Monthly Archives: April 2013

Ein neues Open Source Shopsystem Made in Germany – ein Aufruf

Open Source ShopsystemAls damals Magento um die Ecke kam, dachte ich: „Scheiße, die machen genau das, was ich immer gesagt habe. Nämlich ein Open Source Shopsystem auf der Basis eines Standardframeworks.“.

Ein Standardframework für ein Shopsystem zu verwenden macht Sinn: Schließlich sind dann alle Entwickler, die mit dem Framework vertraut sind, automatisch potenzielle Entwickler.

Ich frage mich, warum es kein richtiges, community-getriebenes Open Source Shopsystem gibt. Die bekannten Open Source Shopsysteme sind ja nur ein bisschen Open Source. Bei dem einen oder anderen Hersteller war der Schritt in Richtung Open Source vermutlich auch mehr eine verzweifelte Rettungsmaßnahme, um sich vor dem endgültigen Aus zu retten. Daraus entstehen dann so ganz eigenartige und verschwurbelte Konstruktionen, halb nicht-kommerziell, halb kommerziell, die einfach keinen Spaß machen.

Darüber hinaus decken die verfügbaren Systeme nicht einmal sämtliche Anforderungen an ein modernes Shopsystem ab, wie in einem sehr lesenswerten Beitrag auf Exciting Commerce zu lesen ist:

Überspitzt formuliert könnte man sagen:

  • Aus Sicht der Internetjahre 1999/2000 bieten alle Systemanbieter heute durchwegs gute bis sehr gute Lösungen
  • Aus heutiger Marktsicht sind die Lösungen noch als befriedigend bis ausreichend anzusehen.
  • Woran es jedoch mangelt, ist die Zukunftsfähigkeit: Mit Blick auf die kommenden drei bis fünf Jahre bieten sie allenfalls mangelhafte bis ungenügende Lösungen.

Und dann frage ich mich: Warum handelt keiner? Warten jetzt alles auf Shopware und dass die das schon irgendwie richten?
Warum kann es im E-Commerce nicht ein Pendant zu TYPO3 geben? Also ein echtes, community-getriebenes Open Source Shopsystem? Es ist ja nicht so, dass das Know-How hier nicht verfügbar wäre. Im Gegenteil!
Und es ist auch nicht so, dass alle mit den vorhandenen Systemen  hochzufrieden wären. Aus Gesprächen mit Agenturen weiß ich, dass da einiges im Argen ist.

In obigem Artikel auf Exciting Commerce heißt es:

… dass wachstumsstarke Online-Versender wie Zalando heute am Markt immer noch kein passendes System finden, das sollte der Branche doch sehr zu denken geben!

Also denken wir mal: Wenn die vorhandenen Systeme  nicht das abdecken was sie sollen, wenn sie darüber hinaus den Entwicklern und Agenturen auch eine Menge Kopf- und Bauchschmerzen bereiten und es gleichzeitig weit und breit kein fähiges, für den professionellen Gebrauch taugliches, reines, community-getriebenes Open Source Shopsystem gibt, dann bleiben doch nur zwei Möglichkeiten:

  1. Weinen und hoffen, dass die aktuellen Hersteller es schon irgendwie hinbekommen, oder
  2. Selber was machen.

Ich plädiere – wer hätte das gedacht – für die 2. Variante. Was, wenn wir selbst das Shopsystem bauen, das gebraucht wird? Als echtes community-getriebenes Open Source Shopsystem und zwar Made in Germany?

Ein Open Source Shopsystem und was es mindestens können müsste

Damit wir also an irgendeiner Stelle starten können, liste ich jetzt die mir ganz spontan einfallenden Punkte auf (in loser Reihenfolge):

  • Basiert auf einem Standard Framework
  • Fokus liegt auf der Anbindung aller möglichen WaWis: Um das Jahr 2000 herum habe ich einmal ein Shopsystem basierend auf Java eingerichtet (Ja, ich habe damals noch ausschließlich Java entwickelt 😉 ). Nachdem dann alles stand, wollte der Kunde von dem tollen Backend gar nichts wissen, sondern eine Anbindung an seine WaWi haben. Ich vermute, dass das häufiger vorkommt.
  • Einfache Handhabung für den Entwickler im Sinne eines Rapid Application Developments.
  • Das Frontend wird nicht aus gefühlten 20.000 Schnipseln zusammengebastelt. Einfachheit des HTML-Templatings.
  • Flexibilität in der Erweiterbarkeit (da ist TYPO3 ein guter Ankerpunkt)
  • 100% Open Source Made in Germany
  • Echtes Content Management
  • Medienunabhängige Speicherung von Inhalten
  • Inhalte können für verschiedene Ausgabegeräte gespeichert werden
  • Contentoberflächen im Backend werden dynamisch erzeugt und zwar auf der Basis dessen, was tatsächlich benötigt wird
  • Es können Content-Templates definiert werden (ich meine damit so etwas)
  • Portierung von Daten anderer Shops mit einem Klick möglich (Shop2Shop – so wie CMS2CMS)
  • Strenge Qualitätskriterien für Erweiterungen: Bevor Erweiterungen veröffentlicht werden, durchlaufen sie eine strenge Qualitätskontrolle in Hinsicht auf Sicherheit, Code und Funktionalität
  • Sicherheit: Mindestens Erfüllung der OWASP Security Top 10
  • Starke Dokumentation – die Lernkurve so flach wie möglich halten

Nächste Schritte

  • Jeder der sagt: „Da bin ich dabei“, kontaktiert mich via XING oder Email oder sonstwie
  • Wir starten ein erstes Camp um die grobe Richtung zu definieren und veröffentlichen dazu ein Papier
  • Wir legen los

Bist du mit dabei?

 

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flickr.com, nvivo.es, 5Gig, Creative Commons: BY-SA

Die 7 Gebote des E-Commerce – Emotional Commerce

7 Gebote des E-CommerceGastbeitrag von Markus Kämmerer, storeEmotion.

Das klassische E-Commerce ist mutig: Es ignoriert 95% der Gedanken der eigenen Kunden.

Wie das kommt? Bis jetzt wird das unbewusste Denken ignoriert.

Die Neurowissenschaft hat in den letzten Jahren herausgefunden, dass 95% der mentalen Prozesse im Gehirn unbewusst ablaufen. Das bedeutet auch, dass eine Kaufentscheidung nur zu 5% bewusst getroffen wird. Das glauben Sie nicht? Das Gehirn trickst uns hier gewaltig aus: Das rationale Denken funktioniert wie ein Regierungssprecher. Die emotional längst getroffene Entscheidung wird rational begründet und von unserem bewussten Denken dann nur noch verkündet.

Wer heute im E-Commerce erfolgreich sein möchte, kann es sich nicht mehr leisten, diese 95% unseres Denkens mehr oder weniger komplett zu ignorieren. Deshalb hat storEmotion den nächsten Schritt für erfolgreiches E-Commerce entwickelt: Emotional Commerce. Hier gewinnen die Emotionen und die unbewussten Bedürfnisse des Kunden die Bedeutung, die sie im Denken der Kunden schon lange hat. Wer die Kraft der Emotionen nutzt, kann seine Kunden begeistern und zu Fans machen.

Um in die Welt des Emotional Commerce einzutauchen, haben wir die sieben Gebote des E-Commerce – Emotional Commerce – entwickelt.

Wer diese sieben Gebote beachtet, geht schon weit über die Grenzen des klassischen E-Commerce hinaus. Um mit dem Thema Emotional Commerce effektiv arbeiten zu können, ist jedoch ein absolut klares, emotionales Verständnis einer psychografisch definierten und homogenen Zielgruppe nötig. Erst dann ist eine emotional ansprechende Kommunikation mit dem Kunden möglich, die auch wirklich wirksam ist. Deshalb steht beim Emotional Commerce der Kundennutzen immer im Mittelpunkt und vor dem reinen Gewinn. Wer seine Kunden und Mitarbeiter dauerhaft zu Stammkunden und Fans macht, erwirtschaftet automatisch auch Gewinn.

1. Gebot: Schaffe eine solide Vertrauensbasis

Positive Emotionen beim Kunden zu wecken ist immer nur bei einer soliden Vertrauensbasis von Unternehmen und Kunden möglich. Es ist damit das erste Gebot des Emotional Commerce, welches immer eingehalten werden muss, damit die weiteren Gebote wirksam werden. Im Online-Shop wird das Vertrauen meist über ein professionelles Design, über Siegel wie Trusted Shops, über Kundenreferenzen und das Darstellen der Menschen hinter dem Unternehmen gezeigt.

2. Gebot: Übertrumpfe die Erwartungen des Kunden

Die Erwartungshaltung des Kunden einfach nur zu erfüllen, reicht längst nicht mehr. Dieses Gebot lässt sich am besten mit positiven Überraschungen während und natürlich auch nach dem Kaufprozess erfüllen. Manchmal ist es ein besonderer Service, eine Aufmerksamkeit oder etwas, was der Kunde einfach nicht erwartet hat. Am Effektivsten ist eine besondere Überraschung statt weniger kleiner Emotionaler Ankerpunkte.

3. Gebot: Erzähle Geschichten

Seitdem wir Menschen mit Sprache kommunizieren, erzählen wir uns Geschichten. Früher wurde sogar das reine Wissen über Geschichten vermittelt. Das Erzählen von Geschichten ist das wohl mächtigste Gebot im Emotional Commerce, denn Geschichten werden im Gehirn komplett anders verarbeitet, gehen tiefer in das Unterbewusstsein und werden länger gespeichert. Alles, was bis jetzt als reine Information präsentiert wird, lässt sich auch in Form einer Geschichte erzählen. Der absolute Klassiker im E-Commerce Bereich ist die ‚Über uns‘-Seite, die unbedingt in Form eines Storytellings erzählt werden sollte. Zu jeder guten Geschichte gehören Tiefpunkte, Höhepunkte, der Held und ein Mentor. Und selbst eine vermeintlich einfache Artikelbeschreibung transportiert in Form einer Geschichte deutlich mehr und spricht besser an.

4. Gebot: Lebe und gestalte jedes Detail

Den Unterschied machen immer die Details. Immer wieder die vielen kleinen Details. Mit Liebe und absoluter Hingabe gestaltet, machen sie den entscheidenden Unterschied. Die meisten Details wird kein Kunde explizit benennen können, wenn er gefragt wird, ob er sie bemerkt hat. Aber er spürt sie in jedem Moment. Und deshalb ist das Gestalten jedes einzelnen Details im Emotional Commerce ein eigenes Gebot. Die Erfahrung zeigt, das es besser ist, die Gesamtkomplexität (z.B. durch die Reduktion von Sortimentstiefe und -breite) des Projektes zu reduzieren und die frei gewordenen Ressourcen in die Details zu stecken.

5. Gebot: Sprich alle Sinne an

Wir Menschen erleben über alle Sinne – gleichzeitig. Deshalb werden im Emotional Commerce auch so viele Sinne wie möglich gleichzeitig angesprochen. Damit es nicht zum berühmten „PowerPoint-Effekt“ kommt, muss sich das Erleben über die verschiedenen Sinne natürlich harmonisch ergänzen und darf nicht überfordern. Sogar im Versandhandel kann der Tast-Sinn angesprochen werden: Beim Auspacken der Lieferung. Hier kann ein wahres Feuerwerk der Sinne den Kunden zum Fan machen.

6. Gebot: Lass deine Kunden sprechen

Viele Unternehmen möchten gern selbst steuern, was ihre Kunden über sie berichten. Doch das funktioniert nicht, die Kunden sprechen immer über das Erlebte – mit oder ohne ‚Genehmigung‘ des Unternehmens. Statt darin ein Risiko zu sehen, ist es die größte Chance, dass Kunden anderen Kunden über ihre positiven Erfahrungen berichten. Wer die sieben Gebote des Emotional Commerce beachtet, wird auch genügend Kunden haben, die völlig freiwillig und authentisch positiv über das Kauferlebnis und damit das Unternehmen sprechen. Das Unternehmen sollte deshalb den Kunden motivieren, seine Erfahrungen anderen Kunden weiterzugeben und selbst hinhören, was sich die Kunden gegenseitig erzählen, denn sie sind wertvolles Feedback für das Unternehmen.

7. Gebot: Liebe deine Kunden

Das siebente und letzte Gebot ist besonders mächtig: Wer seine Wunschkunden zur Zielgruppe macht und Teil dieser Zielgruppe ist, wird seine Kunden lieben können. Auf diesem Weg erfährt das Unternehmen am frühesten von den Problemen und emotionalen Bedürfnissen der Wunschkunden, die das Unternehmen dann lösen und befriedigen kann. Wer als Unternehmerpersönlichkeit seinen Kunden so nah ist und immer wieder seine Kunden begeistert, wird Marktführer in seiner Zielgruppe werden und auch auf Dauer bleiben.

Die sieben Gebote sind wie Doping für jedes E-Commerce Projekt. Wir empfehlen, diese Gebote immer wieder zu nutzen, um das eigene Produkt und Angebot zu verbessern. Wer diese Gebote beachtet kann aus einem normalen Webshop einen Flagship Webshop entwickeln, welcher die Kunden begeistern wird.

Über den Autor:

Gebote des E-CommerceMarkus Kämmerer ist Gründer und Geschäftsführer von storeEmotion.
storEmotion ist spezialisiert auf strategische Beratung und Coaching für Betreiber von Online Shops zum Thema Emotional Commerce.

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flickr.com, Tom (tommrkr), Creative Commons: BY-NC-SA
(c) Markus Kämmerer

Ist der Conversionoptimierer der Hardseller des E-Commerce?

Conversionoptimierer - sold by forceDas Wort „Verkaufen“ hat für viele einen sehr negativen Beigeschmack. Verkäufer sind doch diese schmierigen Typen, die mir etwas aufzwingen wollen, was ich gar nicht brauche. Die sich fieser Tricks bedienen, um jemanden zum Kauf zu bewegen. „Hard-Selling“ wird im Business Dictionary definiert als:

Die Anwendung von psychologischem Druck, um einen Interessenten … zu einem schnellen Kauf zu bewegen.

(Meine Übersetzung)

Mit anderen Worten: Ein Hardseller versucht einem Eskimo einen Kühlschrank anzudrehen. Und schafft das auch. Das kostet eine ganze Menge Energie, wie man sich denken kann. Einfacher wäre es natürlich, wenn man dem Eskimo (oder politisch korrekt: Dem Inuit) eine Heizung verkauft. Denn dafür – sofern er sich im ewigen Eis befindet – hat er sicherlich Bedarf.

Der Conversionoptimierer ist ein wenig wie der Hardseller. Mit allen möglichen Tricks wird versucht den Webseitenbesucher zu einer Aktion zu bewegen. Und man schafft das auch.

Die Frage die zu stellen wäre ist: Angenommen man beginnt mit der Entwicklung der Webseite bei der Definition der Zielgruppe und weiß, welche Probleme und Bedürfnisse diese hat. Wenn das bekannt ist, wird entsprechender nützlicher Content erzeugt, der auf die Zielgruppe passt. Dadurch wird – auch mittel- und langfristig – Vertrauen aufgebaut.

In der Folge werden nur noch die richtigen Besucher angezogen und der Conversionoptimierer muss sich weniger reinhängen (Conversionoptimierung durch Fokussierung!). Der Conversionoptimierer beschränkt seine Arbeit im Idealfall fast nur noch auf die Usability-Ebene.

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flickr.com, Mr_Berns, Creative Commons: BY-ND

P.S. Vielleicht leitet sich das „Hard“ in „Hardselling“ ja davon ab, dass es ganz schön schwer ist, auf diese Art zu verkaufen (hard to sell)?

Conversionoptimierung durch Fokussierung

ConversionoptimierungConversionoptimierung: Es ist schon erstaunlich, wie sich um ein ganz einfaches Zahlenverhältnis herum ein ganzer Branchenzweig aufbaut.

Die Conversionrate gibt an, wieviele Besucher eine bestimmte Aktion ausgeführt haben. Diese Besucher werden ins Verhältnis gesetzt zur Gesamtzahl der Besucher, also:

Conversionrate = (Besucher, die eine Aktion ausgeführt haben / Gesamtanzahl der Besucher) * 100

Bei der Conversionoptimierung ist das Ziel, diesen Prozenzsatz zu erhöhen.

Das Verfahren dabei ist relativ einfach: Man bildet Hypothesen darüber, warum Besucher eine bestimmte Aktion nicht ausführen und verändert die Seite entsprechend. Das kann bspw. ein Usability-Problem sein: Wenn der Nutzer einen Button nicht findet, kann er natürlich eine Aktion nicht ausführen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass eine Seite nicht vertrauenerweckend ist.

Im Prozess der Conversionoptimierung wird jede Hypothese getestet. Im einfachen Fall über einen A/B-Splittest: Man ändert bspw. die Position eines Registrierungsformulars. Dann testet man die Ursprungsseite gegen die Seite mit dem neupositionierten Registrierungsformular und misst, auf welcher Seite sich häufiger registriert wird. Ein Fehler, der dabei häufig gemacht wird ist, dass man zu früh eine Version bevorzugt. Die besser konvertierende Variante muss schon statistisch signifikant besser abschneiden. M.a.W.: Um eine Aussage treffen zu können, muss schon ein gewisses Sample an Registrierungen vorhanden sein. Wenn ich im Monat 20 Besuche habe und A konvertiert 11 mal und B 9 mal, dann kann man daraus noch nicht den Schluss ziehen, A konvertiere besser.

Das Thema Conversionrate und die Vergleichbarkeit verschiedener Konversionsraten wird immer wieder diskutiert (so bspw. in dem Blogbeitrag von Gabriel Beck auf conversiondoktor.de).

Die Probleme mit der Conversionoptimierung ergeben sich schon aus dem Zahlenverhältnis: Wenn 3 Besucher eine Aktion ausführen von 100 Gesamtbesuchern, ist die Conversionrate 3%. Wenn 3 Besucher eine Aktion ausführen von 10000 Besuchern, ist meine Conversionrate bei 0,03%. In der Literatur geht man immer davon aus, dass die Conversionrate bei 1-3% liegen sollte.

Positiv gewendet bedeutet das: Man kann die Conversionrate verbessern, indem man die Zahl der Besucher verkleinert!

Auf den ersten Blick mag das komisch erscheinen, macht aber durchaus Sinn.

Um an Besucher oder Kunden zu kommen gibt es zwei Wege:

  • Den der Schrotflinte und
  • den des präzisen Scharfschusses.

Mit der Schrotflinte schießt man, wenn man versucht Hinz und Kunz für seine Produkte  zu interessieren. Dann kommen auch Hinz und Kunz in den Shop. Entsprechend gering fällt die Conversionrate aus.

Schneide ich dagegen den Shop auf die Bedürfnisse / Probleme einer exakt psychographisch definierten Zielgruppe zu, so kommen zwar in absoluten Zahlen weniger Besucher auf die Seite, dadurch steigt aber die Conversionrate. Conversionsrate durch Fokussierung! Also praktisch schon im Ansatz.

Für ein Projekt hatte ich mal eine Begegnug der dritten Art mit einem Menschen, der einem helfen will, an EU-Fördergelder zu kommen. In unserem Gespräch kristallisierten sich entgegengesetzte Sichtweisen auf die Welt heraus: Mein Gegenüber war über meine Aussage verwundert, dass meine aktuelle Zielgruppe bei knapp 700 Individuen lag.
„Ja, wie wollen Sie denn da Geld verdienen?“. Meine Frage, wie groß denn sein Verteiler wäre, wurde beantwortet mit: 20.000.
„Und wie hoch ist Ihre Rücklaufquote?“, fragte ich.
Er fing an zu überlegen und zu rechnen und kam dann heraus mit: „So bei 1-2 Promille.“.
Ich teilte ihm mit, dass meine Rücklaufquoten (sprich also: Meine Conversionrate) bei durchschnittlich 10% liegt. Das ist aus Marketingsicht ein Bombenergebnis! Der Grund, warum meine Conversionrate so hoch war, ist einfach: Ich habe eine klar umrissene Zielgruppe angesprochen und mein Gegenüber hat mit der Schrotflinte geschossen.

Man kann also die Conversionoptimierung mit einer guten Zielgruppenauswahl beginnen.

  • Man kann die Conversionrate dadurch verbessern, indem man die Zahl der Besucher verkleinert!

Bildnachweis:
flickr.com, Stefson, Creative Commons: BY-NC-ND

Open Source – Fummel nie im Core herum!

Open SourceImmer wieder läuft mir auf den Webseiten verschiedener Agenturen die Aussage über den Weg, dass bspw. TYPO3 deshalb so toll ist, weil es Open Source ist, man so den Quellcode beliebig anpassen kann und deshalb furchtbar flexibel ist.

Je nach Tagesform reagiere ich auf solche Aussagen mit Lachen, Kopfschütteln oder Stirnklatschen.

Der BVDW gab dieser Tage eine „Checkliste Online-Shop für Einsteiger“ heraus. Auch hier wird kolportiert, wie toll anpassbar Open Source ist:

Bei Open-Source-Lösungen ist der Quelltext öffentlich zugänglich, ohne Lizenzgebühren nutz- und veränderbar und ist dadurch an nahezu alle erdenkbaren Gegebenheiten anpassbar.

Liebe Leute: Dass man prinzipiell im Quellcode eines Open Source Systems Änderungen vornehmen kann, heißt noch lange nicht, dass man das auch tun muss (Das ist ein alter Softwareentwicklerwitz: „Warum hast du das gemacht?“ Antwort: „Weil’s geht!“). Und schon gar nicht, dass man das darf (jetzt nicht im rechtlichen, sondern im technischen Sinne). Und die Tatsache, dass ein System Open Source ist, heißt noch lange nicht, dass es auch flexibel genug für Erweiterungen ist („Flexibility by Design“).

Wenn Ihnen jemand erzählt, dass man den Quelltext anpassen kann, dann wird der das auch tun! Und wenn der das tut, haben Sie bald ein Problem: Sie können nicht mehr updaten. Oder nur mit viel Aufwand. Das kann echte Probleme mit sich ziehen, vor allem in Punkto Sicherheit.

Deshalb immer dem Butsch seine Regel beachten: Fummele nie im Core herum! Das führt direktemang in die Hölle.

Bildnachweis:
flickr.com, Harisfazillah Jamel, Creative Commons: BY-NC-SA

P.S.: Tipp: Wenn Ihnen nochmal jemand erzählt, dass der Quelltext von  Open Source Systemen nach Ihren Wünschen anpassbar ist, gucken Sie, dass Sie Land gewinnen!

Liebe deine Kunden – und was Content Marketing damit zu tun hat

Content Marketing als Ausdruck von Liebe„Wat is‘ denn mit den Elfis los?? Hat der gezz ein‘ am Appel? Und dat soll Rock ’n‘ Roll sein? Dat is‘ doch Scheisse!!“.

Das Zitat stammt von Herbert Knebel. Es geht dabei um seine Gedanken, als Elvis Presley plötzlich anfing „Muss i denn zum Städtele hinaus“ zu singen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie etwas ganz ähnliches gedacht haben, als Sie die Überschrift zu diesem Post gelesen haben. Und dann auch noch so ein Bild…

Aber: Ich habe keinen „am Appel“.

Contentgetriebenes E-Commerce und Content Marketing bedeutet, dass man hilfreichen Content produziert und publiziert. Auf diese Art und Weise zeigt man seine Expertise und bindet Kunden bzw. potenzielle Kunden.

Ein Gefühl, das sich bei vielen Shop- und Webseitenbetreibern einstellt ist, dass die Kunden und potenziellen Kunden sich die Infos holen und dann woanders kaufen. Wozu sich also die Mühe machen? Das klingt auf den ersten Blick logisch.

Dahinter steckt allerdings etwas, was der Autor Stephen Covey als „Scarcity Mentality“ bezeichnet hat: Grob gesprochen ist dies ein Gefühl, dass von allem stets zu wenig da ist. Dem gegenüber steht eine „Abundance Mentality“: Das Gefühl, es ist für alle immer reichlich da.

Die Bereitschaft einem Interessenten zu helfen, noch bevor er etwas kauft, ist das Wesen von Content Marketing. Und dies ist ein Ausdruck von Liebe.

Liebe, so schreibt Stephen Covey in seinem einflussreichen Buch „The 7 Habits of Highly Effective People“, ist kein Substantiv, sondern ein Verb, also eine Tätigkeit.

Er beschreibt dabei ein Gespräch, bei dem er mit einem Bekannten spricht, der Covey um Rat bittet, was er tun soll, da er seine Frau nicht mehr liebt. Und Covey antwortet: „Liebe sie“. Der Bekannte schaut ihn an und sagt: „Du verstehst nicht: Ich liebe sie nicht mehr“. Covey antwortet: „Versuche sie zu lieben“. Der Bekannte dreht beinahe durch und Stephen Covey erklärt ihm: „Liebe ist ein Verb. Liebe – das Gefühl – ist die Frucht von Liebe als Substantiv. Liebe sie. Opfere. Höre zu. Versetze dich in sie hinein. Anerkenne. Bestätige sie!“.

Den Kunden zu kennen, sich in ihn hineinzuversetzen und zuzuhören und so zu wissen, was ihn tatsächlich umtreibt ist – das kann man in jedem Buch zu Content Marketing lesen – die Voraussetzung um überhaupt hilfreichen Content anbieten zu können. Aber eben jene Tätigkeiten sind nach Stephen Covey: Liebe.

Und diese „Liebe“ wird sich in Ihrem Content Marketing bzw. Ihrem Content zeigen und am Ende zurückkommen.

Glauben Sie nicht auch?

Bildnachweis:
flickr.com, Sven Steinmeyer, Creative Commons: BY-SA

6 Fragen, die eine Content Strategie beantwortet

Content Strategie?Eine Content Strategie kann man sich als eine Art Leuchtturm vorstellen: Er gibt mir die Richtung vor, in die ich mich zu bewegen habe.

Eine Strategie zeichnet sich stets durch einen langfristigen Blick aus. Nicht: Was ist jetzt das dringendste zu lösende Problem, sondern: Wo will ich hin?

Im Gabler Wirtschaftslexikon findet sich eine schöne Definition aus der Spieltheorie:

Satz von Regeln, deren Beachtung die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines gewünschten Ereignisses erhöhen soll.

Wenn man „gewünschtes Ereignis“ durch „Ziele“ ersetzt, dann kommt man an dieser Stelle der Sache schon recht nahe. Eine Content Strategie definiert ein langfristiges Ziel. Um dieses Ziel herum werden Content und die ihn verwaltenden und produzierenden Menschen organisiert.

Hat man eine Content Strategie, so hat man auch einen Satz von Regeln die die folgenden sechs Fragen automatisch immer beantworten, so dass eine gleichbleibende Kommunikation mit der anvisierten Zielgruppe gewährleistet ist:

  1. Woher wissen wir, was die Nutzer brauchen?
  2. Wie entscheiden wir, welchen Inhalt wir erzeugen bzw. überarbeiten?
  3. Wie priorisieren wir Contentanforderungen?
  4. Wie entscheiden wir, was wir kommunizieren?
  5. Wie bekommen wir SEO / SEM, Usability und Contentproduktion unter einen Hut?
  6. Wie bekommen wir es hin, dass wir über verschiedene Kanäle hinweg immer gleich kommunizieren?

Das sind Fragen, die zu beantworten notwendig ist, wenn man eine gleichbleibende Kommunikation gewährleisten will.

Aus verschiedenen Gründen wird sich leider damit so gut wie nie beschäftigt, schon gar nicht bei Webseiten oder Onlineshops. Weil Content einfach anstrengend ist, weil er eine politische Dimension hat, zeitaufwändig ist („Komm, wir migrieren aus der Wawi“).

Wie sagte Kristina Halvorson so schön: „Content is a hairy beast“.

Bildnachweis:
flickr.com, Christoph Ludewig, Creative Commons: BY

8 Content Strategie Aphorismen

Die folgenden Aphorismen zu Content Strategie können Sie sich gerne hinter die Ohren schreiben. Da Content Strategie – bzw. Content Strategy – ja im Wesentlichen noch im Anglo-Amerikanischen Raum zu finden ist, habe ich die Zitate ins Deutsche übersetzt. Viel Spaß.

Wenn Sie deinen Content nicht kaufen, kaufen Sie auch dein Produkt nicht

Randy Cronk

Design ohne Content ist Dekoration

Jeffrey Zeldman

In dem Augenblick, wo Sie eine Webseite starten, eine Emailkampagne, eine mobile Anwendung oder sonst einen Content, sind Sie Herausgeber. Sollten Sie dann nicht auch wie einer handeln?

Kristina Halvorson

Sehen Sie sich eher als Herausgeber der hochwertige redaktionelle Produkte liefert, als als Marketer der Produkte und Dienstleistungen verkauft.

Joe Pulizzi

Ohne Content wäre das Web ein Suchfeld und ein Warenkorb

Ian Alexander

Content ist keine Ware

Kristina Halvorson

Content ist ein haariges Monstrum

Kristina Halvorson

Entwerfen Sie das Design vom Content aus

Marc Boulton

8 Zeichen, dass Sie möglicherweise eine Content Strategie brauchen

Falls Sie sich gelegentlich fragen sollten, ob Sie so etwas wie eine Content Strategie überhaupt brauchen, dann schauen Sie mal auf die folgende Liste. Wenn Sie auch nur 1 oder 2 Punkte entdecken, die auf Ihre Webseite oder Ihren Onlineshop zutrifft, dann sollten Sie anfangen, eine Content Strategie zu entwickeln:

  1. Wenn Sie öfter sagen: „Ja, unsere Homepage müsste mal wieder überarbeitet werden“
  2. Ihr letzter Newseintrag oder ihr Blogpost ist älter als 2 Monate
  3. Sie haben Überblicks- oder Willkommensseiten mit überflüssigem oder trivialem Content
  4. FAQ-Seiten: Möglicherweise ist Ihr Content nicht hinreichend, weshalb Sie eine FAQ-Seite brauchen
  5. PDFs: Diese unterlaufen Ihren eigentlichen Workflow. Außer, Sie schreiben explizit ein E-Book, gibt es keinen Grund den Content nicht als reguläre Webseite zu veröffentlichen.
  6. „Verwandte Beiträge“: Hier hinter verbirgt sich gerne ein mangelhaftes Navigationskonzept.
  7. Unbeantwortete Nutzerkommentare
  8. Fehlende oder unpräzise Informationen

 

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