Monthly Archives: April 2014

E-Commerce Startups brauchen ein Geschäftskonzept

E-Commerce StartupsWenn Sie in etwa so ticken wie ich, dann werden Sie jetzt denken: „Na klar! Spinnt der Typ?“.

Doch wie ich mich kürzlich belehren ließ, gibt es eine Strömung innerhalb der E-Commerce-Berater Szene (oder wie man das auch immer nennen mag), die das komplett anders sieht. Die glauben nämlich, dass E-Commerce anderen Regeln unterliegt, als „normales“ Business. Dass man sich durch und mit Big Data, SEO und vieles mehr keine Gedanken mehr über sein E-Commerce Geschäftsmodell machen muss.

Das ist tatsächlich so, als wenn jemand in der realen Welt behauptet, dass ein Unternehmen ausschließlich durch die Marketingtechnik „XYZ“ funktioniert und das Geschäftsmodell dabei völlig egal ist.

Ehe ich mich versah befand ich mich vor ein paar Tagen auf kassenzone.de in einer kleineren Diskussion zum Thema E-Commerce und Geschäftskonzepte. Anlass war ein Beitrag mit dem Titel: „Florian Heinemann: ‚Wer mit seinem Sortiment 1:1 gegen Zalando & Co. konkurriert, hat keine Chance‚“. Hier wurde die Einsicht verkündet, dass es eben doch ein Geschäftskonzept braucht, da man ansonsten gegen Riesen wie Amazon oder Zalando konkurriert.

Das wiederum fand ich extrem überraschend, primär, da ich mich in einem Mindset befinde, in dem für Geschäftsmodelle ohne USP, konkreten Nutzen etc. gar kein Platz herrscht.

Wie findet man zu einem brauchbaren Geschäftskonzept, das – wie Alexander Graf es ausdrückt –  „stabil positioniert“ ist? Ein paar Hinweise dazu finden sich in meinen Kommentaren auf kassenzone.de.

Allen E-Commerce Startups (nicht nur, aber diesen besonders) möchte ich dringend die Lektüre des „Personal MBA“ empfehlen. In Bezug auf funktionierende Geschäftsmodelle findet sich dort folgendes:

Roughly defined, a business is a repeatable process that:

  1. Creates and delivers something of value…
  2. That other people want or need…
  3. At a price they’re willing to pay…
  4. In a way that satisfies the customer’s needs and expectations…
  5. So that the business brings in enough profit to make it worthwhile for the owners to continue operation.

Take away any one of these five parts, and it’s not a business.
When planning a new business or analyzing an existing venture, always begin with the five parts – they will help you discover any major issues or gaps quickly.

So einfach ist das. Ersetzen Sie das Wort „business“ durch „e-shop“.

Und: das gilt für jedes Business. Auch für E-Commerce. Im Zentrum steht ausschließlich der Kunde bzw. der potenzielle Kunde und dessen Bedürfnisse.

Wie man entsprechende Nischen findet? Das wiederum ist ein eigenes Thema. Prinzipiell aber ist die Zahl der Nischen unendlich.

P. S.: „Konkurrenz“ ist stets negativ konnotiert. Dabei ist Konkurrenz an sich ja nichts Schlimmes. Das Wort stammt vom lateinischen „concurrere“ und bedeutet „miteinander laufen“. Wo wäre die Computerwelt ohne die „Konkurrenz“ von Microsoft und Apple? Ich würde behaupten, dass davon beide profitiert haben. Und die Nutzer ebenso. Wie kann man also „mit“ Amazon laufen?

Bildnachweis:
flickr.com, Christoph Ludewig, Creative Commons: BY – no changes made

„The Personal MBA“ is a trademark of Worldly Wisdom Ventures LLC

Die Mär von der kurzen Aufmerksamkeitsspanne

Die Aufmerksamkeitsspanne ist kurz. Jetzt habe ich Sie schon verloren. Na denn: Tschüss.

Scherz bei Seite. Immer wieder stoße ich auf die Aussage, dass die Aufmerksamkeitsspanne – bedingt durch das (natürlich böse) Internet – immer geringer wird. Zuletzt habe ich das auf entrepreneur.com gelesen.

Ich weiß ja nicht wann Sie das letzte Mal einen Roman oder ein längeres Sachbuch gelesen haben. Bei mir kommt das permanent vor und noch immer habe ich es geschafft 300, 600 oder auch 1000 Seiten zu lesen (und davon auch eine ganze Menge zu behalten – ok, eine Ausnahme: Günther Grass habe ich auch nach drei Anläufen angeödet um Seite 70 herum wieder weggelegt.).

Nun könnte man entgegen halten, dass es sich beim Lesen von Büchern um etwas anderes handelt, als online Artikel zu lesen. Aber auch Artikel die ich online lese, können gerne ellenlang sein, solange dort ausreichend spannende, wichtige, interessante oder was auch immer Informationen vorhanden sind. Ein Blog, das hochinformativ ist und ewig lange Artikel hat, ist etwa das des amerikanischen Starautors Gary Taubes. Die Artikel sind ewig lang und ich lese sie von Anfang bis Ende. Und das ist nur ein x-beliebiges Beispiel.

Natürlich gehört es zu einem Artikel, dass er  strukturiert ist, um mir vorab das Scannen zu erleichtern, so dass ich herausfinden kann, ob der Artikel die Information enthält, die ich suche.

Der von mir sehr verehrte Autor Stephen King schreibt in dem sehr lesenswerten Buch „On Writing“:

You can tell without even reading if the book you’ve chosen is apt to be easy or hard, right? Easy books contain lots of short paragraphs – including dialogue paragraphs which may only be a word or two long – and lots of white space. They’re as airy as Dairy Queen ice cream cones. Hard books, full of ideas, narration, or description have a stouter look. A packed look. Paragraphs are almost as important for how they look as for what they say; they are maps of intent.

Man könnte mit dieser Layoutmethode also auch ein komplexes Thema „leicht“ wirken lassen.

Entgegen dem, was Speerspitzen des Kulturpessimismus wie etwa Manfred Spitzer sagen, glaube ich nicht, dass die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. Wir also alle immer dümmer werden.

Eher glaube ich, dass wir darauf geprägt sind online uninteressante und schlecht geschriebenen Content vorzufinden, während gleichzeitig die Zahl der Artikel immer größer wird. Wir sind also gezwungen Artikel schnell nach verwertbaren Informationen zu scannen.

Aber mal ehrlich: Jeder erfahrene Leser macht das so und hat das schon immer so gemacht: Titel lesen, Inhaltsverzeichnis durchblättern, Literaturverzeichnis durchblättern, Index anschauen und wenn man dann noch Lust hat: querlesen. Ob on- oder offline ist dabei vollkommen unerheblich.

Der Tipp ist also: Nicht zwingend kurz, sondern wohlstrukturiert muss der Content sein.

10 Definitionen von Content Strategie

Definitionen von Content StrategieIch bleibe dabei: Die für mich beste Definition von „Content Strategy“ hat Kristina Halvorson geliefert:

Content strategy plans for the creation, publication, and governance of useful, usable content.

In dieser Definition steckt nämlich viel mehr drin, als es auf den ersten Blick den Anschein hat (siehe „Die Sezierung einer Definition„).

Über einen Post auf Google+ stieß ich kürzlich auf einen Beitrag auf bussolati.com in dem 10 Definitionen von Content Strategie gelistet wurden.

Nun sollte einem bei dem Gedanken, dass es 10 Definitionen von Content Strategie gibt, ganz schummerig werden. Man stelle sich vor in der Medizin gäbe es 10 verschiedene Definitionen von „Krankheit“.

Wenn es zu einer Sache mehrere Definitionen gibt, dann ist dies in der Regel ein Zeichen dafür, dass eine Disziplin noch im Entstehen ist. Dies ist im Fall der Content Strategie sicherlich der Fall.

Nimmt man sich die gelisteten Definitionen vor und streicht jene heraus, die im Grunde keine echten Definitionen sind und streicht die verbleibenden Definitionen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen, so bleibt meines Erachtens nur noch Halvorson über.

Warum die folgende Definition immer wieder gerne als Definition herangeführt wird, ist mir schleierhaft:

Content strategy is to copywriting as information architecture is to design.

Rachel Lovinger

Ich frage mich immer: Was soll das? Wenn meine 4 Jahre alte Tochter mich fragt: „Papa, was ist eine Lokomotive?“ und ich ihr erkläre: „Lokomotive verhält sich zu Schiene wie Auto zu Straße“, dann habe ich ihr doch nicht wirklich weiter geholfen, oder? Weiß meine Tochter dann, was eine Lokomotive ist? Ich habe Zweifel…

Am besten gehen Sie einmal durch die Definitionen durch und machen sich Ihre eigenen Gedanken. Viel Spaß dabei!

Bildnachweis:
flickr.com, John White, Creative Commons: BY-NC 2.0 – No changes made

 

Adaptive Content: Ein Beispiel

Adaptive Content: Wenn Sie sich ernsthaft für „responsive Webdesign“ interessieren, dann sollten Sie sich beizeiten besser damit auseinandersetzen.

Adaptive Content bedeutet, dass Inhalte einmal erstellt und in verschiedensten Kontexten verwendet werden. Also nicht für jedes Ausgabegerät einen Text schreiben – Karen McGrane nennt das „forken“, denn dann müssten Sie den gleichen Text für jedes weitere in Zukunft dazu kommende Ausgabegerät noch einmal verfassen.

Um Ihren Content so zu erstellen und zu verwalten, dass er in jedem Nutzerkontext passt, braucht es ein Zauberwort: Struktur. Strukturelle Content-Elemente können für beliebige Ausgabekontexte zusammengesetzt werden, ohne dass der Informationsgehalt leidet oder der Text unlesbar ist. Was ist damit gemeint?

In einem ganz einfachen Fall stellen wir uns die Struktur eines Contentelements wie folgt vor:

Überschrift (bis zu 60 Zeichen)

Teaser (max. 100 Zeichen)

Zusammenfassung (max. 350 Zeichen)

Haupttext (300 – 500 Wörter)

Kurzer Haupttext: 150 – 200 Wörter

Nun können Sie anhand dieser Struktur definieren, welche Strukturelemente in welchem Ausgabekontext ausgegeben werden sollen. Zum Beispiel:

Überschrift: immer

Teaser: iPhone und ähnliche Geräte

Zusammenfassung: Desktop, iPad

Haupttext: Desptop, iPad

Kurzer Haupttext: iPhone und ähnliche Geräte

Um zu einer Struktur zu gelangen, kann man sich bspw. einer Technik bedienen, die man in der Informatik als „Dokumentenanalyse“ bezeichnet. Informatiker wenden diese normalerweise an, um normalisierte Datenbankstrukturen aufzubauen oder Klassen zu definieren. So kann man aus einer Rechnung verschiedene Elemente extrahieren wie Rechnungsnummer, Datum, Preise, Produkte. Eine Rechnung besteht also aus verschiedenen Elementen. Man kann diese auch als Strukturelemente verwenden und so „adaptive  content“ erzeugen.

Ein konkretes Beispiel: auf der Webseite von lindt.de finden sich Rezepte. Hier ein Screenshot eines Rezepts mit anschließender Strukturanalyse:

adaptive content - strukturanalyse

Strukturelemente sind: Titel, Bild (1 Bild oder mehrere), Bildunterschrift, Zutaten, Portionen, Zubereitungszeit, Schwierigkeitsgrad (Skala von 1-5), Anleitung (bestehend aus einem oder mehreren Schritten).

Nun kann man diese Strukturelemente dem Ausgabegerät entsprechend ausgeben und natürlich auch anordnen. Für ein gedrucktes Kochbuch kann man alle Elemente verwenden und entsprechend gestalten. Gleiches gilt für die Desktop-Webseite. In einer „mobile App“ könnte man auf der Startseite etwa ein Bild des Endprodukts abbilden und auf zwei separaten Screens die Zutaten und die Anleitung. Für ein E-Book wiederum verzichtet man auf die Bilder (das ist bei E-Book stets problematisch) und verwendet „nur“ die Zutaten und die Zubereitung, da das Layout in einem E-Book nicht zu kontrollieren ist.

Zusammengefasst: für „Adaptive Content“ muss Content strukturiert und mit Metadaten versehen werden. Dann braucht es „nur“ noch Regeln, welche Elemente in welchem Kontext angezeigt werden. Dieses Verfahren lässt sich auch auf deutlich komplexere Situationen anwenden. Das Motto lautet: „Write once, use everywhere“.

Bildnachweis:
Screenshot von http://www.lindt.de/swf/ger/lindt-fanclub/rezepte/holunderblueten-eislutscher/ am 07.04.2014

P.S.: Nehmen Sie sich Zeit und schauen Sie sich unbedingt dieses Video an: „Adapting ourselves to adaptive content“

Karen McGrane: Adapting Ourselves to Adaptive Content – An Event Apart from Jeffrey Zeldman on Vimeo.

Content-Commerce Digest März 2014

  • Hootsuite gibt 5 Content Marketing Tipps
  • t3n stellt 25 Mailtypen für den perfekten Kundenkontakt zusammen. Ich persönlich finde solche Auflistungen immer ganz hilfreich, weil man stets 1-2 Varianten entdeckt die man selbst nicht oder langer nicht mehr angewendet hat.
  • Die Agentur Textprovider macht im Mai einen „Content Summit„. Ich habe mich angemeldet, aber noch nicht vernommen, ob ich kommen darf, denn die Tickets sind auf maximal 100 begrenzt. In einem Block geht es auch um „Content-Driven E-Commerce“. Na, wenn das mal nicht mein Thema ist!
  • Ein schön emotionaler Artikel auf „Convince and Convert“ über den Mut den es für Content Marketing braucht.“It takes courage to give away something of value without expectation of immediate return“
  • Bonobos: Ein positives E-Commerce Beispiel (hat nichts mit den kopulierenden Äffchen zu tun 😉 ) Gefunden auf dynamicwebsolutions.com
  • 10 Taktiken die Kundendauer- und -loyalität zu erhöhen

Hier ein kleiner Einschub zum Thema „Studien“. Selbst in den harten Wissenschaften gibt es da viel Material zum lachen. Aber gerade in den „Soft Sciences“ gibt es immer wieder Grund zu schmunzeln: Vergleichen Sie mal die Aussagen der beiden folgenden Grafiken. Fällt Ihnen was auf?

Nach dieser Grafik ist in Europa und Nordamerika für 54% bzw. 61% der Preis beim Onlineshop entscheidend.

Unter dem Titel „Shoppers Look for Quality – Not Deals“ will eine Studie der „Fuqua School of Business“ der Duke University etwas anderes herausgefunden haben:

Hmmm … What are we to make of it?

Bildnachweis:
1. Grafik (c) The Nielsen Company, eingebunden von Kissmetrics.
2. Grafik (c) emarketer.com

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