Monthly Archives: März 2013

Der Webshop der Zukunft

Webshop der ZukunftDer übliche Webshop sieht in etwa so aus: Es gibt eine Kategorienauflistung, eine Auflistung von Unterkategorien, eine Produktauflistung, eine Detailansicht des Produktes und einen Warenkorb (und eine Bestellstrecke).

Soweit, so langweilig.

Jedes Standardlayout, dass mit einem Shopsystem mitgeliefert wird – sei es Magento oder Oxid oder sonstwas – bewegt sich in diesem starren Raster.

Die Webshops, die ich mir so vorstelle, sehen aber anders aus. Diese Webshops sind massiv contentlastig. Dem Nutzer werden die für ihn relevanten Informationen geboten, die ihm dabei helfen, bestimmte Aufgaben zu erledigen. Der primäre Fokus liegt dabei darauf, dem Nutzer zu helfen, indem entsprechender Content zur Verfügung gestellt wird. Und zusätzlich verkauft man auch seine Produkte.

Wem das jetzt zu abstrakt ist, dem möchte ich einmal drei Beispiele zeigen. Das erste Beispiel ist real (Beispiel 1) und wird von mir virtuell erweitert (Beispiel 2). Dann zeige ich, dass mein virtuelles Beispiel an anderer Stelle bereits realisiert ist.

Webshop der Zukunft: Beispiel 1

Die Firma Kraft hat eine App entwickelt, mit denen man in einer Rezeptdatenbank browsen kann. Rezepte, die einem gefallen, kann man sich merken und die Zutaten der Rezepte in eine Einkaufsliste packen. Anschließend spaziert man mit dieser Einkaufsliste in einen Supermarkt und kauft alles ein (siehe hier). Das hat noch nichts mit Webshops zu tun, ist aber zunächst ein Beispiel für exzellentes Content-Marketing. Jetzt stelle man sich folgendes vor:

Webshop der Zukunft: Beispiel 2

Angenommen, man könnte mit dieser App nicht nur die Rezepte in eine Einkaufsliste legen, um sie dann später selbst einzukaufen. Wie wäre es, wenn die Zutaten per Knopfdruck am nächsten Tag zu mir nach Hause geliefert würden? Wäre das nicht mal ein Ansatz für einen richtig geilen Online-Lebensmittelmarkt?

Ich persönlich gehöre zu den Leute, die jeden Tag selber kochen. Am Wochenende lege ich fest, was ich das Wochenende und die kommende Woche alles essen möchte. Anschließend kaufe ich am Wochenende die Zutaten für die Gerichte der kommenden Woche ein.

Jetzt stelle man sich einmal eine Rezeptdatenbank wie chefkoch.de vor. Ich browse also dort durch die Inhalte, merke mir die Rezepte, die ich nächste Woche kochen will und anschließend kann ich die per Knopfdruck bestellen und bekomme die am nächsten Tag nach Hause geschickt. Das wäre ein Webshop nach meinem Geschmack (im doppelten Sinne).

Webshop der Zukunft: Beispiel 3

Dass das nicht nur ein Hirngespinst, sondern bereits Realität ist, zeigt z.B. Kochhaus: Hier kann man exakt das machen, was ich gerade als theoretisches Beispiel für chefkoch.de dargelegt habe. Nur, dass die Rezeptdatenbank nicht so umfangreich ist, versteht sich.

Ich werde in diesem Blog in nächster Zeit ein paar weitere Beispiele für gelungenes contentzentriertes E-Commerce bringen.

Bildnachweis:
flickr.com, thewamphyri, Creative Commons: BY-NC-ND

Das Ende der 10 Euro Online Shops

User_Experience in Online ShopsOk, zugegeben: Das ist jetzt schon der zweite Artikel mit einem „das Ende der“-Überschrift innerhalb von einer Woche. Aber es passt gerade so gut.

Ich habe mich an dieser Stelle schon darüber gewundert, dass es Leute gibt, die glauben, man könnte auch „ein bisschen E-Commerce machen“ (siehe hier). Das ist in etwa so wie das berühmte „ein bisschen schwanger“.

Wer hat den Leuten erzählt, man könne für 10 Euro im Monat irgendeinen Wurstshop eröffnen (das kann man jetzt wörtlich  oder im übertragenen Sinne verstehen) und dann geht die Post ab?

Um es nochmal deutlich zu sagen: Wenn man E-Commerce betreiben möchte, dann muss man es richtig machen. Oder lässt es bleiben.

Einer der größten Hersteller einer Software für Online Shops behauptet, dass es mehr als 50.000 Installationen seines Shopsystems gäbe. Die Zahl ist sicherlich geringfügig übertrieben. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtzahl der Online Shops für Deutschland bei knapp 150.000 liegt.

Jedenfalls aber ist bekannt, dass nur ein verschwindend geringer Prozentsatz dieser Online Shops überhaupt nennenswerten Umsatz generiert. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig. Und einer davon ist, dass, einen Online Shop zu haben auch bedeutet, ein Business zu haben. Und da braucht man halt ein wenig Plan und Erfahrung.

Jedenfalls ist davon auszugehen, dass dieser Prozentsatz in Zukunft noch weniger werden wird.

Gerade stieß ich nämlich auf die Meldung, dass Google ein Update seines Algorithmus plant. Zukünftig sollen Online Shops mit schlechter Nutzererfahrung (User Experience) schlechter gerankt werden, auch (bzw.: selbst) wenn alle sonstigen SEO-Register gezogen sind (siehe hier und hier).

Der Anti-Spam Kämpfer bei Google, Matt Cutts, wird mit den folgenden Worten zitiert:

We have a potential launch later this year, maybe a little bit sooner, looking at the quality of merchants and whether we can do a better job on that, because we don’t want low quality experience merchants to be ranking in the search results.

Online Shops ohne anständige Nutzererfahrung werden also zukünftig abgestraft. Da stellt sich natürlich die Frage, was eine gute Nutzererfahrung ausmacht.

In dem Klassiker der User Experience von Jesse James Garret „Elements of User Experience„, stellt dieser ein Modell vor, das den Aufbau einer guten Nutzererfahrung in 5 Ebenen einteilt. Alle Ebenen bauen dabei aufeinander auf und die nächste ist nicht ohne die vorhergehende umsetzbar. Fehler oder Nachlässigkeiten auf einer Ebene wirken sich bis ganz nach oben aus. Die folgende Auflistung erfolgt von der Basisebene zur höchsten Ebene:

  1. Strategie-Ebene: Hier geht es um die Festsetzung der eigenen Ziele und der Identifizierung der Nutzerbedürfnisse (hier ist sie wieder: Die Zielgruppe).
  2. Eingenzungs-Ebene: Hier wird spezifiziert welche Funktionen und welchen Content es geben soll. Das hängt von den Nutzerbedürfnissen ab. Nicht jedes denkbare Feature ist für jede Zielgruppe gleich bedeutend.
  3. Struktur-Ebene: Die festgelegten Funktionen und Inhalte werden hier in Form von Interaktionsdesign und Informationsarchitektur strukturiert.
  4. Skelett-Ebene: Diese Ebene zerfällt in die Teile Informationsdesign, Interfacedesign und Navigationsdesign. Für Online Shops interessieren uns nur Informationsdesign und Navigationsdesign. Das Navigationsdesign sind jene Elemente, die es dem Nutzer erlauben sich durch die Informationsarchitektur zu bewegen (bei Online Shops bspw. häufig die Kategorienauflistung).
  5. Oberflächen-Ebene: Das ist, wenn man so will, der Zuckerguss. Für das Web – also auch für Online Shops – geht es hier um das visuelle Design.

Wenn Sie sich diesen Prozess anschauen, dann wird schnell klar, dass Online Shops für 10 EUR im Monat unmöglich ein sauberes Nutzererlebnis generieren können.

Das Betreiben von Online Shops ist eben nicht gleichbedeutend mit dem Aufsetzen einer Shopsoftware mit einer (meistens auch noch hässlichen) Standardoberfläche.

Aber genau solche Online Shops werden von Google bald zusätzlich abgestraft. Die Zahl der Online Shops bei den großen Providern, die tatsächlich Umsatz – bzw. Deckungsbeiträge – generieren, wird noch mehr abnehmen.

Und wer die Warnungen von Matt Cutts nicht hören will: Selbst schuld.

Bildnachweis:
Flickr.com, Andy Bright, Creative Commons: BY-SA

 

Das Ende des Sales-Trichters

Sales-TrichterAlso, wenn Sie mich fragen, hat es den Sales-Trichter (oder auch: Marketing-Trichter) sowieso noch nie gegeben. Das Bild des Trichters soll ja verdeutlichen, dass aus einer Ursprungsmenge am Ende ein Rest übrig bleibt, der dann kauft.

Echt: Ich habe es schon selber in der Küche mit einem Trichter ausprobiert: Wenn ich oben 1 Liter Wasser in den Trichter gebe und anschließend messe, was unten in der Schüssel ankommt, dann messe ich: 1 Liter (ok, wenn man es ganz genau messen würde, verdunstet bestimmt etwas).

Das Bild vom Sales-Trichter meinte vermutlich ein Sales-Sieb. Unten kommt weniger raus, als oben reingegeben wurde (die Amis sind da auch nicht schlauer mit „Sales-Funnel“).

Aber: Spaß bei Seite!

Das Ende des Sales-Trichters (oder auch -Siebs) wird neuerdings häufiger verkündet.

So gibt es bei about.com eine Studie an der 1.600 Teilnehmer beteiligt waren. Aus diesen Daten folgert die Autorin, dass der klassische Sales-Trichter sich zu einer Sales-Schleife umwandelt (siehe auch hier).

  • 73% der Befragten gaben an, dass ihr Kaufweg komplexer und weniger direkt geworden ist
  • 87% gaben an, dass „mehr passiert“, also ein Bedürfnis bei sich zu entdecken, die Optionen auszuloten und dann zu kaufen
  • 83% waren der Meinung, dass der Kaufprozess mittlerweile mehr Kontaktpunkte („Stops“) hat, aber die Zeit bis zum Kauf kürzer ist
  • 86% stimmen damit überein, dass es im Verkaufsprozess heute weniger um die Marke oder das Produkt geht, sondern mehr um die Gefühle und Bedürfnisse der Käufer („Es geht um mich“).

Die Sales-Schleife besteht aus 6 Verhaltensweisen:

  1. Offenheit  – Empfänglichkeit für neue oder bessere Erfahrungen
  2. Realisierter Wunsch oder Bedürfnis
  3. Lernen und Bildung – die Grundlagen verstehen, bevor man irgendetwas kauft
  4. Ideen und Inspirationen suchen
  5. Recherche und gründliche Prüfung – dabei werden auch Einzelheiten wie Preis oder Reviews berücksichtigt
  6. Evaluation nach dem Kauf – hier wird geprüft, wie man sich mit dem Kauf fühlt

Dabei bewegen sich die Konsumenten von einer Verhaltensweise zur nächsten, wie in einem Netz.

Netz oder Labyrinth ist auch das Bild das in einem Beitrag auf Kapost verwendet wird. Die Autorin des Beitrags, Gigi Griffis, schreibt (in diesem Beitrag geht es übrigens auschließlich um B2B!):

Now your customers are researching you online. They’re checking out your website; they’re reading reviews; they’re browsing blogs.

Da der Weg des Käufers an verschiedenen Kontaktpunkten vorbeiführt, gleicht diese „Reise“ eher einem Labyrinth, wie es im Blog auf forrester.com dargestellt wird.

Wo in den Zeiten des klassischen Sales-Trichters der erste Kontakt bspw. über eine Broschüre zustande kam und der Kunde bei Bedarf den Hersteller direkt kontaktierte, kann er sich heute über verschiedene Wege über Sie und Ihre Produkte informieren, ohne, dass Sie etwas davon mitbekommen.

Man muss sich also zunächst klar werden, dass sich der Sales-Trichter verändert hat. Dann muss man herausfinden, an welchen Kontaktpunkten sich die potenziellen Käufer aufhalten, um anschließend die Bindung des Kunden (content-)strategisch anzugehen.

Bildnachweis:
Flickr.com, Ralph Aichinger, Creative Commons: BY

Content-Driven Commerce wächst doppelt so schnell wie der gesamte E-Commerce

Zumindest dann, wenn man der Analyse von VigLink glaubt.

Nach ComScore war der Umsatz beim E-Commerce in den USA in der (Vor-)Weihnachtszeit 2012 um 14% höher als im Vorjahr.

Im Gegensatz dazu wuchs der Umsatz beim „content-driven commerce“, definiert als Umsätze die aus Links in Blogs oder Foren entstanden, um 31%.

Konsumenten schauen sich halt in Blogs um, denen Sie vertrauen und kaufen entsprechende Produkte auf Empfehlung.

Nach einer Untersuchung von BlogHer (siehe Slides unten) trifft dies auf 81% der US-amerikanischen Frauen zu.

Das Unternehmen Huddler machte eine Umfrage, nach der 53% der Befragten in den letzten 12 Monaten einen Kauf tätigten nach einer Recherche in einer entsprechenden Community.

Na, wenn das mal kein Grund für ordentlichen Content ist….

Quelle:

http://www.virtual-strategy.com/2013/01/25/content-driven-commerce-grows-double-pace-overall-e-commerce

Content is King

459272619_7a97b8a813Content is King: Der ECC-Handel hat seine Studie zu den „Erfolgsfaktoren im E-Commerce“ (Teil2) veröffentlicht. Darin ist zu lesen, dass:

  • für 62% der Befragten eine ausführliche und informative Produktbeschreibung absolut wichtig ist
  • für rund 62% der Befragten verständliche und gut sichtbare Informationen über die Versandbedingungen absolut wichtig ist

Keine Rolle spielt dagegen die professionelle Gestaltung der Webseite: Nur knapp 20% der Befragten fanden das absolut wichtig.

Wenn man die Bewertungspunkte auf der Skala „absolut wichtig“ und „sehr wichtig“ addiert, ist das Ergebnis noch dramatischer:

  • 87,9% Produktbeschreibung
  • 88,9% Informationen zu den Versandbedingungen

Das bedeutet: Für nahzu 90% der Nutzer ist der Content das Wichtigste. Wer sich mit dem Thema Content im E-Commerce auseinandersetzt, ist von dem Ergebnis keinesfalls überrascht. Bereits im Oktober 2011 hatte Jakob Nielsen in einer Studie gezeigt, dass 55% der Aufgaben in einem Usability Test nicht durchgeführt werden konnten, weil der Content unzureichend war („Bad Content Kill Sales„).

Ich stieß erst gestern auf ein ganz tolles Beispiel wie es nicht geht. Die Firma Halloren (das ist die älteste Schokoladenfabrik Deutschlands) betreibt einen Webshop und bietet auch mit Stevia gesüßte Schokolode  an. In der Produktdetailansicht findet man – außer dem Preis und dass die Schoki Stevia enthält – keine weiteren Informationen. Was mich als Nutzer bspw. interessieren würde:

  • Welche Form von Stevia ist da drin (es gibt bspw. reines Steviosid oder diesen Müll, den es im Supermarkt gibt)
  • Wieviel Prozent Kakao hat die Schoki?
  • Hat die Schoki wegen dem Stevia einen bitteren Nachzieher?
  • Welche gesundheitlichen Vorteile hat das?

Und vieles mehr. Statt dessen gibt es einen 3 Zeiler, dass es belgisches Traditionshandwerk ist. Mich würde nicht wundern, wenn der Shop von Halloren nicht sonderlich durch die Decke geht.

Die aktuelle Studie vom ECC-Handel zeigt es also wieder: Content is King (auch wenn andere gelegentlich das Gegenteil behaupten)!

Quellen:

Internet World

E-Tailment

Bildnachweis:

Flickr.com, Stefan Schulz, Creative Commons (BY-NC-SA)

 

 

 

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