Monthly Archives: Juni 2013

E-Commerce Content Strategy #cosca13 Letzter Teil

In den vorhergehenden Teilen der Serie habe ich über den Zustand der Content Strategy in Deutschland geschrieben sowie den standardmäßigen Ablauf bei E-Commerce Projekten und wie dabei mit Content verfahren wird. Ich habe dann skizziert, wie und warum man E-Commerce Projekte vom Content her entwickelt. Heute geht es darum ein Bild davon zu zeichnen, wie der Onlineshop der Zukunft aussieht.

Der Onlineshop der Zukunft

Bevor ich mich der Vision zuwende, wie die zukünftigen Onlineshops aussehen werden, nochmal kurz ein Blick auf den Onlineshop von heute: Onlineshops sehen so aus, dass es Kategorien gibt ggf. mit Unterkategorien, dazu eine Produktauflistung, eine Detailansicht, einen Warenkorb und eine Bestellstrecke. Diese Grundstruktur ist im Grunde genommen allen Onlineshops gemeinsam.

Da das Thema „Content und Commerce“ in Zukunft immer wichtiger werden wird, werden sich Onlineshops transformieren und zwar so, dass diese zu einer Art Informationsplattform werden, die einer Zielgruppe durch Content einen sehr hohen Nutzen bietet. Wo es Spaß macht immer wieder vorbeizuschauen. Dabei wird sich die oben skizzierte Grundstruktur der Onlineshopsysteme auflösen. Wie das aussehen kann, möchte ich an zwei Beispielen zeigen, nämlich einmal an einem virtuellen und einmal an einem realen Beispiel.

Ein virtuelles Beispiel

Vielleicht kennen Sie chefkoch.de. Hier kann ich mir alle möglichen Rezepte aussuchen, merken, kann schauen wie andere damit klar kamen, wie die das bewertet haben und vieles mehr. Mittlerweile bietet Chefkoch auch anderen Content, wie etwa Videos, in denen gezeigt wird, wie man eine Gans à la Fräulein Jensen macht oder rheinischen Grünkohl.

Ich mache es immer so, dass ich mir am Wochenende überlege, was ich die kommende Woche alles essen möchte. Ich mache dazu einen Menüplan. Da ich selber koche – manche sagen auch gar nicht so schlecht – suche ich mir Rezepte u.a. bei Chefkoch raus. Jetzt nehmen wir mal an, ich könnte mir einen solchen Menüplan mit den Rezepten von Chefkoch zusammenstellen. Und dann kann ich diese Rezepte bestellen in dem Sinne, dass mir die Zutaten zu jedem Rezept am nächsten (oder besser: Am gleichen) Tag nach Hause geliefert werden. Das wäre für mich Content-Driven E-Commerce in Reinkultur (bzw. Rheinkulur, wenn ich rheinischen Grünkohl mache).

Ein existierendes Beispiel

Ein anderes – aber existierendes – Beispiel ist bodybuilding.com

Onlineshop der Zukunft: Bodybuilding.com

Auf dieser Seite kann man sich als Bodybuildinginteressierte(r) alle möglichen Infos holen. Es gibt ein Forum, man kann sich individuelle Trainingspläne erstellen lassen. Wenn man eingeloggt ist, bekommt man den Content sogar auf seine Interessen entsprechend zugeschnitten.

Und so ganz nebenbei gibt es auch einen Shop, in dem man sich die entsprechenden Mittelchen kaufen kann. Dabei gibt es ganze Produktbundles, die nach Ziel und Alter zusammengefasst sind: Wenn man bspw. Fett abbauen möchte und 40+ ist, gibt es ein Bundle mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln, die man alle direkt in den Warenkorb legen und bestellen kann.

So sieht der E-Commerce der Zukunft aus.

Bildnachweis:
Screenshot von bodybuilding.com

E-Commerce Content Strategy #cosca13 Teil 4

Content Strategy CampHeute geht es um die Frage „Warum“ E-Commerce Projekte zukünftig „from the content out“ entwickelt werden müssen.

Es gibt eine Reihe von Umweltbedingungen, die es zwingend machen, dass man E-Shops vom Content her entwickelt:

  • Google-Panda und die Bedeutung von originärem Content.
  • Das Nutzerverhalten hat sich geändert. Vor einem Kauf wird viel online nach Informationen recherchiert. Hier geht es darum, mit entsprechenden Inhalten bereits in der „Awarenessphase“ im Sales-Funnel in Erscheinung zu treten und schon vor dem Kauf einen echten Nutzen zu bieten. Das ist auch als vertrauenbildende Maßnahme zu sehen.
  • Mobile Endgeräte. Die Zahl der Nutzer, die mobil einkaufen nimmt zu. Die Zahl der Endgeräte mit denen das passiert ebenfalls. Dies setzt gewisse Anforderungen an die Erzeugung und Verwaltung von Inhalten. Siehe dazu auch hier.
  • Die Zahl der Shops wird zunehmen. Hier kommt es dann darauf an, sich über seine Inhalte zu differenzieren. Wenn alle den gleichen Quark an Content bieten, ist eine Abgrenzung nicht mehr möglich.

Wie sich das anfühlt, wenn das gleiche – und ziemlich profane – Produkt auf unterschiedliche Weise über den Inhalt unterschiedlich dargestellt wird, können Sie erleben, wenn Sie sich das Beispiel in diesem Blogpost ansehen. Es geht dabei um Apfelmus. Der kürzere Text stammt von einem Contentlieferanten.

Darüber hinaus vermittelt Content ja nicht nur reine Information. Es geht ja auch um Emotion. Content muss mit der Zielgruppe in Resonanz treten. Also etwas bewirken. Man kann sich dabei ruhig bspw. des Modells der Limbic-Map von Häusel bedienen. Wenn es stimmt, was die Neurowissenschaftler sagen, dann sind 95% unserer Handlungen und Entscheidungen unbewusst und emotional. Die „Gründe“ die wir dann für unsere Entscheidungen nennen, sind nachträgliche Rationalisierungen. Das ist – nebenbei bemerkt – auch nicht sehr neu. Bereits in den frühen 70er Jahren hatte José Delgado Experimente mit Leuten gemacht, die einen hirnchirurgischen Eingreif hinter sich hatten. Denen versetzte er in bestimmten Bereichen des motorischen Cortex elektrische Stimulationen, die bspw. bewirkten, dass die Probanden den Kopf zur Seite drehten. Wenn sie gefragt wurden, warum sie den Kopf gedreht hatte, kamen Antworten wie „Ich habe gerade dort eine Bewegung wahrgenommen und wollte mal gucken, was das ist“ oder ähnliches.

Wenn es also stimmt, was die Neurowissenschaftler sagen, dann ist es – wie mein Kollege Markus Kämmerer in seinem Gastbeitrag in diesem Blog geschrieben hat – ganz schön mutig, wenn das klassische E-Commerce diese emotionale Komponente vollkommen außer acht lässt.

Es geht aber nur, wenn wir von Anfang an die Zielgruppe und den für sie relevanten Content im Blick haben. Wenn ich sage „Content“, dann meine ich auch immer „Content Strategy“, denn ohne geht es nicht.

Im letzten Post der Reihe wird es um die Vision des Onlineshops der Zukunft gehen. Dazu gibt es ein virtuelles und ein reales Beispiel.

Bildnachweis:Foto: Udo Butschinek, Public Domain

E-Commerce Content Strategy #cosca13 Teil 3

Content Strategy CampWie muss es denn jetzt richtig gehen? Wie müssen E-Commerce Projekte entwickelt werden? In einem Satz: „Develop from the content out!“.

Das „Wie“ hat Jesse James (der heißt wirklich so) Garret in seinem Klassiker „The Elements of User Experience“ bereits im Jahr 2000 im Prinzip schon dargelegt. Am Anfang stehen das Nutzerbedürfnis und die Ziele der Webseite bzw. des Onlineshops. Vor allem das Nutzerbedürfnis. Daran schließt sich eine Analyse der Contentanforderungen an. Man kann diese beiden Ebenen so zusammenfassen, dass man sagt: Zu Beginn entwickelt man eine Content Strategy für den Onlineshop. Denn dies beinhaltet auch eine Auseinandersetzung und Definition der Zielgruppe, woraus sich auch ergibt, welches die Nutzerbedürfnisse sind. Das können bestimmte Fragen oder Probleme sein aber auch Kontexte in denen sich die Nutzer bzw. Shopbesucher gerade befinden.

Wichtig ist, dass „Zielgruppe“ dabei psychographisch zu verstehen ist und nicht „demographisch„. Das berühmte Beispiel „Männlich, 60 Jahre, mehr als eine Million Euro Einkommen“ trifft sowohl auf Ozzy Osbourne, als auch auf Prince Charles zu. Noch unterschiedlicher können die Personen hinter dieser Definition gar nicht sein. „Menschen mit chronischen Rückenschmerzen“ dagegen definiert eine Klasse von Menschen mit einem gemeinsamen Problem.

Kennt man also die Zielgruppe, kennt man deren Bedürfnisse und kann daran anschließend eine Content Strategy und den nützlichen Content entwickeln.

Danach kommt im Modell von Garret die Informationsarchitektur. Daran schließt sich das Navigationsdesign an, denn die Inhalte sollen ja auch gefunden werden können. Man kann darüber diskutieren, ob in Zeiten von starken Suchmaschinen wie Apache Solr oder Elastic Search überhaupt noch ein Navigationsdesign bzw. eine Shopnavigation gebraucht wird. Aber das ist eine andere Thematik. Ich stelle mir manchmal einen Shop vor, der nur noch ein Textfeld hat. So wie Google. Und darüber erreicht man die Produkte.

Erst im letzten Schritt wird eine Oberfläche, ein Design entwickelt. Also ganz am Schluss erst wird schön gemacht. Garret sagt, dass man alle diese Ebenen sauber durchlaufen muss. Verfehlungen auf einer Ebene wirken sich auf alle anderen aus und verschlechtern die User Experience. Nebenbei bemerkt wird das Design von Onlineshops sowieso massiv überschätzt. Ich kann mich erinnern mal gelesen zu haben, dass vermeidentlich „hässliche“ Designs besser verkaufen als die Hipphoppi-Chico-Designs. Man weiß zwar nicht warum, weiß aber, dass es so ist.

So also muss das E-Commerce Projekt ablaufen.

Beim nächsten Mal geht es um das „Warum denn?“.

Bildnachweis:
Foto von Udo Butschinek, Public Domain (oder auch: ID-FC: I Don’t Fucking Care 😉 )

E-Commerce Content Strategy #cosca13 Teil 2

Content Strategy CampIm ersten Beitrag in dieser Serie gab ich einen kurzen Überblick über den Stand der Content Strategy in Deutschland und erzählte ein Fallbeispiel aus dem realen Agenturalltag, wie bei E-Commerce Projekten mit Content umgegangen wird. Heute geht es um zwei Scheinlösungen zum Thema Content und Commerce.

 

 

E-Commerce Content: Die Scheinlösungen

Contentlieferanten

Eine scheinbare Lösung ist es, bei einem Contentlieferanten entsprechende Inhalte einzukaufen. Für einen kleinen Fotoladen habe ich das in dieser Form schon erlebt. Da wurde dann eine CD geliefert mit XML-Dateien und Bildern, die dann in die Datenbank des Shops importiert werden. Das ist nicht nur aufwändig und fehleranfällig, sondern führt auch dazu, dass in zig Shops die gleichen Inhalte vorhanden sind. Da macht einkaufen richtig Spaß.

Was die Fehleranfälligkeit angeht, habe ich hier auch schon ein Beispiel unter „Kleine Content Katastrophen“ gepostet. Auf der Seite von Samsung stand in den Attributen für einen Tablet PC unter „Betriebssystem“: „Standardprogramm Baumwolle 40 Grad Celsius bei Teilbefüllung“. Auf der Originalseite ist dieser Fehler zwischenzeitlich behoben worden 😉

Solche Dinge wie die Excel-Liste oder der Notbehelf Content-Lieferant tritt häufig auf, wenn es sich um Anfänger im E-Commerce handelt oder aber wenn es sich um kleinere Unternehmen handelt oder E-Commerce so nebenbei betrieben wird und keiner richtig dafür brennt.

„Wieso, wir haben doch die Produktdaten importiert?“

Die Illusion, man hätte Content entsteht bei gestandenen Unternehmen, die bereits eine Warenwirtschaft haben und nun die Produktbeschreibungen, Bilder, Attribute, Kunden, Preislisten usw. in den Shop importieren. Hier wird sich ebenfalls über den Content keine Gedanken gemacht. Er wird als gegeben und „schon da“ vorausgesetzt, denn es gibt ihn ja in der Warenwirtschaft.

Dabei wird vergessen, dass Content auch vom Kontext abhängt. Was bisher für die Warenwirtschaft ausgereicht hat und für Kataloge ok war, kann ggf. im Kontext eines Onlineshops durchaus unpassend sein. Da vielleicht dieser Typ Mensch, der in den Onlineshop kommt anders gestrickt ist, als der Katalogbezieher. Da der Onlineshopbesucher Mobil unterwegs ist und die 1000 Wörter Produktbeschreibung auf dem iPhone etwas  zu lang ist.

Es wird sich also über den Content keine Gedanken gemacht oder dieser wird als gegeben vorausgesetzt.

Und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn Shopbetreiber bzw. angehende Shopbetreiber laut einer Umfrage 50% der Zeit in die Auswahl des Shopsystems stecken. Meine Vermutung ist, dass diese Vorgehensweise daher rührt, dass E-Commerce als etwas technisches und IT-lastiges wahrgenommen wird. Folglich obliegt es der IT-Abteilung das E-Commerce Projekt umzusetzen. Der IT-Leiter interessiert sich dann primär für den reibungslosen technischen Ablauf, denn Bestellungen sollen ja in die Warenwirtschaft gelangen und vieles mehr (etwa welche Bezahlsysteme kann der Shop einbinden).

Laut der gleichen Umfrage setzen sich Shopbetreiber 30% der Zeit mit der Zielgruppe auseinander. Das ist gut. Rechnet man die 50% und die 30% zusammen bleibt 20% für alles andere übrig. Nur ein Bruchteil davon bezieht sich auf Content.

Da der Content als gegeben oder irrelevant betrachtet wird, beginnen Shopprojekte bei der Auswahl des Shopsystems oder beim Layout. Dann wird zunächst ein super Design entwickelt, es werden Blindtexte reingeschrieben. Ist das Design umgesetzt und die ersten realen Inhalte füllen das Design, fliegt das Design in aller Regel auseinander und man hat alle Hände voll zu tun das wieder glatt zu ziehen. Früher dachte ich immer, dass das an der Unfähigkeit der Grafiker läge, sich die Dynamik des Contents vorzustellen. Heute weiß ich, dass es daran liegt, dass man am verkehrten Ende beginnt.

Aber wie muss es denn dann richtig gehen? Und vor allem: Warum?

Darum geht es dann beim nächsten Mal: So, stay tuned!

E-Commerce Content Strategy #cosca13 Teil 1

Content Strategy CampDie folgenden Ausführungen sind eine schriftliche Ausarbeitung meiner Session vom Content Strategy Camp 2013 in Dieburg. Da der Artikel recht lang ist, teile ich diesen auf mehrere Posts auf.

Gerade in der Onlinewelt hat man oft das Problem, dass man nicht weiß, ob ein bestimmtes Phänomen bzw. Thema gerade eine Modeerscheinung ist, oder ob es sich dabei um einen tiefergehenden Wandel handelt. Ich bin davon überzeugt, dass das Thema „Content“ und „Content Strategy“ etwas ist, was die Onlinewelt und womöglich auch ganze Unternehmen verändern wird.

In Bezug auf mein Thema „E-Commerce“ wird „Content Strategie“ (wie wollen wir es eigentlich schreiben?) zu einem Wandel im Ablauf bei der Entwicklung von Onlineshops führen und auch zur Veränderung des Erscheinungsbildes von Onlineshops.

Allerdings muss man dazu sagen, dass „Content Strategy“ in Deutschland noch überhaupt kein Thema ist. Das ist zum Einen daran zu erkennen, dass die US-amerikanische Literatur auf Deutsch noch gar nicht verfügbar ist. Des Weiteren ist auch die Zahl der Deutschen Blogs zum Thema noch durchaus überschaubar und stammt in Teilen auch aus dem akademischen Umfeld.

Vor ein paar Tagen habe ich mir den Spaß gemacht im Google Keyword Tool nach dem Begriff „Content Strategie“ zu suchen. Die Zahl der monatlichen lokalen Suchanfragen lag bei 320 („content strategy“ 3.600). Dagegen wurde der Begriff „Content Marketing“ lokal 18.100 mal pro Monat gesucht. Sucht man nach dem Begriff „Content Marketing Strategie“ ist die Zahl der monatlichen lokalen Suchanfragen bei 110.  Man kann das so lesen, dass zwar alle Content wollen, aber keiner eine Strategie. Wir stehen hier also – zumindest in Deutschland – noch ganz, ganz am Anfang. Auch wiederum zu erkennen daran, dass das Content Strategy Camp 2013 die erste Veranstaltung ihrer Art in Deutschland war.

Da ich aus der Web-Entwicklung komme und mich vor allem für die Entwicklung von E-Commerce-Systemen begeistere, interessiert mich natürlich die Frage, wie Content Strategy auf E-Commerce anwendbar ist. Die Kunden interessiert primär die Frage, wie sie mit Content Strategy mehr Umsatz generieren können. Und die interessiert, warum sie sich überhaupt Gedanken um den Content machen sollten.

Moment mal … was heißt denn hier „Warum sie sich überhaupt Gedanken um den Content machen sollten“? Ein Onlineshop ist doch im Prinzip eine Webseite mit speziellen Inhalten. Nämlich Inhalten zu Produkten eines Unternehmens, angereichert mit der Funktionalität eines Warenkorbs und der Möglichkeit zur Bestellung der Waren. Also muss sich ja schon einmal irgendwer Gedanken um die Inhalte gemacht haben. Oder?

Die Anwort lautet: Jain.

Zur Illustration hier ein reales Beispiel aus dem Agentur-Alltag:

Ein Kollege soll für eine andere Agentur einen Shop für deren Kunden umsetzen. Auf die Nachfrage nach den Inhalten, bekommt er eine Excel-Liste, bestehend aus zwei Spalten, jeweils versehen mit einem Produkttitel und einem 150px Bild. Wobei das Bild nicht einmal schön in die Spalte eingefasst ist, sondern irgendwie darüber geklatscht ist. Als der Kollege darauf verweist, dass das ja nun für einen Shop doch etwas dürftiges Material ist, ist die betreuende Projektmanagerin ganz aus dem Häuschen, denn dann müsse man das ja auch noch produzieren! Na sowas aber auch!

Hier hat sich also der Shopbetreiber in spe überhaupt keine Gedanken um seine Inhalte gemacht. Irgendwie wird die Agentur das schon richten und der Techniker die richtigen Bilder zaubern. Leider ist dem nicht so.

Das ist jetzt kein Einzelfall. Jede Agentur hat schon mindestens einmal den Spruch gesagt: „Der Kunde hat noch keine Inhalte geliefert“. Das hat spezielle Gründe, auf die ich in einem separaten Post nochmal eingehen werde. Es ist schon komisch: Häufig wissen die Shopbetreiber schon genau, welches Shopsystem sie verwenden möchten oder wie das Design aussehen muss, aber nicht, welche Inhalte rein kommen.

Der Content fällt hinten runter.

Beim nächsten Mal geht es um zwei Beispiele für die Illusion, dass man Content hätte.

Bildnachweis:
Foto: Udo Butschinek, Public Domain

Was ist eine Core Strategy #cosca13

Content Strategy for the WebHeute gibt es den versprochenen Post zum Thema „Core Strategy“. Das berühmte Bild von Kristina Halvorson muss ja nicht mehr großartig erklärt werden.

Wichtig ist hierbei die Frage, was denn die „Core Strategy“ ausmacht.

Auf dem Content Strategy Camp bemerkten Heinz Wittenbrink und ich, dass wir das Thema doch unterschiedlich verstanden hatten.

Ich paraphrasiere mein Verständnis der Core Strategy einmal so:

Eine Core Strategy ist eine Art visionärer Anker, eine Art Leuchttum, der unabhängig von aktuellen Situationen oder Taktiken als eine Art Filter fungiert, der vorgibt, welcher Content wie publiziert wird. Alles, was nicht in diesen Filter passt, bzw. nicht in die Richtung des Leuchturms führt, wird gnadenlos aussortiert.

Das hätte den riesigen Vorteil, dass, ist eine Content Strategie erst einmal entwickelt und implementiert, die Umsetzer dieser Strategie jederzeit das Richtige tun und sich dabei selbst kontrollieren können.

Im Detail schreibt Halvorson in „Content Strategy for the Web“ (meine Übersetzung):

Eine effektive Core Strategy ist

  • Flexibel: Sie widersteht sich verändernden Umweltbedingungen. Sie vereint unterschiedliche Taktiken und Teamzusammenstellungen.
  • Ehrgeizig: Die Organisation muss sich strecken, um das Ideal von sich selbst zu erreichen (es geht nicht um das, was machbar ist).
  • Einprägsam: Sie ist ein leicht zu verstehendes Konzept, das Entscheidungen und Handlungen leitet.
  • Motivierend: Sie ist lohnenswert und irgendwie aufregend – etwas von dem Leute Teil sein wollen.
  • Inklusiv: Sie lässt viel Raum für individuelle und Gruppenbeiträge.

Somit ist eine Core Strategy – entgegen dem Einwand eines Teilnehmers beim Content Strategy Camp – viel mehr als nur ein Ziel. Ziele sollen ja immer SMART sein, also S-pezifisch, M-essbar, A-kzeptiert, R-ealistisch und T-erminierbar. Nach Punkt 2 „Ehrgeizig – im Original: Aspirational“ geht es eben nicht um „R-ealistisch“.

Eine Core Strategy ist somit im besten Sinne eine Vision. Die Definition von Halvorson hat nicht zufällig Ähnlichkeit mit den Anforderungen an eine gute und mitreissende und deshalb funktionierende Unternehmensvision gemäß der „Munich Vision Scale“. Danach muss eine Vision diese Kriterien erfüllen:

  • Kommunikation: Ist die Vision verständlich?
  • Motivation: Begeistert die Vision?
  • Ambition: Spornt die Vision an?
  • Machbarkeit: Glaubt man an ihre Umsetzbarkeit?

Quelle: Coachingzentrum Heidelberg im Artikel „Die Kraft der Vision nutzen„.

Den letzten Punkt darf man nicht mit „R-ealistisch“ verwechseln. Man müsste ergänzen „prinzipielle Umsetzbarkeit“.

Das also ist eine Core Strategy und wie ich bzw. auch Kristina Halvorson sie versteht.

Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare vor allem von Heinz Wittenbrink und Brigitte Alice Radl 😉

Bildnachweis:
(c) Kristina Halvorson

P.S.: Edit 14.06.2013: Das Bild von Halvorson ist wirklich wörtlich zu nehmen: Der Kreis, in dem „Core Strategy“ steht, ist der Kern. Die anderen Teile gruppieren sich darum herum. Missverständnisse könnten daraus entstehen, dass man glaubt das „Core Strategy“ in der Mitte sei ein Label für den gesamten Kreis, welcher dann die „Core Strategy“ ausmacht. Dem ist nicht so.

#cosca13: Der Big Bang der Deutschen Content Strategy

Content Strategy CampBumm!! Jetzt ist es offiziell: Content Strategy ist in Deutschland angekommen. Vom 07. – 08.06.2013 fand auf dem Mediencampus  der Hochschule Darmstadt (h_da) das erste Deutsche Content Strategy Camp statt. Mehr als 180 Anmeldungen gab es. Bereits am ersten Session-Tag stellte sich das große Engagement der Teilnehmer heraus: Die Zahl der Session-Vorschläge war so groß, dass gar nicht alle untergebracht werden konnten. Einige Sessions wurden thematisch zusammengefasst oder gleich auf den nächsten Tag geschoben. Auf der Rückfahrt hatte ich noch kurz Zeit mit einem Münchener Kollegen zu sprechen, der ebenfalls von der Qualität der Session angenehm überrascht war.
Auch die Organisation war über jeden Zweifel erhaben: Sehr professionell das ganze. Vielen Dank dafür an die Organisatoren, allen voran Thomas Pleil, von der h_da, Sascha Stoltenow von SCRIPT Communications und Heinz Wittenbrink von der FH Graz, der als erfahrener Bar-Camper die Camp-Moderation übernahm.

Da ich selber mit 2 Sessions vertreten war, konnte ich leider etwas weniger Sessions mitnehmen, als die anderen.

Content Strategy 101

Meine erste Session war eine, die die Grundlagen von Content Strategy darlegte und von den sehr kompetenten Brigitte Alice Radl und Heinz Wittenbrink vom Johanneum Graz gehalten wurde. Hier kamen wir gleich in spannende Diskussionen, weil manchen Teilnehmern die Abgrenzung zu anderen Disziplinen wie bspw. Corporate Publishing nicht klar war. Dadurch allerdings kamen wir mit dem „101“ auch nicht so ganz durch, was aber – so glaube  ich – niemand als schlimm empfand.
Für mich lustig war, dass Brigitte und Heinz die „Core Strategy“ wie  Kristina Halvorson sie beschreibt hatten anders verstehen als ich. Für mich ist die „Core Strategy“ nämlich so etwas wie eine große visionäre Zielsetzung, die als Leuchtturm für die restliche Strategie und tatsächliche Content Produktion ist. Sozusagen als Filter: Was nicht in Richtung „Core Strategy“ geht, hat im Content-Pool nichts verloren.
Dazu gibt es von mir demnächst nochmal einen separaten Post.
Zusammenfassung der Session

Rapid Content Production

Meine zweite Session war eine Art Blitz-Session. Hier teilte Monika E. König mit uns ihre Erkenntnisse, wie man schnell zu inhaltlich ordentlichen Blogtexten kommt. Das war eine schnelle und sehr anregende und nette Session, weil sich hier ein paar Blogger austauschen konnten.
Zusammenfassung der Session

Alle meine Freunde … Social Media und Recht

Kein Wunder, dass diese Session recht voll war. Der Irrsinn im rechtlichen Dschungel ist für einen Laien nicht nachvollziehbar und offenkundig auch für gestandene Juristen nicht immer plausibel. Diese Session wurde von Jan Hansen geleitet. Nach einigen ersten Hinweisen zu Themen wie bspw. Urheberrecht, kam es schnell zu engagierten Diskussionen und interessierten Nachfragen durch die Teilnehmenden. Wahnsinn, wie Juristen – eine niedliche Spezies – aus der Hüfte die Paragraphen nach draussen schießen können. Dass es tatsächlich auch ein Zitierrecht gibt war mir vollkommen neu. Ich dachte immer, dass das Zitieren wie man es an der Uni lernt lediglich eine formale Vorgabe ist. Man lernt ja nie aus.
Zusammenfassung der Session

Content Strategy für Content Strategy

Sascha Stoltenow übernahm eine Session mit dem Thema wie eine Content Strategy für Content Strategy aussehen kann. Jeder der Anwesenden weiß zwar, wie nützlich das ist, nur interessiert das die Kunden nicht direkt, denn die haben von der Existenz dessen keine Ahnung. Zusammenfassend kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Kunden dort abgeholt werden müssen, wo sie stehen. Wenn sich bspw. alle Welt Gedanken über responsive Design macht, aber keiner die „Responsivität“ des Contents – vor allem der Texte – berücksichtigt, ist das ungünstig, denn wer will schon den 1000 Wörter Text auf einem iPhone haben. Hier kommt die Content Strategy ins Spiel. Und das kann ein Kunde verstehen.
Das Dokument zur Zusammenfassung der Session ist leider noch leer (wieso eigentlich?).

Einer der Höhepunkte war sicherlich der Google-Hangout mit Margot Bloomstein, ihrerseits Content Strategin der ersten Stunde. Hier konnten auch direkt Fragen zum Thema an Margot Bloomstein gestellt werden. Leider hatte ich an diesem Tag die einzige parallel dazu stattfindende Session und konnte deshalb nicht daran teilnehmen.

Die einzelnen Sessions wurden von Protokollanten zusammengefasst und werden in einem öffentlich zugänglichen Google-Doc Verzeichnis zur Verfügung gestellt: Zusammenfassungen.
Die Session werden auch nochmals in einem E-Book zur Verfügung gestellt.

Meine eigene Session gibt es in diesem Blog schriftlich zusammengefasst, so: Stay tuned! In der Zwischenzeit aber gibt es die Kurzzusammenfassung hier.

Google Hangout mit Margot Bloomstein

 

Weitere Links

Content Strategy Camp 2013

Mysterium Content Strategy

Frank Hamm über #cosca13

Bildnachweis
Udo Butschinek, Public Domain.

 

CMS = Content Management System

Content Management SystemKeine Angst: Ich werde jetzt nicht anfangen zu erklären, was ein Content Management System (CMS) ist. Oder darüber reden, warum TYPO3 ein tolles Content Management System ist. Mir geht es um die ersten beiden Wörter: Content Management.

Viele der einschlägigen Shopsysteme behaupten von sich, CMS-Funktionalitäten zu bieten. Darunter wird dann folgendes verstanden: Man kann eine Seite anlegen, die keine Produktseite ist. Und hier kann man mittels eines WYSIWYG-Editors Texte anlegen und schön fett und kursiv machen. Alternativ kann man auf einer Produktseite noch eine Headline und einen oder mehrere Texte anlegen. Und das sind dann die Content Management System Funktionen.

Höhöhö … selten so gelacht.

Entschuldigen Sie nur, aber das hat mit CMS nichts, aber gar nichts zu tun!

Bei Wikipedia finden wir eine schöne Definition von „Content Management„:

Content management, or CM, is the set of processes and technologies that support the collection, managing, and publishing of information in any form or medium.

Worum geht es also hier? Es geht darum, seine Inhalte zu sammeln und zu verwalten, unabhängig vom Medium! Zu Content Management gehören neben der rein technischen Lösung – wie eben einem Content Management System –  auch entsprechende Prozesse (und hier kommen wir so langsam in das Gebiet der Content Strategie).

Dieser Definition folgend, wären nicht einmal die gängigen Content Management Systeme echte CMS, da diese die Inhalte selten medienneutral speichern, sondern etwa Texthervorhebungen als HTML-Tags speichern. Hier handelt es sich um Web-CMS, also Systeme, die die Onlineinhalte verwalten. Leider wird der Begriff CMS mittlerweile synonym zu Web-CMS verwendet.

Aber immerhin haben die meisten Web-CMS-Systeme die meisten der CMS-Funktionen implementiert (wieder Wikipedia):

  • Import and creation of documents and multimedia material.
  • Identification of all key users and their roles.
  • The ability to assign roles and responsibilities to different instances of content categories or types.
  • Definition of workflow tasks often coupled with messaging so that content managers are alerted to changes in content.
  • The ability to track and manage multiple versions of a single instance of content.
  • The ability to publish the content to a repository to support access to the content. Increasingly, the repository is an inherent part of the system, and incorporates enterprise search and retrieval.

Was aber die Shopsysteme machen, hat gar nichts mit CMS zu tun. Das sind nur Möglichkeiten an der einen oder anderen Stelle einen Text einzugeben und mit Formatierungen zu versehen.

Vielleicht sollte man statt von CMS-Funktionalitäten eher sprechen von: „Möglichkeit der Eingabe und Formatierung von Textfragmenten“.

Lässt sich natürlich nur sehr besch … eiden verkaufen.

Bildnachweis:
flickr.com, Quinn Anya, Creative Commons: BY-SA

Kleine Content-Katastrophen 3

Content KatastropheJa, so etwas kann auch passieren. Vielen Dank an Harald Müller, der dieses Beispiel bei Google Plus gepostet hatte mit dem schönen Kommentar: „Das ist cool, das erzeugt so RICHTIG Interesse …“.

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