mit einem Mitarbeiter von Tobit Software, dem es beim naturgemäß etwas dünner besuchten Entwicklertag gut in den Kram passte, einen Gesprächspartner zu haben. Mir passte das auch ganz gut.
Und was ich dann präsentiert bekam, versetzte mich in Erstaunen.

Tobit Software ist ja eigentlich eher bekannt für seine Faxsoftware. Jedenfalls ist das in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis so. Einer fragte sogar, ob es die noch gibt. Und ob! Und wie!

Tobit Software macht nämlich mittlerweile in App-Entwicklung. Und eines der Produkte bietet die Möglichkeit, die Inhalte von Facebook-Accounts direkt per Push in eine von Tobit gelieferte App zu spielen. Für alle Plattformen. Dieses Produkt heisst Chayns®. Man geht ganz einfach auf die Webseite von Chayns®, trägt seine Daten ein und app geht’s.

Von nun an kommuniziert man mit seinen Kunden über die App. Ein lästiges Einloggen in Facebook auf Empfängerseite entfällt und Facebook-Posts werden einfach mobil empfangen.

Es braucht einen Augenblick bis man verstanden hat, was Tobit einem da kostenfrei zur Verfügung stellt. Spätestens aber, wenn man erfährt, welche zusätzlichen Anwendungen mit diese App noch möglich sind, begreift man es – dann ist es natürlich kostenpflichtig, von irgendwas muss Tobit ja auch leben.

So können Restaurants eine Tischplatzreservierungsfunktion in die App integrieren. Und man kann über die App Bestellungen aufgeben und direkt bezahlen. Damit wird ein Problem gelöst, das jeder schon hatte: Man geht in der Mittagspause essen und hat nur begrenzt Zeit. Nachdem man gegessen hat, möchte man zahlen und gehen, aber weit und breit ist keine Bedienung in Sicht. Die Zeit verrinnt … Das Problem wäre jetzt – und sehr elegant – gelöst.

Die Zahl der Firmen, die Chayns® bereits einsetzen ist beeindruckend groß. Darunter sind auch eine ganze Reihe großer Marken (die wissen Bescheid: Stets sieht der Anwender das Markensymbol auf seinem iPhone / iPad. Das nennen ich Branding!).

Nicht ganz so groß, aber sehr erfolgreich mit Chayns® – zumindest wenn man dem Prospekt von Tobit Glauben schenken darf – ist die Erlebniskeipe BamBoo! in Ahaus:

Basis und Schwerpunkt der gesamten Information und Gästebindung ist Facebook. 3.800 „Gefällt mir“-Angaben und 10.048 Gäste, die das BamBoo! bereits besucht haben, sprechen eine deutliche Sprache. […] Mit seiner eigenen Smartphone App ist das BamBoo! in allen populären App Stores vertreten. Und einige Tausend Gäste nutzen diese App bereits auf ihren Smartphones.

Informationen von Tobit Software

Anbindungen an andere Systeme sind nicht geplant, man beschränkt sich auf „das am häufigsten genutzte CMS“ (öhöm … CMS ist was anderes).

Für mich ist Chayns® eine echte Entdeckung und ich habe das auch schon Kunden empfohlen. Warum sollte man nicht für umsonst eine Mobile App haben wollen, wenn man ohnehin auf Facebook unterwegs ist?

Bin gespannt, welche Funktionen Chayns® noch zukünftig implementieren wird.

Eine Warnung noch: Wer jetzt ein Facebook-Konto eröffnet, damit er eine App hat, macht vielleicht einen Fehler. Denn ohne geplante Inhalte – sprich zumindest Ansätzen einer Content Strategie – ist der Facebook-Account und damit die schöne App schon tot, bevor es losging.

Bildnachweis:
Foto von Udo Butschinek, Public Domain, ID-FC

Ein Diaprojektor ist abhörsicher – Mitteldeutscher Webkongress 2014 #mdwk14

Mitteldeutscher WebkonkgressMitteldeutscher Webkongress – man möge mir diesen miesen Start eines Berichts über den Mitteldeutschen Webkongress 2014 verzeihen, aber mir war es nicht möglich das Fokuskeyword auf andere Weise wenigstens einmal in diesem Text unterzubringen.

Aufmerksam wurde ich auf den – zum zweiten Mal – in Leipzig statt findenden Kongress eher zufällig. Der Geschäftsführer der Leipzig School of Media – Michael Geffken – sprach mich an, ob ich nicht Lust hätte mit ihm zusammen eine Sitzung im Rahmen des Kongresses zum Thema „Digital Storytelling – Die richtige Story für ihr Content Marketing“ durchzuführen. Das gefiel mir gut und so sagte ich zu. Wie man am obigen Foto erkennen kann, war der Seminarraum prall gefüllt. Einige der Teilnehmer waren so gewitzt, die auf dem Flur befindlichen Bänke mit in den Seminarraum zu tragen, um dort Platz zu nehmen.

Der Mitteldeutscher Webkongress (Ha! Grammatisch daneben, aber Google wird es lieben) fand auf dem Gelände der Leipzig School of Media statt und wurde organisiert vom BVMW und Markov & Markov. Das Programm war prall gefüllt mit interessanten Vorträgen und startete mit einer hochspannenden Diskussion „Wie viel Web brauchen wir wirklich?“ durch. Leider kam ich erst später dazu und bekam nur noch die letzten 15-20 Minuten mit. Es ging unter anderem um die Frage der Gefahren einer zunehmenden Automatisierung von Prozessen und Arbeitsabläufen.

Ich selbst nahm – wer hätte das gedacht? – an der Session „Content is king“ teil, in der es um Content Curation ging und in der Alexander Ondruschka ein selbst entwickeltes Tool für Content Curation vorstellte.

Ich begab mich anschließend in die Session von Thomas Lange von PLUSPOL interactive. Hier ging es um die „5 größten Fehler beim Briefing von Webprojekten“. Sehr amüsant und sympathisch vorgetragen. Man kann nur hoffen, dass auch einige zukünftige Kunden dort saßen und Thomas Lange einen Beitrag dazu leisten konnte, dass wir in Zukunft alle bessere Briefings erhalten. Thomas Lange hatte auch einen Tipp und zwar den „Briefing Leitfaden für KMUs“ (sic! Das „s“ findet sich im Titel: Unternehmens).

Anschließend ging es für mich zu „Datenschutzrechtliche Risiken lauern überall“. Rechtsthemen sind ja immer beliebt und leider auch notwendig. Der Vortrag wurde von Dr. Heralt Hug und Dr. Adina Kessler-Jensch gehalten. Wer hätte gedacht, dass man einem Kunden zum Geburtstag keine Karte schicken darf? Er könnte dafür Schadenersatz verlangen. Ja, richtig: Schadenersatz. Zum Glück ist die Situation im B2B entspannter, als im B2C. Aber ich frage mich manchmal, wem dieser ganze Paragraphen-Dschungel eigentlich nutzt und wer da überhaupt noch den kompletten Durchblick hat …

Jedenfalls war der Kongress perfekt organisiert und extrem kurzweilig. Nicht zuletzt aufgrund sehr spaßiger Sonderreferenten wie Hans Zippert, aus dessen Vortrag die Aussage „Ein Diaprojektor ist abhörsicher“ stammt.

Beim nächsten Mal bin ich wieder gerne mit dabei.

Bildnachweis: Udo Butschinek, Public Domain, ID-FC

Mitteldeutscher Webkongress – Bildergalerie

Der oder die Dings hat dich lieb

Was Design angeht, halte ich es eher ein wenig puristischer. Möbel oder auch Geschirr müssen Formschön und doch robust sein. Also eher Bauhaus statt Wurzelkunst.

Unter gar keinen Umständen würde es mir einfallen eine Tasse mit einem Gesicht darauf zu kaufen oder auch nur daran zu denken.

Oder?

Wie schafft man es, ein Produkt, für das sich bestimmte Menschen – so wie ich – normalerweise gar nicht interessieren, so emotional aufzuladen, dass man ernsthaft darüber beginnt nachzudenken es zu kaufen? Dass man aber auf jeden Fall bereit ist – wenn auch indirekt – das Produkt und die Webseite des Herstellers weiter zu empfehlen?

Die Kurzantwort lautet: Storytelling (dazu demnächst noch ein wenig mehr – ich bin da auf eine sehr spannende Quelle gestoßen).

Wie das konkret aussehen kann, zeigt „58 Products„. Für seine „Tassen“-Produkte (tatsächlich sind es Tassen, Eierbecher und Kannen) hat das Unternehmen Videos produziert in denen diese Produkt als computeranimierte Protagonisten auftreten und sich auf Schwäbisch – oder ist es eher ein Frankfurter Hessisch? – unterhalten – bzw. eher zoffen. Das Video entwickelt sich von einem kitschigen „Eine persönliche Nachricht – nur für dich“  zu einem gebrüllten: „Ich soll dir von der oder dem Dings sagen, dass …“. Aber sehen Sie selbst:

Meine Tochter – 4 3/4 Jahre alt – kann sich an diesem Video überhaupt nicht satt sehen. Seit gut einer Woche muss ich ihr das einmal am Tag vorspielen und dann mehrere Male hintereinander. Kein Wunder, dass das Video auf Youtube schon 366.000 Klicks hat und das innerhalb von knapp 4 Monaten.

Dabei ist die Story hinter der Story noch spannender. Denn die Computeranimation ist kein digitalgewordenes Produkt, sondern eine fleischgewordene Computeranimation. Seit 1998 produziert FIFTYEIGHT ANIMATION Computeranimationen, wobei man von Anfang an immer die Idee hatte, diese Produkte dereinst in die Realität zu holen.

Das Video wird mit mehrfachem Anschauen immer witziger und die Figuren einem immer sympathischer. Man könnte (sollte) daraus  eine Serie machen.

Unter dem Reiter „Story“ findet man auf der Webeite von 58Products noch eine ganze Reihe weiterer „Stories“. Bspw. wie eine Computeranimation entsteht, dass die Tassen „Made in Germany“ sind und wie sie hergestellt werden.

Ich bin sicher, dass 58Products keine Kunden, sondern Fans hat. Und das sollte das Ziel aller Onlineshops sein.

Ich jedenfalls überlege mir nur noch eine Gelegenheit, zu der ich eine Tasse oder einen Eierbecher oder eine Kanne von 58Products verschenken kann. Meine Tochter würde sich garantiert sehr darüber freuen.

Danksagung: Ich danke Doris Eichmeier für den 58Products-Tipp.

Content und Commerce Digest Mai 2014

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